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Halbfinal-Schlappe: Fußball-Frauen scheitern an den USA

Die "Operation Gold" ist gescheitert: In der Verlängerung mussten sich die deutschen Fußball-Weltmeisterinnen den USA verdient mit 1:2 geschlagen geben. Erneut geht es nur um Bronze.

Die "Operation Gold" ist gescheitert. Für die hochdekorierten deutschen Welt- und Europameisterinnen bliebt das Finale des olympischen Fußball-Turniers ein unerreichbares Ziel. Wie vor vier Jahren in Sydney spielt die Frauen-Nationalmannschaft nach dem 1:2 (1:1, 0:1) n.V. am Montag im Halbfinale gegen die USA erneut nur um Bronze.

Last-Minute-Tor durch Bachor

Isabell Bachor hatte vor 2000 Zuschauern in Heraklion auf Kreta den K.o. mit ihrem Treffer zum 1:1 in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit noch aufgeschoben, doch US-«Joker» Heather O’Reilly besiegelte in der 99. Minute die Niederlage. Für die lange Zeit klar überlegenen Amerikanerinnen hatte Kristine Lilly in der 33. Minute das erste Tor erzielt.

Um Bronze gegen Schweden oder Brasilien

Im «kleinen Finale» trifft der Olympia-Dritte von 2000 am Donnerstag in Piräus auf den Verlierer der zweiten Halbfinal- Begegnung zwischen Vize-Weltmeister Schweden und Brasilien. Die Amerikanerinnen können am selben Tag in ihrem dritten olympischen Endspiel zum zweiten Mal nach Atlanta 1996 Gold holen.

Überlegende US-Girls

Bundestrainerin Tina Theune-Meyer hatte im Vergleich zum Viertelfinale eine Umstellung in der Startformation vorgenommen. Die Potsdamerin Conny Pohlers, die gegen Nigeria das 2:1-Siegtor erzielt hatte, durfte für Petra Wimbersky stürmen. Doch in der Offensive befand sich die DFB-Auswahl nur selten, eine zwingende Torchance blieb bis zum 1:1 von Bachor aus. Anders die US-Girls, die mit noch sieben Spielerinnen vom verlorenen WM-Halbfinale vor einem Jahr (0:3) auf Revanche aus waren und in der zwar spannenden, aber auf schwachem Niveau stehenden Partie aggressiver und zielstrebiger agierten.

Besonders unglücklich verlief der Abend für Torhüterin Silke Rottenberg, die so gerne im Finale ihr dann 100. Länderspiel mit dem Gewinn der Goldmedaille gekrönt hätte. "Das Endspiel wäre mein Traum für das Jubiläum", hatte die 32-Jährige vor ihrem 99. Auswahl-Match gesagt. Doch anders als beim gewonnenen WM-Halbfinale am 6. Oktober 2003 in Portland, als sie die Amerikanerinnen mit ihren Glanzparaden schier zur Verzweiflung gebracht hatte, erwischte die Duisburgerin dieses Mal keinen guten Tag. Den Linksschuss beim Tor von Kelly ließ sie über ihre Fäuste rutschen. Außerdem hatte sie Glück, als ein Foul von ihr an US-Star Mia Hamm nicht mit Elfmeter geahndet wurde (38.).

Zur Halbzeit war das einzige Positive aus Sicht der DFB-Auswahl, dass es nur 0:1 stand. Doch auch nach der Pause kamen die deutschen Weltmeisterinnen nicht auf Touren. Im Angriff blieb man hilf- und planlos, und hinten agierte das DFB-Team teilweise konfus. So musste Rottenberg in der 68. Minute nach einem Fehler von Ariane Hingst in höchster Not gegen Abby Wambach retten. Elf Minuten später hatten die Deutschen Glück bei einem Lattenschuss von O’Reilly.

Der deutsche Versuch einer Schlussoffensive schien dagegen schon verpufft, bis die in der 39. Minute eingewechselte Isabell Bachor in der Nachspielzeit aus halblinker Position mit einem abgefälschten Schuss traf und die Verlängerung erzwang. In dieser traf die nun überragende O’Reilly zunächst erneut nur Aluminium (94.), doch nach Zuspiel von Superstar Mia Hamm traf O’Reilly eiskalt aus der Drehung.

Heinz Büse, DPA / DPA

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