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Olympia in Vancouver: Beckert holt zweites Eisschnelllauf-Silber

Zehn Tage nach ihrem Olympiasilber über 3000 Meter hat Eisschnellläuferin Stephanie Beckert auch über die 5000er-Distanz Platz zwei belegt. Daniela Anschütz-Thoms verpasste eine Medaille dagegen erneut knapp.

An Martina Sablikovas Thron gerüttelt, wieder Silber gewonnen: Stephanie Beckert hat ihr Vorhaben wahr gemacht und sich ihr zweites olympisches Edelmetall in Richmond gesichert. Die 21-jährige Erfurterin avancierte damit zur erfolgreichsten Deutschen im Eisschnelllauf-Oval und vollzog endgültig die Wachablösung, nachdem Anni Friesinger-Postma aus Verletzungsgründen ihr Potenzial nicht abrufen konnte.

Die 5000 Meter wurden am Mittwoch jedoch erwartungsgemäß zu einer klaren Angelegenheit von Weltrekordlerin Sablikova. Die Tschechin knackte die von Beckert im Lauf gegen Lokalmatadorin Kristina Groves vorlegte Bestzeit von 6:51,39 Minuten und katapultierte sich in 6:50,91 mit ihrem zweiten Gold an die Spitze der erfolgreichsten Wintersportler ihres Landes in der Olympia-Geschichte. Bronze ging an die 37-jährige Kanadierin Sarah Groves, die damit ihre dritte Medaille gewann.

Die "ewige Vierte" Daniela Anschütz-Thoms musste sich erneut mit "Blech" vorlieb nehmen. Katrin Mattscherodt wurde gar disqualifiziert, weil sie schon in der Startkurvee auf ein Klötzchen der Bahnbegrenzung getreten war. "Ich habe das Klötzchen wegfliegen hören, aber ich bin weitergelaufen. Ich dachte, vielleicht hat es keiner gesehen", sagte die Berlinerin. Damit hat sie ihre Chancen für das Teamrennen, wo sie mit Friesinger um einen Platz kämpft, nicht gerade verbessert.

Nach ihrem Sieg zum Auftakt über 3000 Meter hatte Sablikova auch noch Bronze über 1500 Meter gewonnen. "Wenn wir nach ihrer dritten Olympia-Medaille jetzt in Tschechien immer noch keine eigene Halle bekommen, wird das nie mehr was", meinte ihr Trainer Petr Nowak. In der Vergangenheit hatte die spindeldürre Athletin aus Nove Mesto entweder auf Naturbahnen in ihrer Heimat oder in Berlin ihre Runden gedreht. Dort hatte sie die inzwischen gesperrte Claudia Pechstein als Trainingsgefährtin schätzen gelernt. Die am Montag 38 Jahre alt gewordene Pechstein ist die erfolgreichste Eisschnellläuferin auf der langen Distanz: Zwischen 1994 und 2002 war sie dreimal Olympiasiegerin geworden und vor vier Jahren in Turin noch einmal zu Silber gelaufen. Sie hatte Sablikova im November 2008 auch die letzte Niederlage über 5000 Meter beigebracht.

Beckert würdigt Anschütz-Thoms

Beckert unterstrich bei ihrem zweiten Olympia-Rennen, dass sie als einzige Deutsche das große Erbe der deutschen Langstrecklerinnen Pechstein, Gunda Niemann-Stirnemann und auch Anni Friesinger-Postma fortführen kann. Nach einem wie stets verhaltenen Beginn steigerte sich die Thüringerin von Runde zu Runde und setzte damit Sablikova unter Druck. Nach ihrem Rennen klatschte sie sogar vor Freude in die Hände. Trotz ihrer Erfolge konnten die Deutschen die Verbands-Vorgabe von sechs Medaillen nicht annähernd erfüllen und werden wohl erstmals seit 1976 ohne Olympia-Gold bleiben - wenn nicht im Teamlauf ein Wunder passiert.

Ohne Druck nach dem Gewinn von 3000-Meter-Silber hatte sich Beckert konzentriert auf ihre Spezialstrecke vorbereitet und selbst TV-Aufnahmen in Downtown abgelehnt. "Meine Silbermedaille hat mich schon für die vielen Trainingskilometer entlohnt. So wollte ich die 5000 Meter nur noch genießen", meinte die Sportsoldatin. Zugleich würdigte Beckert auch den Anteil ihrer Vereinskollegin Anschütz-Thoms an ihren Erfolgen: "Ohne sie wäre ich nicht hier, denn das Training mit ihr hat mich so weit gebracht."

DPA/kbe

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