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Olympia: Langlauf 4x5km: Staffel-Damen spurten sensationell zu Bronze

Das hatte niemand erwartet. Deutschlands Langläuferinnen stürmen in der Staffel zu Olympia-Bronze. Im Finish muss das DSV-Quartett nur Schweden und Finnland den Vortritt lassen.

Nach dem Sensations-Bronze in der Staffel kullerten bei Deutschlands Langläuferinnen die Freudentränen. Immer wieder umarmten und herzten sich Nicole Fessel, Stefanie Böhler, Claudia Nystad und Denise Herrmann. Mit dem dritten Rang hinter Schweden und Finnland setzte das DSV-Quartett am Samstag die Medaillentradition bei Olympischen Winterspielen nach Gold 2002 sowie Silber 2006 und 2010 fort. "Die Mädels sind ein Team geworden. Das ist eine Erleichterung für die gesamte Mannschaft, die mit Leidenschaft trainiert", kommentierte Bundestrainer Frank Ullrich sichtlich gerührt das erste Edelmetall in den kaukasischen Loipen.

In einem dramatischen Rennen über 4 x 5 Kilometer gingen die hoch favorisierten Norwegerinnen um Ski-Königin Marit Björgen als Fünfte überraschend leer aus. 53,6 Sekunden betrug der Rückstand auf die Schwedinnen, die ihr erstes olympisches Staffel-Gold seit 54 Jahren bejubelten.

Gold in greifbarer Nähe

Für die über sich hinauswachsenden DSV-Läuferinnen schien sogar ein Sieg möglich, als Schlussläuferin Herrmann gemeinsam mit der Schwedin Charlotte Kalla und Krista Lahteenmäki aus Finnland auf die Zielgerade ging. Doch die Sprint-Spezialistin konnte dem Tempo der beiden Rivalinnen im Endspurt nicht folgen. "Ich habe gekämpft auf der Zielgerade, es aber leider nicht ganz geschafft. Trotzdem bin ich überglücklich", sagte die Olympia-Achte im Sprint.

Das traf auch auf ihre völlig aufgelösten Kolleginnen zu. "Das ist etwas ganz Besonderes. Damit habe ich nicht gerechnet. Unglaublich", sagte Nystad über ihre sechste Olympia-Medaille. Die 36-Jährige hatte ihre Karriere nach Vancouver eigentlich schon beendet, war vor einem Jahr aber in den Leistungssport zurückgekehrt.

Als Dritte war Nystad von Böhler, die wie schon bei ihrem sechsten Platz über 10 Kilometer ein glänzendes Klassik-Rennen ablieferte, auf die Strecke geschickt worden. Gemeinsam mit der Finnin Kerttu Niskanen setzte sie sich ab und bekannte danach: "Ich habe nur gedacht: dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben." Nystad ist jetzt mit sechs Medaillen die erfolgreichste deutsche Langläuferin. Bei ihren vierte Spielen machte sie mit der Bronzemedaille ihren Medaillensatz komplett. Bislang hatte sie zweimal Gold und dreimal Silber gewonnen.

Mit Vollgas angreifen

Startläuferin Fessel lief auf der ersten Klassik-Schleife ein beherztes Rennen, obwohl es zum Schluss schmerzhaft wurde. "Ich hatte mit Krämpfen im Schienbein zu kämpfen", berichtete die Oberstdorferin. "Jetzt bin ich überglücklich. Es ist perfekt gelaufen."

Das lag auch an Böhler, die sich auf ihrer Schleife nicht einmal verausgaben musste. "Ich fasse das gar nicht. Ich hätte noch schneller gekonnt, habe mich aber nicht getraut. Ich weiß gar nicht, was hier abgeht", erzählte die Schwarzwälderin, die vor zwei Jahren an Schilddrüsenkrebs erkrankt war. "Wir haben uns gestern geschworen, mit Vollgas anzugreifen", berichtete Böhler. "Wir haben gesagt, wir können mehr, als uns von vielen zugetraut wird."

Das bestätigte der DSV-Express eindrucksvoll und bescherte dem Bundestrainer damit die erste Medaille seiner Amtszeit. "Jetzt haben wir sie endlich", sagte Ullrich erleichtert und fügte hinzu: "Für mich ist das etwas Neues und Schönes. Ich werde es genießen."

swd/DPA / DPA

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