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Gold-Raub: "Keine Medaillen aus emotionalen Gründen"

Das Gold-Drama um die deutschen Vielseitigkeitsreiter endete in Entsetzen und Enttäuschung. IOC-Präsident Rogge erklärte unmissverständlich, es werden keine zusätzlichen Goldmedaillen vergeben. Bettina Hoy will jetzt klagen.

Nach neuneinhalb turbulenten Tagen endete das olympische Goldmedaillen-Drama um die deutschen Vielseitigkeitsreiter in Entsetzen und Enttäuschung. IOC-Präsident Jacques Rogge hat den letzten Hoffnungs-Funken am Freitag erstickt und unmissverständlich erklärt: "Wir vergeben keine Medaillen aus emotionalen oder humanitären Gründen." Traurig reagierte Bettina Hoy und klagte resigniert: "Das führt die olympische Idee ad absurdum." Trotzdem erwägt sie weiterhin den Gang vor ein Zivil-Gericht und hofft am Sonntag bei der Abschlussfeier die deutsche Fahne tragen zu dürfen: "Das wäre ein schönes Zeichen."

Rogge sagte: "Wir halten uns strikt an die Ergebnislisten der internationalen Verbände." Das Ersuchen des deutschen Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Hoy und das Team mit zusätzlichen Goldmedaillen zu bedenken, habe das IOC daher abgelehnt. Vom Welt- Reitverband FEI scheinen die Deutschen trotz gegenteiliger Beteuerungen im Stich gelassen, denn einen FEI-Antrag erwähnte Rogge nicht.

Fassungslosigkeit

"Ich bin fassungslos", reagierte Hanfried Haring, FEI- Präsidiumsmitglied und zugleich Generalsekretär des nationalen Verbandes (FN): "Ich finde das Ganze fürchterlich." FN-Präsident Jürgen Thumann sagte: "Das ist eine herbe Enttäuschung nach all unseren Bemühungen." Trotz des "emotionalen Tiefschlags" gab sich zumindest Hinrich Romeike (Nübbel) kämpferisch. "Für mich ist das noch nicht ad acta gelegt", betonte der Team-Reiter.

Viele Anwälte stehen zur Verfügung

Romeike will sich wie Bettina Hoy juristisch beraten lassen. "Sehr, sehr viele Anwälte haben sich gemeldet", berichtete die aus Rheine stammende Reiterin, die inzwischen wieder in ihrem britischen Wohnort Gatcombe angekommen ist. "Ich mache das aber nur in Absprache mit meinen Kollegen und wenn unser Sport damit nicht in Misskredit gerät." Das wäre aber unweigerlich der Fall, wenn es nun noch Jahre lange Prozesse gäbe.

Die FN will daher auf entsprechende Schritte verzichten. Generalsekretär Haring gab zu bedenken: "Das würde die Gefahr bergen, dass wir nicht besser dastehen als die anderen." Die NOKs von Frankreich, Großbritannien und USA hatten mit ihrem Protest vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS dafür gesorgt, dass die deutsche Equipe und Hoy die am Mittwoch vor einer Woche gewonnen Goldmedaillen wieder verloren haben.

Hoy will bei der Abschiedsfeier deutsche Flagge tragen

Ein kleiner Trost wäre es für Hoy, wenn sie am Sonntag die Fahne tragen dürfte. "Das würde mich freuen", sagte sie, "dafür würde ich sogar wieder nach Athen zurückkehren." Unterstützung für diese Idee gibt es von Ludger Beerbaum, der die Fahne bei der Eröffnungsfeier trug. Der Springreiter sagte aber auch: "Ich würde von einem Gang vor Gericht abraten, denn so haben sie zumindest noch die Moral auf ihrer Seite." Zur Entscheidung des IOC sagte der Springreiter: "Das ist sehr schade, aber bei dem ganzen Theater gibt es jetzt nur Verlierer."

Nach Ansicht des Hamburger Sportanwalts Volker Meinberg hätten die Reiter gute Aussichten, sich ihre Goldmedaille vor einem ordentlichen Gericht zu erstreiten. «Der Entscheidung des Internationalen Sportsgerichtshofs steht die Fehlerhaftigkeit schon auf der Stirn», hatte der auf Sportrecht spezialisierte Jurist am Donnerstag gesagt.

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