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Debatte um Sportförderung: Paralympics-Medaillen werden wertvoller

15.000 Euro für einen Olympiasieg, 4500 für eine Goldmedaille bei den Paralympics: Diese Diskrepanz hat bei vielen deutschen Behindertensportlern für Ärger gesorgt. Nun wurden die Prämien erhöht.

Mitten in der Debatte um die Förderung deutscher Spitzenathleten kann das deutsche Paralympics-Team mit höheren Medaillenprämien rechnen. Kurz vor der Eröffnung der XIV. Paralympics am Mittwoch hoben die Deutsche Sporthilfe und der Deutsche Behindertensportverband (DBS) die Medaillenzuschüsse für die deutschen Behindertensportler in London an. "Diese erfreuliche Aufstockung ist eine Wertschätzung der sportlichen Leistungen aller Menschen mit Behinderung und somit ein Schritt zu mehr Gleichstellung behinderter und nicht behinderter Menschen", erklärte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher am Dienstag in Frankfurt/Main.

Für eine Goldmedaille bei den Paralympics erhalten die deutschen Athleten künftig 7500 statt wie bislang 4500 Euro. Für Silber und Bronze werden 5000 bzw. 3000 statt 3000 und 1500 Euro ausgeschüttet.

Dass es bei der Prämierung von Olympia- und Paralympics- Teilnehmern so große Unterschiede gibt, hatte zuvor bei einer Reihe von Behindertensportlern Unmut ausgelöst. Zum Vergleich: Olympiasieger erhalten für eine Goldmedaille eine Prämie von 15.000 Euro.

Von Äpfeln und Birnen

"Wir dürfen nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Es muss gar nicht der gleiche Betrag sein, wichtig ist, dass sich überhaupt etwas bewegt", sagte der siebenmalige Paralympics-Teilnehmer im Tischtennis, Rainer Schmidt.

Noch am Vortag hatten sich in Ilke Wyludda und Wojtek Czyz zwei prominente Sportler mit Handicap über die ungleiche Behandlung beschwert. "Ich verstehe diese Kritik, sehe die deutliche Erhöhung der Prämien aber als großen Schritt. Wenn sich von 20 Athleten zwei beschweren und die anderen zufrieden sind, dann kann man damit leben", entgegnete Schmidt.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, stärkte indes den Kritikern den Rücken. Viele Sportler seien zurecht darüber erbost, dass sie im Vergleich zu ihren nichtbehinderten Olympia-Kolleginnen und Kollegen weiterhin deutlich niedrigere Prämien erhalten. "Hier entsteht der Eindruck, Sportlerinnen und Sportler mit Behinderungen verdienten weniger Anerkennung. Das halte ich für sehr bedenklich", wurde Lüders in einer Mitteilung vom Dienstag zitiert. Die nun verkündete Aufstockung der Prämien begrüßte Lüders ausdrücklich.

Mehr Geld dank König Fußball

Verbandschef Beucher bestätigte, dass die Prämienerhöhung vor allem dank zusätzlicher Gelder der Deutschen Fußball-Liga und der Bundesliga-Stiftung möglich sei. "Diese Entwicklung ist enorm. Daher will ich vor allem Danke sagen, insbesondere Herrn Gaugler von der Bundesliga-Stiftung, der das durch die Bereitstellung erklecklicher zusätzlicher Mittel möglich gemacht hat", meinte Beucher.

"Der Fußball ist in einer öffentlich sehr bevorzugten Position. Deswegen haben wir uns entschieden, zu helfen", sagte Kurt Gaugler, der Geschäftsführer der Bundesliga-Stiftung. "Der Fußball sollte sich nicht vom anderen Sport abgrenzen, sondern gemeinsam mit ihm gehen."

Von den 150 Aktiven im deutschen Paralympics-Aufgebot werden aktuell 118 von der Sporthilfe gefördert. Deren Gesamtförderung für 2012 beläuft sich bislang auf 2,63 Millionen Euro. Der geschätzte Betrag, der dazu noch für die Medaillenprämien in London fällig werden dürfte, liegt im mittleren sechsstelligen Bereich.

Charlotte Schneider, DPA / DPA

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