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Wasserspringer Sascha Klein: "Furcht ist kein guter Ratgeber"

In China, dem Land der Wasserspringer, ist er bereits ein Superstar, in Deutschland kennt ihn keiner. Das will der deutsche Wasserspringer Sascha Klein bei Olympia ändern und Gold gewinnen. stern.de sprach mit Klein über seine Beliebtheit in China, seine Olympia-Konkurrenten und über die Einzigartigkeit des Wasserspringens.

Vor diesem Mann hat China Angst. Sascha Klein aus Aachen hat bei den vorolympischen Wettkämpfen im Februar in Peking die gesamte internationale Wassersprung-Elite mit einer beeindruckenden Vorstellung vom 10-Meter-Turm geschockt. Darunter waren auch die China-Stars, für diese war die Niederlage gegen Klein eine Schmach. Schließlich starten sie für ein Land, in dem das Wasserspringen die Sportart Nummer eins ist.

Seit diesem Wettkampf im Februar ist Klein im Reich der Mitte ein Superstar. Während ihn in Deutschland kaum jemand kennt und von seinen Höchstleistungen Notiz nimmt, macht er in China während Olympia täglich die Gazetten voll und sorgt für Schlagzeilen. In Peking will er Gold holen, entweder solo vom Turm oder zusammen mit seinem Berliner Partner Sascha Hausding im Synchronwettbewerb. Klein will hoch hinaus - und alle Experten trauen es ihm zu. stern.de hat sich mit der deutschen Goldhoffnung in Peking unterhalten und festgestellt: Klein fühlt sich in China pudelwohl, befindet sich in Topform und hat keine Angst vor seinen schärfsten Springer-Rivalen. Gold scheint wirklich möglich zu sein.

Mit Ihrer Glanzvorstellung bei der "Vorolympiade" im Pekinger "Water-Cube" im Februar sind sie in ganz China populär geworden. Jeder kennt Sie hier. Wie gehen die Chinesen jetzt mit Ihnen um?

Das ist schon Wahnsinn, was hier abgeht. Schon am Flughafen wurde ich von vielen Menschen mit Kameras empfangen, alle wollen von mir Interviews haben und sind interessiert an meiner Person. Mein Sieg hier beim Weltcup hat in China wirklich eine Welle der Begeisterung ausgelöst. Ich bin selber überrascht.

Können Sie kurz Ihre Gefühle beschreiben, gegen die Chinesen - eine Weltmacht im Wasserspringen - im eigenen Land anzutreten und sie womöglich sogar schlagen zu können?

Das ist unglaublich. Schon nach dem Sieg im Februar konnte ich meine Gefühle kaum beschreiben. Die Chinesen im eigenen Land zu schlagen, das löst Emotionen aus, wie man sie sich kaum vorstellen kann. Ich hoffe natürlich, diese Emotionen bei Olympia wieder zu erleben.

Wie reagieren denn die chinesischen Zuschauer in der Halle auf Sie, wenn Sie oben auf dem Turm bereit zum Absprung stehen? Ist das Sympathie, oder sehen die Fans Sie nur als Rivalen der eigenen Springer?

Das nimmt man überhaupt nicht wahr. Natürlich weiß ich, dass der Cube mit 17.000 Leuten wieder voll sein wird, aber ich bin so fokussiert, da kriegt man nichts mit. Das würde meine Konzentration auch nur stören.

Jetzt haben Sie mit dem viereinhalbfachen Salto einen Sprung im Programm, der im Februar die gesamte Weltelite verblüffte. Werden Sie den hier bei Olympia wieder zeigen?

Ich muss. Dieser Sprung ist so schwierig, dass er die notwendigen Punkte bringen kann, die letztlich dann den Unterschied machen.

Wissen Sie, was die Chinesen auf dem Kasten haben?

Ich gehe davon aus, dass sie die selbe Serie wie auch im Februar springen werden. Aber bei denen weiß man nie, da kann noch einiges kommen.

Welchen Gegner fürchten sie am meisten außer den Chinesen? Den Russen Galperin?

Furcht ist kein guter Ratgeber. Es gibt viele Medaillenkandidaten, die alle ganz weit nach vorne kommen können. Alle sind weltklasse, aber wenn ich das zeige, was ich kann, habe ich alle Chancen, eine Medaille für Deutschland zu holen.

Und der junge Engländer Thomas Daley mit seinen 13 Jahren?

Der hat auch ein einiges drauf. Ob er allerdings dem Druck gewachsen sein wird, hier bei Olympia zu starten, das wird sich noch zeigen. Auf jeden Fall ist das alles hier für ihn ein Riesen-Erlebnis.

Viereinhalbfacher Salto mit Drehungen ohne Ende - woher haben Sie Ihr unglaubliches Balance-Gefühl? Warum verlieren Sie nie die Orientierung?

Da sind viele Sportarten gefragt, die des Beckens stattfinden. Ich mache täglich Akrobatik, Ballett und springe Trampolin. Es ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Sportarten, die alle miteinander harmonieren müssen. Dazu kommen Entspannungsübungen, Strecktechniken, Krafttraining… Beim Wasserspringen ist alles gefragt, das macht es so schwierig.

Interview: Jens Fischer

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