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American Football: Angriff der alten Männer

Zu viele Verletzte und starke Konkurrenten: Die New York Giants werden in der neuen Football-Saison ihren Superbowl-Triumph kaum wiederholen können. Für Gesprächsstoff sorgen vielmehr ergraute Quarterback-Veteranen wie Brett Favre, die es allen noch einmal zeigen wollen.

Von Helmut Werb, Los Angeles

Hey, Brett's a Jet! Wenn jetzt die neue NFL-Football Saison in den USA beginnt, war die heißeste Nachricht nicht etwa, dass der Big-Boss der NLF, Commisioner Roger Goodell, laut darüber nachdenkt, die Football Saison auf 18 Spiele zu verlängern (was zusätzliche Millionen in die schon reichlich gefüllten Kassen der Liga bringen würde). Im Mittelpunkt des Interesses stand auch nicht der tragische Tod des ehemaligen Raiders Gene Upshaw, der als Sprecher der Spielergewerkschaft viel dazu beitrug, die rechtliche Situation der Profis vom de facto Sklaven-Status ins 21. Jahrhundert zu befördern. Nein, viel wichtiger war, dass Brett Favre, lebende - und immer noch werfende - Legende und mit stattlichen 39 Jahren sportlicher "elder statesman" der NFL, die Green Bay Packers verlassen hat, einen Club, dem er nach eigenen Aussagen "…über 15 Jahre mit Leib und Seele angehörte".

Favre spielt jetzt für die New York Jets. Der gute Brett, der Ende der letzten Saison - vollkommen freiwillig - seinen tränenreichen Abschied vom Profi-Football in aller Öffentlichkeit zelebrierte, überlegte sich's in der spielfreien Zeit anders, pokerte um einen 12-Millionen-Dollar-Vertrag und seine alte Position in Green Bay, musste aber eine peinliche Schlappe bei den Verhandlungen einstecken. Leicht düpiert unterzeichnete Favre stattdessen einen hochdotierten Vertrag bei den New York Jets, der allerdings auf Leistungsprämien beruht. Der Nachteil: Selbst die größten Optimisten der Ostküste räumen den arg gebeutelten New Yorkern nur äußerst geringe Chancen auf die Playoffs ein.

Die ergrauten Quarterbacks sind das Thema

Die in Ehren ergrauten Quarterbacks sind zurzeit das Thema. Neben Brett Favre wirft der immer noch agile Jeff Garcia (38) für Tampa und der 37-jährige Kurt Warner macht in Arizona dem Jungspund Matt Leinart die Quarterback-Karriere schwer.

Alle drei Senioren werden mit der Superbowl, die am 1. Februar 2009 in Tampa Bay stattfinden wird, jedoch nicht viel am Helm haben. Die großen Favoriten sind - wie immer - die New England Patriots unter ihrem skurilen, aber effektiven Coach Bill Belichick und dem exzellenten - und vergleichsweise jugendlichen - Quarterback Tom Brady, der allerdings zur Zeit große Verletzungsprobleme hat. Die Patriots haben in der Vorsaison zwar kein einziges Spiel gewinnen können - und verloren letzte Woche gar gegen die Erzrivalen und Superbowl-Champion, die New York Giants. Aber für die meisten Football-Fans sind sie immer noch das Team mit den größten Talenten und sicherer Endspiel-Anwärter.

Für die Giants hingegen wird die Titelverteidigung recht schwer werden. Das Team hat viele Verletzte zu beklagen, und die bisher so hoch gelobte Defensive des Meisters ist ein humpelnder Schatten seiner selbst, nachdem Osi Umenyiora, einer der New Yorker Leistungsträger, durch eine Knieverletzung ausfällt. Außerdem spielen die Giants in einer Division, in der die Dallas Cowboys die besten Karten haben, jedenfalls so lange Jungtalent Tony Romo als Quarterback unverletzt bleibt, Superstar Terrell Owens die Sonnenbrille lang genug abnimmt und die Skandalnudel Cornerback "Pacman" Jones sich aus dem örtlichen Knast heraushalten kann.

Zeit der Traditionsclub scheint vorbei

In der Division NFC North (National Football Conference North) geht es hauptsächlich darum, ob die Minnesota Vikings die hohen Erwartungen erfüllen können, oder ob Green Bays neuer Quarterback Aaron Rodgers es schafft, dass die Rufe nach dem ewigen Fan-Favoriten Brett F. endgültig aufhören. Überraschend tauchen auch die New Orleans Saints in den Favoritenlisten der NFL-Hellseher auf, ein Team, das in vergangenen Jahren eher durch permanente Unterdurchschnittlichkeit aufgefallen war. Und im Westen der NFC sind die Seattle Seahawks der Favorit, weil weder Arizona noch St. Louis und ganz besonders nicht die ins Armenhaus der NFL abgerutschten San Francisco 49ers auch nur die geringste Chance aufs Weiterkommen haben.

Überhaupt scheinen NFL-Traditionsclubs wie Miami, Washington, Denver oder die Oakland Raiders ihre besten Zeiten hinter sich zu haben - seit Jahren kommt keiner der Clubs mehr richtig in die Puschen, die Besitzer tauschen die Coaches in ähnlicher Frequenz aus wie ihre Ehegattinnen, ernten aber höchstens die eine oder andere Goldene Ananas.

Für die alten Recken ist trotzdem noch nicht alles verloren. In der AFC-Division stehen neben den Patriots noch die Pittsburgh Steelers auf der Liste der Favoriten, ein erfolgreicher "old-time-favourite", die mit Quarterback Ben Roethlisberger dieses Mal echte Titelchancen haben. Und im Westen sind es die San Diego Chargers um Running Back LaDainian Tomlinson und den besten Linebacker der Liga, Shawne Merriman, der ankündigte, er werde die Saison trotz schwerer Knieverletzung durchspielen. Die Saison 2008/2009 könnte trotz der Verletzungsprobleme von Merriman, Tomlinson und QB Philip Rivers das Jahr der Chargers werden. Das kalifornische Team hat laut den Football-Propheten von ESPN die besten Chancen, die Superbowl zu gewinnen.

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