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Feldhockey Olympia 2012: Doodle-Premiere für "Hirtenkrummstab" und "Treibballspiel"

Das Feldhockey-Doodle ist das erste der Olympia-Reihe, das eine Sportart zeigt, die bisher bei olympischen Spielen noch nicht von Google "gedoodelt" wurde. Späte Ehrung für einen temporeichen Sport.

Von Julia Holzapfel

Als "Treibballspiel mit Stöcken" gab es hockeyähnliche Spiele schon vor Christi Geburt, vor allem in China, Persien, Griechenland und bei den indigenen Völkern Nordamerikas. Auf der Athener Stadtmauer aus dem 5. Jahrhundert ist ein Relief zu sehen, das unverkennbar eine Gruppe von Hockeyspielern darstellt. Der Hockey-Hype in Europa begann im 19. Jahrhundert an britischen Universitäten und Internaten, von wo aus der Teamsport im Lauf des 20. Jahrhunderts auch das europäische Festland eroberte. Zudem machten die Kolonialisten aus Großbritannien Hockey in Indien populär - ein Grund dafür, dass Indien bis heute die erfolgreichste Hockeynation weltweit ist.

Woher der Name "Hockey" kommt, ist ungewiss. Möglich ist eine Abstammung vom französischen Wort "hocquet", was mit "Hirtenkrummstab" übersetzt wird. Auch der alte englische Ausdruck für "Haken", "hockie", wird als mögliche Quelle gehandelt.

In Deutschland konnte Hockey bis in die 1970er Jahre nur schwer Land gewinnen. Dem Deutschen Hockey-Bund, gegründet 1909, gehörten Anfang der Siebziger etwa 31.000 Mitglieder an. Heute gibt es laut Verbandsangaben rund 75.000 Aktive, die in knapp 400 Vereinen die Schläger - regelkonform nicht über Schulterhöhe - schwingen.

In keiner anderen Mannschafts-Ballsportart in Deutschland ist der Anteil an weiblichen Aktiven so hoch wie im Hockey. Obwohl Frauen mit Hockeystock erst seit 1980 bei Olympia antreten dürfen, war das Spiel eines der ersten, das auch weiblichen Begeisterten zugestanden wurde - anfangs natürlich noch in eher knöchellangen denn kurzen Röcken, wie sie heute üblich sind.

Das umfangreiche Regelwerk sorgt für Spannung

Die lange andauernde Unpopularität des Sports wurde oft mit den komplizierten Regeln begründet. Abgesehen von einigen Spezialfällen hat Hockey viel mit Fußball gemein: So spielen zwei Teams mit jeweils zehn Feldspielern und einem Torwart zwei Halbzeiten zu je 35 Minuten gegeneinander. Ziel ist es, so viele Tore wie möglich zu erzielen, wobei ein Treffer nur gültig ist, wenn er aus dem Schusskreis vor dem Tor erfolgt.

Besonders spannend wird Hockey dann, wenn ein Foul innerhalb des Schusskreises passiert. Je nach Vergehen entscheidet der Schiedsrichter auf "kurze Ecke", die nahe neben dem Tor ausgeführt wird, auf "lange Ecke" von der Seitenlinie oder im schlimmsten Fall auf Siebenmeter, das Hockeypendant zum Elfmeter. Gespielt werden darf der Ball, der aus weichem Kunststoff besteht, nur mit der flachen Seite des Schlägers, nicht mit der Kante.

Das Feld (91,4 mal 55 Meter) und das Tor (2,1 mal 3,6 Meter) sind zwar deutlich kleiner als beim Fußball, dafür ist die Anzahl der Karten höher. Neben der gelben Karte, die eine Zeitstrafe von fünf bis 15 Minuten zur Folge hat und der roten Karte, die den Weg in die Umkleidekabine bedeutet, gibt es noch die schwächere grüne Karte, die als Verwarnung eine Zeitstrafe von zwei Minuten bedeutet. In der Zeit muss das jeweilige Team mit einem Spieler weniger auskommen.

Ein blaues Wunder bei Olympia

Der Boden, der für Hockeyspieler das Feld bedeutet, ist heutzutage aus Kunstrasen, der gegenüber dem früher üblichen Naturrasen ein weitaus schnelleres und kontrollierteres Spiel ermöglicht. Das Google-Doodle zeigt die Hockeyspielerin beim Lauf über einen grünen Rasen. Wer etwa die deutschen Hockeydamen beim Vorrundenspiel gegen Australien am Dienstag beobachtet hat, der hat hingegen blau gesehen. London ist der erste olympische Austragungsort, bei dem das Hockeyfeld nicht grün ist. Der blaue Belag und die pinke Feldumgebung sollen für bessere Sichtbarkeit des gelben Balls sorgen.

Olympisch ist Hockey seit 1908 - zumindest für die Herren. Seit Moskau 1980 gibt es auch Frauenhockey im Zeichen der fünf Ringe. Indien führt die olympische Nationenwertung mit acht Goldmedaillen an, dahinter steht Deutschland, mit einer Damen- und drei Herren-Goldmedaillen, darunter auch der Erfolg von Peking 2008. Hockey ist damit die erfolgreichste deutsche olympische Ballsportart. Auch dieses Jahr in London zählen die deutschen Nationalteams zu den Favoriten für die Finalspiele am 10. und 11. August. Bei der Eröffnungsfeier von London 2012 war es übrigens Natascha Keller, eine Stürmerin der Hockey-Damen, die die deutsche Fahne tragen und die deutschen Athleten anführen durfte.

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