Peking-Skizzen, Teil 12 Here comes the sun


Eine Woche hat es gedauert, dann geschah das Unerwartete: Klarer Himmel, Sonnenschein und kein Smog hier in Peking. Für mich eine Wohltat und ein Gefühl fast wie im Urlaub. Speziell an einem ganz bestimmten Ort gefällt es mir besonders gut: am Beach. Dort ist es schön, dort sind die Leute ganz entspannt. Endlich einmal.
Von Jens Fischer, Peking

Es ist noch nicht sehr lange her, da war hier Nebel angesagt. Noch vor einigen Tagen bin ich nach einem kurzen Schlaf in meinem Hotel aufgewacht, habe aus dem Fenster geschaut und es war mir unmöglich zu sagen, welches Wetter wir heute haben. Schönes Wetter mit Sonnenschein, oder doch ein Tag, an dem mit Regen zu rechnen ist. In jedem Fall hatte vor einigen Tagen noch der Smog das Wetter komplett verschluckt. Alles nebelig, eine einzige trübe Suppe. Irgendwie frustrierend und nicht gerade förderlich, um dem Tag positiv zu begegnen. Schlechte Voraussetzungen für gute Laune und tolle Stimmung.

Aber jetzt ist alles anders. Der viele Regen der letzten Tage hatte einen großen Vorteil: Der Smog ist wie weggespült, der Nebel ist verschwunden und endlich ist auch einmal der Himmel zu sehen. Klarer Himmel über Peking - da macht Olympia gleich doppelt Spaß. Und vor allem: Endlich fühlt man sich nicht mehr wie auf dem Mond, endlich gibt es hier so etwas wie ein Wetter.

Und die Stimmung steigt, vor allem an dem Ort, an den ich mich heute Morgen begeben habe. Beim Beachvolleyball hier in Pekings "grüner Lunge", dem Chaoyang Park, ist Ferien-Stimmung angesagt. Hier fühlt man sich wie in einem ganz normalen Urlaub. Sand, Sonne und kühle Getränke. Was will man mehr? Gut, ich muss natürlich arbeiten. Aber für die vielen Zuschauer im Stadion ist das eine klasse Sache. Überhaupt Beachvolleyball: Für mich der Hot Spot der olympischen Spiele. Super Stimmung, starker Sport und attraktive Menschen. Hier denkt man nicht daran, sich in dem so viel diskutierten Problemland China zu befinden. Hier ist man abseits jeglicher Konformität, hier erlebe ich Menschen mit ausgeprägter Individualität, hier spielen Polizei, Armee und andere staatliche Kontrollorgane keine Rolle. Oder zumindest nicht eine so große.

Auch die hiesigen Volunteers scheinen sich förmlich darum zu schlagen, beim Beachvolleyball dabei sein dürfen. Erfrischend wie offen sie hier an einem entgegentreten, unverkrampft und immer mit einem Lachen. Nicht dieses stereotype, aufgesetzte Lachen, sondern mit einer Fröhlichkeit, die ansteckt. Einfach ein klasse Feeling, hier am Beach.

Überhaupt scheinen alle Beteiligten jetzt nach einer Woche Olympia lockerer zu werden. Natürlich sind die Kontrollen an den Eingängen immer noch streng, aber anders geht es wohl auch nicht. Sicherheit geht vor. Aber was ich meine: Die Polizisten lächeln jetzt auch mal, wenn ich sie ansehe, die Soldaten marschieren zwar immer noch in Reih und Glied, aber irgendwie anders. Irgendwie nicht mehr so steif, nicht mehr so, als hätten sie einen Stock verschluckt. Einfach anders, so als würden sie sagen wollen: Seht her, was wir hier in Peking auf die Beine gestellt haben. Da staunt ihr, was wir Chinesen alles können. Das ist unser Olympia.

Ein wenig stolz können sie ja auch sein, finde ich. Bislang hat alles gut geklappt, gut, ein wenig entspannter könnten sie immer noch sein, einfach mal ein paar Listen weniger auslegen, in die man sich zehn Mal am Tag eintragen muss. Aber passt schon.

Vielleicht bin ich heute aber einfach auch nur wegen dem Wetter so milde gestimmt. Wenn die Sonne scheint, der Smog sich verzogen hat und die Luft erträglich ist, dann ist das Leben einfach schöner. Und meine Laune deutlich besser.


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