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Olympia: Eisschnelllauf: Friesinger läuft nun doch im Teamrennen

Anni Friesinger-Postma ist nun doch erste Wahl für die olympischen Eisschnelllauf-Teamrennen am Freitag und Samstag. Nach dem schwachen Auftritt von Katrin Mattscherodt über 5000 m und starken Trainingsleistungen von Friesinger entschied sich der Bundestrainer um.

Viel Lärm um nichts: Nach großem Hickhack im Vorfeld geht Anni Friesinger-Postma nun doch am Freitag im Team-Rennen der Olympischen Spiele an den Start. "Anni wird laufen", bestätigte Bundestrainer Markus Eicher nach einem Gespräch mit den Heimcoaches und dem ersten Training mit Friesinger. Die 33-Jährige absolvierte mit den Erfurterinnen Stephanie Beckert und Daniela Anschütz-Thoms bereits einige Starts für die Konkurrenz über die sechs Runden, bei denen unterschiedliche Anfangs-Positionen getestet wurden. Dabei hatte Langstrecklerin Stephanie Beckert jeweils Mühe, dem schnellen Antritt der Team-Gefährtinnen zu folgen.

Das letzte Wort über die Formation hatte Eicher im Gespräch mit den Heimtrainern Stephan Gneupel, Thomas Schubert und Gianni Romme gesprochen. "Es war eine sehr schwere Entscheidung", räumte er nach seiner "Rolle rückwärts" ein. Lange Zeit hatte es Unklarheiten um die Team-Besetzung gegeben. Erst nachdem Katrin Mattscherodt im 5000-Meter-Rennen nicht die erwartete Leistung gebracht hatte, wich der Bundestrainer von seiner zuvor formulierten Linie ab und beorderte Anni Friesinger in die Stammformation.

"Ich stelle mich ganz in den Dienst des Teams"

"Wir hoffen, wir haben jetzt auch die beste Position gefunden. Daniela Anschütz wird von der Außenbahn anlaufen. Der limitierende Faktor am Start ist die Stephanie. Wichtig ist: Bei 200 Metern muss sie dran sein und sich die Mannschaft gefunden haben. Dann muss die Post abgehen", sagte Eicher. "Wir werden unsere Stärken bündeln. Ich stelle mich ganz in den Dienst des Teams", erklärte Anni Friesinger, wollte aber nicht mehr auf den Ärger mit ihrem früheren Heimcoach Eicher eingehen, der sie zunächst nicht berücksichtigen wollte. "Alles, was hier passiert, ist seine Entscheidung."

Schon nach der 5000-m-Entscheidung hatte sich Eichers Meinungsumschwung angedeutet, nachdem Katrin Mattscherodt zu schwach gelaufen war. "Ich schätze Anni momentan stärker ein", sagte die Berlinerin und akzeptierte die Entscheidung der Trainer. Für Mattscherodt war eine Zeit von 7:15,19 Minuten gestoppt worden, die aber sofort Makulatur war, weil die Berlinerin wegen Verlassens der Bahn gleich nach dem Start disqualifiziert wurde. "Ich hatte von Katrin heute weit mehr erwartet, eine Zeit so um 7:05 bis 7:07. Sie hat sich vor dem Rennen auch schlapp gefühlt", berichtete Eicher enttäuscht. Für ihn geht es darum, mit einer Team-Medaille noch die deutsche Bilanz zu retten. "Wir müssen nur Gold holen und alles wäre gut", meinte er mit einem Schmunzeln.

Alles nur Theater?

Nach dem tagelangen Ärger mit der verschnupften Friesinger-Postma, die ihre zeitweilige "Degradierung" zur Ersatzläuferin natürlich nicht akzeptieren wollte, lobte Eicher nun plötzlich seine langjährige Top-Athletin: "Sie hat sechs gute Trainingsrunden absolviert. Das hat mir imponiert", sagte der Inzeller und konterkarierte damit seine noch vor zwei Tagen getätigte Aussage, das Risiko mit Friesinger im Team-Lauf sei aufgrund fehlender Top-Form "gewaltig".

Stephanie Beckert wollte sich zu dem "Theater" - wie es Daniela Anschütz-Thoms bezeichnete - nicht Stellung nehmen. Anschütz selbst gab sich auch bedeckt: "Unser Trainer Stephan Gneupel hat versucht, den Knatsch von uns fernzuhalten. Und ansonsten ist es doch gut, wenn wir zwei Alternativen haben und mit verschiedene Taktiken reagieren können", sagte die "ewige Vierte", die einen erneuten vierten Rang im Team-Rennen unter allen Umständen vermeiden möchte.

Von Frank Thomas, DPA / DPA

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