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Sturz vor dem Ziel: Slapstick-Kombinierer verschenken Gold

Spannung pur in der Nordischen Kombination, aber kein Happy End. Ein Sturz kurz vor dem Ziel brachte das deutsche Trio ins Hintertreffen. Bundestrainer Hermann Weinbuch ist extrem angefressen.

Als Fabian Rießle mit einem Jubelsprung aufs Podest seinen olympischen Bronze-Coup feierte, trauerten seine Teamkollegen Björn Kircheisen und Johannes Rydzek wenige Meter entfernt tief betrübt der verpassten Medaille nach. In einem dramatischen Rennen gaben die deutschen Nordischen Kombinierer am Dienstag das mögliche zweite Gold bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi leichtfertig aus der Hand und sorgten damit auch bei Bundestrainer Hermann Weinbuch für gemischte Gefühle. "Wir hatten eine Riesenchance, ein ganz großes Ding zu ziehen. Deshalb tat es ein wenig weh, auch wenn ich mich für Fabian sehr freue", sagte Weinbuch.

Dass Eric Frenzel beim norwegischen Doppelsieg durch Jörgen Graabak und Magnus Moan die Kräfte ausgingen, hatte der Coach einkalkuliert. Dass Kircheisen im Überschwang der Gefühle zu früh attackierte und Rießle in der vorletzten Kehre vor dem Ziel Rydzek über den Haufen rannte, hatte er sich dagegen nicht ausmalen können. "Schade, dass wir da eine Medaille hergeschenkt haben", stellte Weinbuch mit feuchten Augen fest.

Spott auf Twitter über deutsches Trio

Rießle konnte sich zunächst nicht über seinen dritten Rang freuen, denn Rydzek nahm sich den Schwarzwälder gleich hinter der Ziellinie zur Brust. "Da kommen in der ersten Emotion natürlich die Gefühle hoch. Es ist natürlich ärgerlich, dass nur ich auf dem Podium stand. Es wäre cool gewesen, wenn die anderen auch dort gelandet wären", sagte Rießle und beteuerte: "Aber es gibt keinen Stress. Alles ist wieder gut."

Wirklich? Snowboarderin Isabella Laböck, die Freundin von Björn Kircheisen, postete auf ihrer Facebook-Seite einen Kommentar, der zumindest Raum für Spekulationen lässt: "… aber auch traurig für Björn, mit dieser Leistung hätte er eine Medaille verdient gehabt. Aber, na ja manche Sachen oder Aktionen lasse ich jetzt lieber unkommentiert...Geht gar nicht!"

Auf Twitter gab es ebenfalls den ein oder anderen kritischen Kommentar.

Versöhnung - auch mit Blick auf den Teamwettbewerb

Rießle immerhin konnte den größten Erfolg seiner Karriere schon wenig später richtig genießen. "Ich bin absolut happy. Das ist das größte Märchen, das ich je erlebt habe", sprudelte es aus ihm heraus. Vergessen war das Malheur, als er im Kampf um die beste Sprintposition Rydzek auf der Innenbahn fahrend derart bedrängt hatte, dass dieser zu Fall kam.

"So schnell geht's im Sport. Die Emotionen sind groß gewesen, die Enttäuschung auch. Er konnte ja nicht wirklich etwas dafür", beschrieb Rydzek später die Situation. "Es war halt eng wie Sau, aber es hat keiner absichtlich gemacht", schilderte Rießle die Szene. Die beiden Streithähne nahmen sich später in den Arm und feierten gemeinsam. "Abhaken und nach vorn sehen, in zwei Tagen wollen wir mit der Mannschaft auf das Treppchen. Heute Abend trinken wir ein Versöhnungsbier und dann wird nach vorn geschaut", sagte Rydzek, der Achter wurde.

Trainer: "Mal wieder" falsche Kircheisen-Taktik

Derweil saß Kircheisen weinend in der Box. Der 30-Jährige aus Johanngeorgenstadt hatte sich anderthalb Kilometer vor dem Ziel abgesetzt. "Ich habe meine Chance gerochen, gewinnen zu können. Auf den letzten 300 Metern ist mir etwas die Luft ausgegangen, ich war übersäuert. Ich war so oft ganz nah dran und nun bin ich wieder Vierter. Es sollte nicht sein, das ist so bitter", meinte der Routinier.

Weinbuch war mit Kircheisens Taktik nicht einverstanden. "Björn hat zu früh angegriffen. Er hat sich wieder einmal taktisch nicht im Zaum gehabt. Wenn er noch 500 Meter wartet, gewinnt er. Ich habe versucht, ihn zu bremsen, aber das ist sein Naturell", meinte der Coach enttäuscht.

Das Rätselraten um die Form von Frenzel nach seinem überlegenen Sieg auf der Schanze mit einem Satz auf 139,5 Meter wurde in der Loipe schnell beantwortet. Die Virusinfektion hatte sich auf die Muskulatur gelegt. Als vorn die Post abging, hatte der Olympiasieger von der Normalschanze nichts mehr zuzusetzen und wurde Zehnter. "Es war positiv, dass ich durchgehalten habe. Jetzt sind die Rohre wieder frei für den Mannschafts-Wettkampf am Donnerstag, da wird wieder angegriffen", erklärte der zweimalige Weltmeister und wirkte dabei nicht sonderlich enttäuscht.

kng/DPA / DPA

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