Architekt Chipperfield Das Sandwich und die Segel


Es ist längst zum Wahrzeichen des Jachthafens von Valencia geworden: Das offzielle America's Cup Gebäude "Veles e Vents" in Valencia. Designt hat es Star-Architekt David Chipperfield. Der schwärmt von seinem "Sandwich mit Ausssichtsterassen."
Von Roberto lalli delle Malebranche, Valencia

David Chipperfield trägt grüne Turnschuhe und ein dunkelblaues Sakko und blickt hinauf auf das Gebäude, das er entworfen und in nur elf Monaten gebaut hat: das Haus der "Segel und der Winde", das längst zum Wahrzeichen des Jachthafens von Valencia avanciert ist. Er lächelt. "Wissen Sie, das eigentliche Problem war, dass wir den Wettbewerb für ein VIP-Gebäude gewonnen hatten und ich ein VIP-Gebäude für alle konstruieren wollte. Die naheliegende Lösung war, einen Kubus mit einem Eingang unten auf der Nullebene zu bauen, und die drei oberen Stockwerke den VIPs vorzubehalten. Aber die Idee gefiel mir nicht, denn die Leute hätten nach oben geschaut, wo die weiten Terrassen sind, und wären kopfschüttelnd der weggegangen. Mit dem Gefühl, nicht wirklich im Gebäude gewesen zu sein."

Chipperfield fand eine nur auf den ersten Blick verblüffend einfache Lösung. Er baute eine riesige Rampe, auf der die Besucher, und zwar auch die offiziell weniger wichtigen, zum ersten Stock hinauf gelangen können. Von dort genießen sie den Blick auf den Yachthafen und auf den Kanal, der zum offenen Meer führt und den alle Boote auf dem Weg zu ihren Regatten passieren.

Die oberen Stockwerke sind normalerweise Sperrzone

"Der erste Stock gehört funktional nicht zum Gebäude, ist das nicht verblüffend? Ich habe das ganze sozusagen um den ersten Stock herum gebaut, und das war gar nicht so einfach", sagt Chipperfield während wir zur zweiten Terrassen-Ebene hinaufgehen. Für das Publikum wie auch für uns Journalisten ist der Zugang zu den oberen Stockwerken normalerweise tabu. Nur, wer vom Organisationskomitee oder den Sponsoren ausdrücklich eingeladen wird, darf oben auf Häppchen im Sekundentakt und auf von jungen Madchen lächelnd dargereichte Cocktails hoffen.

Chipperfield zeigt auf den alten Industriehafen, der jenseits des Kanals liegt: Hunderttausend Container, wie Legosteine nebeneinander und übereinander liegend, dazwischen riesige Kräne, die nach ihnen Ausschau zu halten scheinen.

"Sandwich mit riesigen Aussichts-Terrassen"

"Das hat meinen Auftraggebern anfangs gar nicht gefallen. Ich baue ein großes Sandwich mit riesigen Aussichts-Terrassen für die VIPs, und alles, was die hier links vom Yachthafen dann sehen, ist ein Containerhafen. Aber seltsamerweise fällt er von hier oben aus kaum auf, und abends, wenn die Sonne untergeht, entwickelt er sogar einen eigenen Charme, eine eigene Schönheit." Tatsächlich besteht das "Veles e Vents" fast zur Hälfte aus riesigen, mit brasilianischem Holz ausgelegten Terrassen, und bei einer Gesamtfläche von 10.000 Quadratmetern, bedeutet das, dass sich hier so gut wie alles im Freien abspielt: flache Couchgarnituren, Sonnenbänke, edle Designerstühle, alles dient eigentlich nur dazu, den Blick auf die Horizonte zu lenken.

"Gewonnen hatte ich die Ausschreibung mit dem Entwurf zu einem nur halb so großen Gebäude, aber dann packte mich die Idee, rundum riesige Fotografien zu schaffen: Ich wollte eine Aussicht erfinden, die oben durch die Unterseite des jeweils nächst höheren Stockwerks begrenzt und wie eine riesige Weitwinkel-Fotografie wirken würde. No Problem, meinten sie, solange du nicht mehr als die vereinbarten 35 Millionen Euro ausgibst. Also habe ich die Idee verwirklicht." Und ein modernes Meisterwerk geschaffen.


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