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ATP-Finale im Tennis Kaum ist Alexander Zverev mit Sophia Thomalla zusammen, ist er auf dem Weg zum Champion der Herzen

Gilt als Mitfavorit bei den ATP-Finals in Turin: der Hamburger Alexander Zverev
Gilt als Mitfavorit bei den ATP-Finals in Turin: der Hamburger Alexander Zverev
© Luca Bruno / DPA
Große Geste von Alexander Zverev beim Auftakt des ATP-Finales in Turin: Als sein Gegner verletzt aufgeben muss, würdigt ihn der Hamburger mit warmen Worte. Nur ein kleiner Moment – doch er zeigt auf, dass bei der deutschen Nummer 1 gerade ziemlich viel in die richtige Richtung läuft.
Von Klaus Bellstedt, Turin

Um das gleich mal vorweg zunehmen: Moderatorin und Model (und Startup-Investorin!) Sophia Thomalla saß bei den ATP-Finals in Turin, dem Saisonabschluss der besten acht Tennis-Profis, zumindest beim ersten Match von Alexander Zverev nicht in dessen Box. Deutschlands Nummer 1 muss bei dem prestigeträchtigen Event vorerst ohne seine neue Begleitung auskommen. Gegenseitige Liebesbekundungen werden aber – da kann man sich bei den beiden fast sicher sein – auch ohne physische Nähe via Social Media kräftig ausgetauscht.

Ja, es läuft gerade ziemlich viel in die richtige Richtung beim 24-jährigen Hamburger. Es ist nicht nur die neue Liebe, die Zverev so zufrieden macht, sondern sein immer erfolgreicher verlaufender sportlicher Karriereweg. Auf der Zielgeraden einer langen Tennis-Saison, der nach eigenen Angaben erfolgreichsten seiner Karriere mit fünf Turniersiegen, fehlt jetzt eigentlich nur noch die Krönung: der Titel bei den ATP-Finals.

Dass das ein kompliziertes Unterfangen wird, steht außer Frage. Das Teilnehmerfeld wird bei diesem Eliteturnier von Novak Djokovic angeführt. Der Weltranglistenerste gewann vor einer Woche noch das Masters-Turnier von Paris-Bercy. Dann wäre da noch Daniil Medvedev. Der Russe ist Titelverteidiger bei den ATP-Finals und neben Djokovic und Zverev so etwas wie der Spieler der Saison. Viele sagen, der US-Open-Champion sei der erste Anwärter auf den Tennis-Thron, sollte die Ära der "Big Three", der großen Drei, bestehend aus Djokovic (34), Rafael Nadal (36) und Roger Federer (40), wirklich einmal vorbei sein.

Die Zeit läuft für Zverev

Bei genauer Betrachtung ist es eigentlich nur noch der Serbe, der Medwedew von der Nummer 1 fernhält. Nadal und Federer sind nicht nur älter, sondern mittlerweile auch verletzungsanfälliger, weswegen sie in Turin auch gar nicht dabei sind. Zverev liegt hinter dem Russen als Dritter der Weltrangliste in einer hoffnungsvollen Lauerstellung. Und sowieso: Die Zeit läuft für ihn. Alles scheint unter Kontrolle.

"Ich bin ruhiger geworden und treffe die Entscheidungen jetzt selbst", antwortete Zverev auf einer Pressekonferenz in Turin kurz vor dem Start des Turniers auf die Frage, was sich im Vergleich zu früher denn geändert habe. Das war ein klarer Verweis auf sein Umfeld. Der Deutsche ist nach etlichen Wechseln auf der Trainerposition und in seinem Management wieder im Schoße der Familie gelandet. Er braucht diese wohlige Umgebung. Vieles läuft jetzt über seinen Bruder Mischa und Vater Alexander Senior. Weitere Schlüsselpositionen in Zverevs Team werden durch Sergej Bubka jr., Sohn der russischen Stabhochsprunglegende und selber mal Tennis-Profi, sowie seinen Physio Hugo Gavril besetzt. Das Zurechtrücken der Verhältnisse hat Zverev gut getan. "Den Stress, den du außerhalb vom Platz hast, oder auch das Glück, das nimmst du auf den Tennisplatz mit", hat er vor zwei Tagen in einem Interview mit RTL gesagt. Eine Aussage, die tief blicken lässt - und die typisch ist für den neuen Sascha Zverev, der immer öfter auch Einblicke in sein Seelenleben gibt.

Schlüsselmoment Olympiasieg

Der 24-Jährige kann manchmal immer noch unnahbar wirken, und manche Kritiker sagen ihm eine gewisse Arroganz nach, weswegen der Fast-Zwei-Meter-Mann in Sachen Popularität auch in seinem Heimatland noch nicht den Status innehat, den Boris Becker zum gleichen Zeitpunkt seiner Karriere in Deutschland hatte. Aber auch diesbezüglich holt Zverev auf – und hat in diesem Jahr in seiner Persönlichkeitsentwicklung die nächste Stufe genommen. Auch der Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio hat daran einen großen Anteil. Zverev betont das immer wieder. Der Hamburger weiß nach diesem "emotionalsten Erlebnis" seiner Karriere jetzt auch, was Demut bedeutet. Der Olympiasieg hat definitiv etwas mit Zverev gemacht.

Sportlich hat der Rechtshänder in vielen wichtigen Bereichen seiner Sportart hart an sich gearbeitet: Aufschlag, Rückhand, Beweglichkeit, Physis. Auch der Tennisspieler Zverev ist reifer geworden. In Turin gewann er das wichtige Auftaktmatch am späten Montagabend gegen Matteo Berrettini. Der Italiener musste kurz nach dem verlorenen ersten Satz wegen einer Verletzung aufgeben. Es flossen Tränen beim Local Hero. Zverev hatte bis dahin sehr gut gespielt und sich auch nicht vom frenetischen italienischen Publikum beeindrucken lassen. Hinterher war aber auch er nicht glücklich über das Zustandekommen des Sieges: "Wir spielen in Italien, er hat sich auf das Event ein ganzes Jahr lang gefreut", sagte Zverev. "Und jetzt ist es nach einem Satz vorbei. Das ist ein Scheiß-Gefühl, um ehrlich zu sein." Vier Siege, je nach Gruppenkonstellation reichen vielleicht auch drei, braucht Zverev noch, um sich in Turin die Krone aufzusetzen. Alles scheint für ihn gerade möglich.

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Ein unschönes Thema, was so gar nicht zum momentanen "Feel-Good-Zverev" passt, das aber schon länger über ihm lastet, sind die Gewalt-Anschuldigungen seiner Ex-Freundin Olga Sharypova. Zverev bestreitet diese weiter vehement und bei jeder Gelegenheit. Mittlerweile untersucht auch die Spieler-Vereinigung ATP den Vorfall. Zverev unterstützt das. Es steht Aussage gegen Aussage. In der Tennis-Welt wird darüber getuschelt, mal leise, mal etwas lauter. Das ist auch in Turin wieder so. Was für Zverev spricht: Rein sportlich betrachtet haben die Störgeräusche bisher keinen Einfluss auf sein Spiel genommen. Um alles andere kümmert sich seine neue PR-Agentur "Berk Communications". Deren Spezialgebiet, so liest man es auf der Homepage", lautet "Reputation Management". Wir erinnern uns: Bloß den Stress vom Tennis-Court weghalten. Das bleibt für Zverev oberste Prämisse.

kng

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