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17. Etappe: Landis zurück im Kampf um Gelb

Die Tour de France bleibt unberechenbar. Nach dem Einbruch am Vortag feierte Floyd Landis ein Comeback: Durch einen Soloritt gewann er die Etappe und ist jetzt wieder Dritter. Dieses Mal zeigte Andreas Klöden Schwäche, bleibt aber in Podiumsnähe.

Floyd Landis startete ein sagenhaftes Comeback, Carlos Sastre verpasste Gelb um zwölf Sekunden, und Andreas Klöden rutschte auf der letzten Alpenetappe auf Rang vier zurück: Die Ergeignisse haben sich am Donnerstag auf der 17. Etappe der 93. Frankreich-Rundfahrt erneut überschlagen. Einen Tag nach dem Totaleinbruch von Landis hat sich der Amerikaner sensationell zurückgemeldet und greift sogar wieder nach dem Gelben Trikot. "Ich bin hergekommen, um die Tour zu gewinnen. Das will ich nach wie vor. Wenn ich einen schlechten Tag habe, muss ich eben einen guten dranhängen", sagte der US-Radprofi vom Phonak-Team.

Im Ziel konnte der Spanier Oscar Pereiro seine Spitzenposition nach 200,5 Kilometern im Wintersport-Paradies Morzine nur hauchdünn vor seinem Landsmann Sastre und 30 Sekunden vor dem Stehaufmännchen Landis behaupten. Klöden liegt mit nach wie vor 2:29 Minuten Rückstand auf Pereiro vor den letzten drei Etappen jetzt auf dem vierten Platz. Bei der gefährlichen Abfahrt ins Ziel hatte Pereiro Kopf und Kragen für sein Trikot riskiert.

Sinkewitz kann Landis' Tempo nicht halten

Landis holte den ersten Tour-Etappensieg seiner Karriere. Die Tour verspricht bis zum Zeitfahren am Samstag weiter höchste Spannung. Der Phonak-Kapitän wurde nach 5:23:36 Stunden im Alleingang Tagessieger, 5:43 Minuten vor dem CSC-Chef Sastre, Landis’ stundenlanger Begleiter Patrik Sinkewitz vom T-Mobile-Team war von dem Amerikaner am Joux-Plan 25 Kilometer vor dem Ziel "abgelegt" worden.

"Heute war leider nicht mehr drin. Morgen lasse ich es ruhiger angehen, um mich für das Zeitfahren zu schonen", sagte Klöden. Sein Team-Kollege Michael Rogers vermisste am Donnerstag eine durchdachte Marschroute: "Wir haben alles gegeben. Wir hatten keine Taktik. Von Anfang an haben wir die vorherige Etappe in den Beinen gemerkt."

Peloton verrechnete sich

Landis, seit seinem Einbruch vom Mittwoch tief im Innersten getroffen, startete eine unglaubliche Wiedergutmachungs-Tour durch die Savoier Alpen. Seine Attacke 60 Kilometer nach dem Start am ersten von fünf harten Anstiegen schien ein Himmelfahrts-Kommando zu werden und wurde von vielen im Peloton belächelt. Aber der Konkurrenz verging bald das Lachen: Wie mit Flügeln schwebte Landis, von Sinkewitz begleitet, die Berge hoch. 59 Kilometer vor dem Ziel hatte sich der gläubige Mennonit theoretisch das Gelbe Trikot von Pereiro zurückgeholt.

In seinem Rücken blieb das Feld mit dem Spanier und Klöden noch ruhig. Erst bei der Abfahrt vom Colombière 52 Kilometer vor dem Ziel forcierte CSC (für Sastre), T-Mobile (für Klöden) und endlich auch Caisse d’Epargne (für Pereiro) - aber zu spät. Landis gestattete dessen wundersame Aufholjagd den Sprung von Platz elf auf den dritten Platz mit wieder klarer Sicht auf das Gelbe Trikot, das er am Samstag zum dritten Mal während dieser Tour holen kann. Im 57 Kilometer langen Zeitfahren am Samstag in Le Creusot kommt es zum Showdown dieser abwechslungsreichen Tour, die sich vom Patronat des Seriensiegers Lance Armstrong befreit hat.

Sastre hängt Klöden ab

"Alles ganz ruhig, wir haben die Sache im Griff. Die letzte Steigung ist sehr schwer", meinte T-Mobile-Sportchef Valerio Piva noch 45 Kilometer vor dem Ziel. Tatsächlich entbrannte hinter Landis und Sinkewitz im ersten Verfolgerfeld mit den Topfahrern auf dem 11,8 Kilometer langen Schlussanstieg auf den Joux Plane, dem eine neun Kilometer lange Abfahrt ins Ziel nach Morzine folgte, ein unbarmherziger Schlagabtausch. Aus dem ging Sastre als der große Sieger hervor. Klöden hatte keine Kraft mehr, sich von Pereiro zu lösen - er hofft jetzt auch auf das Zeitfahren.

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