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Yoshiro Mori Nach sexistischen Äußerungen: Japans Olympia-Cheforganisator tritt zurück

Mori gibt seinen Rücktritt bekannt
"Ich habe es nicht so gemeint" – Mori fühlt sich missverstanden
© Yoshikazu Tsuno / AFP
Frauen würden "zu viel reden": Japans ehemaliger Premierminister Yoshiro Mori ist nach frauenfeindlichen Äußerungen von seinem Posten als Olympia-Cheforganisator zurückgetreten. Das stellt den geplanten Start der Spiele diesen Sommer vor weitere Herausforderungen.

Yoshiro Mori, ehemaliger Premierminister Japans, hat sein Amt als Chef-Organisator der Olympischen Spiele in Tokio niedergelegt. Grund für den Rücktritt waren dessen frauenfeindliche Äußerungen: Nach einer Vorstandssitzung des Japanischen Olympischen Komitees hatte der 83-Jährige behauptet, dass Frauen in Meetings zu viel reden.

Frauen hätten "Schwierigkeiten zum Punkt zu kommen"

Nach dem Vorstandstreffen am 3. Februar habe Mori sich zum Bemühen den Frauenanteil im Gremium zu erhöhen geäußert. Medienberichten zufolge sagte der frühere Premierminister, dass Sitzungen mit weiblichen Vorstandsmitgliedern "zu viel Zeit in Anspruch nehmen", weswegen er eine Einschränkung der Redezeit vorgeschlagen haben soll. Schließlich würden Frauen auch darum wetteifern, wer die längste Redezeit bekommt. Angesichts der daraufhin aufbrausenden Kritik habe sich Mori zunächst zwar entschuldigt, seinen Rücktritt jedoch ausgeschlossen. Obwohl sich hochrangige Politiker, so auch Premierminister Yoshihide Suga, von Moris Bemerkungen enttäuscht zeigten, habe keiner von ihnen Moris Amtsniederlegung gefordert.

Politiker und Sponsoren üben Druck aus

Doch der Druck auf den ehemaligen Premierminister ließ keineswegs nach. Der japanischen Tageszeitung "The Mainichi" zufolge trug eine Gruppe weiblicher Abgeordneter während einer Plenarsitzung am Dienstag als Zeichen des Protests weiße Kleidung und weiße Revers-Rosen – einige Männer hätten es ihnen gleichgetan. Auch hätten fast 400 Freiwillige ihre Hilfe bei den Spielen im Sommer zurückgezogen. Das Internationale Olympische Komitee habe Moris Aussagen in einer Erklärung als "absolut unangemessen" bezeichnet.

Laut "BBC" hatte sich Yuriko Koike, Gouverneurin der Präfektur Tokio ebenfalls dem Protest angeschlossen: Sie wolle an keinem weiteren Treffen hochrangiger Olympia-Funktionäre mehr teilnehmen. Auch auf Seiten der Wirtschaft wurden kritische Stimmen laut. Große Sponsoren, wie der Automobilhersteller Toyota, sollen sich enttäuscht über Moris Aussagen gezeigt haben.

Rücktritt und Unverständnis

Als Folge der nicht abebbenden Empörung, gab Mori am Freitag schließlich seinen Rücktritt bekannt: "Genau dann, wenn wir uns darauf vorbereiteten, die Spiele definitiv abzuhalten, habe ich als Präsident etwas gesagt, was ich nicht hätte sagen sollen", soll er gegenüber Reportern vor einer Sitzung des Exekutivkomitees am Freitag in Tokio erklärt haben. Die Olympischen Spiele müssten wie geplant im Juli stattfinden können – seine Anwesenheit solle dabei kein Hindernis darstellen.

Dennoch habe er sein Unverständnis über das Ausmaß der Empörung gezeigt. Seine Aussagen seien falsch interpretiert worden: "Ich habe es nicht so gemeint, obwohl es als Diskriminierung von Frauen bezeichnet wurde. Ich habe Frauen gelobt und sie ermutigt, sich mehr zu äußern", wird Mori in einem Bericht der "New York Times" zitiert. Er habe sich zudem aufgrund seines Alters unfair behandelt gefühlt – auch alte Menschen würden "Gutes für Japan und die Welt" leisten.

Unklare Nachfolge

Wer Moris Nachfolge antritt, ist bisher noch unklar. Er selbst soll den ehemaligen Präsidenten des japanischen Fußballverbandes, Saburo Kawabuchi, vorgeschlagen haben. Japanischen Medien zufolge wird der 84-Jährige jedoch nicht für den Posten antreten. Das japanische Olympia-Komitees bestehe derzeit aus fünf Frauen und 24 Männern. Nach Angaben der "BBC" hatte es sich das Komitee eigentlich bis 2019 zum Ziel gesetzt, die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder auf 40 Prozent zu erhöhen. Diese Ungleichheit ist jedoch nicht nur ein Problem bei den japanischen Olympia-Organisatoren. Laut dem "Global Gender Gap Report 2020" des Weltwirtschaftsforums existiert in Japan "die mit Abstand größte geschlechtsspezifische Kluft unter allen fortgeschrittenen Volkswirtschaften" – ein Negativtrend, der sich in den vergangenen Jahren noch verschlimmert hätte.

Werden die Olympischen Spiele erneut verschoben?

Der plötzliche Führungswechsel könnte die ohnehin schwierige Situation weiter verkomplizieren. Der "New York Times" zufolge sprachen sich einige Prominente gegen Moris Rücktritt aus – sie befürchteten, dass dessen Rückzug die Olympischen Spiele gefährden könnte.

Die Spiele sollten ursprünglich 2020 stattfinden, wurden jedoch aufgrund der Corona-Pandemie in den Sommer 2021 verschoben. Doch auch der geplante Start am 23. Juli gilt alles andere als sicher. Die Weltgesundheitsorganisation verzeichnet in Japan einen rapiden Anstieg der Neuinfektionen und Todeszahlen. Seit Anfang Januar seien mehr als 411.000 Fälle und 6.700 Tote im Zusammenhang mit dem Virus bestätigt worden. Auch beim Impfen hinkt Japan Medienberichten zufolge hinterher: Die ersten Dosen sollen voraussichtlich erst Ende Februar verabreicht werden. Wie "CNN" schreibt, habe eine Umfrage eines staatlichen Rundfunksenders im Januar ergeben, dass über drei Viertel der Japaner für eine erneute Verschiebung oder gar eine Absage der Spiele sind.

Quellen: "New York Times"; "BBC"; CNN"; "The Mainichi"; "Global Gender Gap Report 2020"; WHO


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