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"TV Total Pokernacht": Raabs Runde der Dilettanten

Pokern ist in, Promis sind es sowieso, doch beides zusammen funktioniert nicht: Bei der "TV Total Pokernacht" hat die Runde um Stefan Raab jegliche Spielintelligenz vermissen lassen. Vor allem ein Möchtegern-Zocker blamierte sich bis auf die Knochen.

Von Christoph Schäfer

Poker-Moderator Oliver Welke trifft den Nagel auf den Kopf: "Seit der Finanzkrise gilt Pokern als vergleichbar sichere Geldanlage", sinniert er zu Beginn der Sendung. Was Welke nicht erwähnt: Das gilt nur, wenn man gegen die Promis von spielt.

Die meisten von ihnen beteuern in der zehnten " Pokernacht" noch vor dem Start des Turniers ihre Ahnungslosigkeit. In professionellen Kreisen würde dies sofort als Signal zum Angriff verstanden, doch Raabs Gäste kümmert das offenbar wenig. So bekennt Schauspieler Moritz Bleibtreu, lediglich "ab und an zu pokern". Elton räumt ein, dass er in den letzten Wochen "viel üben" musste. Und TV-Köchin Sarah Wiener will ihr mangelndes Glück gar "mit Ehrgeiz" ausbügeln - eine der wenigen Tugenden, die am Pokertisch nicht weiterhelfen.

Etwas mehr Spielsicherheit traut sich lediglich Rapper Sido zu, der auch privat gerne mal am Pokertisch sitzt. Die größten Siegchancen räumen die Moderatoren jedoch Barry ein, einem Berliner Sprinkleranlagen-Bauer, der sich in zwei Internet-Turnieren gegen Tausende Mitspieler durchsetzen musste, um an Promi-Turnier teilnehmen zu dürfen.

Lerneffekt gleich null

Gespielt wird bei Stefan Raab traditionell in der Variante "Texas Hold'em no Limit", der mit Abstand populärsten Pokerart in Deutschland. Zwei kurze Einspielfilme erklären zu Beginn noch einmal die Regeln und die Rangfolge der Pokerblätter, doch zumindest bei den Promis bleibt der erhoffte Lerneffekt weitgehend aus.

Runde um Runde zeigen sie haarsträubende Spieltechniken, setzen gegen alle Wahrscheinlichkeiten. So überlegt der Gastgeber lange, ob er mit einer 4 und einer 7 in der Starthand im Spiel bleibt. "Stefan geht immer davon aus, dass der Gegner nichts hat", erklärt Moderator . Allerdings vergesse Raab dabei gerne, "dass er selbst auch nichts hat".

Tatsächlich wird in dieser Nacht so ziemlich jede Pokerweisheit missachtet, die Millionen anderer Spieler beherzigen. So berichtet Elton seinen Mitspielern beispielsweise wahrheitsgemäß, dass er soeben ein Viererpärchen weggeworfen hat, und bricht damit die goldene Regel, niemals ohne Not über die eigenen Startkarten zu sprechen.

Auch Sarah Wiener bekleckert sich nicht mit Ruhm, als sie mit betont lässiger Geste und coolem Gesichtsausdruck einige Jetons in die Tischmitte werfen will - und die Chips schnurstracks auf dem Fußboden landen.

Eine Viertelstunde später reicht es sogar Moderator Welke. "Wir hatten uns vor der Sendung eigentlich ganz fest vorgenommen, hier nichts schlimm zu finden und alles zu loben. Aber es geht einfach nicht", kommentiert er die Spielzüge der Teilnehmer. Co-Moderator Michael Körner sieht das ebenso: "Nein, das geht wirklich nicht."

Raab schießt Bock des Abends

Den Bock des Abends schießt der Gastgeber wenig später höchstpersönlich. Selbst als alle Gemeinschaftskarten offen in der Tischmitte liegen, übersieht Stefan Raab seinen Herz-Flush, eines der besten Pokerblätter überhaupt. Die eigentlich zwingend gebotene Erhöhung bleibt aus, er lässt den Einsatz unverändert - und wundert sich sogar, dass er mit seinem exzellenten Blatt wirklich gewonnen hat.

Der Rest der Partie verläuft unspektakulär: Weil er etwas Pech hatte, muss als erster den Tisch verlassen. Von seiner Niederlage noch ganz mitgenommen rennt er dabei fast gegen die Ausgangstür. Nach drei grottenschlechten Spielzügen folgt ihm TV-Köchin Wiener hochverdient auf die "Loser-Couch" hinter der Studiowand.

Auf den Plätzen Drei und Vier scheiden Moritz Bleibtreu und Stefan Raab aus dem Rennen. Im Finale verliert Online-Qualifikant Barry dann mit etwas Pech gegen Elton, der 50.000 Euro mit nach Hause nehmen darf. Im Siegestaumel spricht er - endlich - eine echte Erkenntnis aus: "Poker, das ist ein Teufelsspiel."

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