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Bestechungsvorwürfe: Handballbund suspendiert umstrittene Referees

Vorläufiger Schlusspfiff für Frank Lemme und Bernd Ullrich: Der Deutsche Handballbund hat die unter Korruptionsverdacht stehenden Schiedsrichter vom Spielbetrieb ausgesperrt. Lemme und Ullrich räumten Bestechungsversuche ein, wollen aber zumindest in einem Fall verschweigen, wer sie bestechen wollte - angeblich aus Angst um ihr Leben.

Der Deutsche Handballbund (DHB) hat die mit Bestechungsvorwürfen konfrontierten Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb suspendiert. Das beschloss das Verbandspräsidium am Montagabend in Dortmund nach einer Anhörung der beiden Magdeburger Referees. Ihre schriftliche Stellungnahme wird an die Europäische Handball-Föderation (EHF) weitergeleitet.

Zudem wird der DHB in nächster Zeit alle Bundesliga-Schiedsrichter zu eventuellen Vorkommnissen befragen sowie Videoanalysen von auffälligen Spielen durchführen lassen. "Wir haben die richtigen Schritte eingeleitet. Ich hoffe, das war nicht die Spitze des Eisberges, sondern der Eisberg", sagte Präsidiumsmitglied Reiner Witte.

Die Referees berichteten von Bestechungsversuchen in mehreren Fällen. "Es gab immer mal wieder in unserer Karriere zweideutige Angebote. So nach dem Motto: 'Wenn ihr heute für uns pfeift, soll das nicht zu eurem Nachteil sein.' Ob das zehn- oder zwanzigmal war, kann ich nicht mehr genau sagen", sagte Ullrich der "Hamburger Morgenpost".

Die beiden Unparteiischen hatten einen Bestechungsversuch beim Final-Rückspiel im Europacup der Pokalsieger zwischen Medwedi Moskau und Valladolid verschwiegen. Am Tag danach wurden bei ihnen vom russischen Zoll 50.000 Dollar gefunden. Beide bestreiten sowohl das Geld genommen als auch Spiele manipuliert zu haben.

BM Valladolid verlangte nach spanischen Medienberichten vom Montag, dass Tschechow der Titel aberkannt und dieser den Spaniern zugesprochen wird. Zudem forderten sie eine finanzielle Entschädigung wegen entgangener Einnahmen. Valladolids Vereinspräsident Dionisio Miguel Recio plädiert für eine lebenslange Sperre des Gespanns: "Sie haben dem Ansehen des Sports und vor allem des Handballs geschadet."

"Wir denken über einen Rücktritt nach"

Lemme und Ullrich wollen ihre Tätigkeit zunächst ruhen lassen und erwägen ein Karriereende. "Wir werden sehen, zu welchen Konsequenzen das führt, aber wir denken natürlich auch über einen Rücktritt nach", sagte Ullrich in einem Interview mit der "Magdeburger Volksstimme". Am Vortag hatte die EHF die beiden Magdeburger suspendiert und sie vom geplanten Einsatz im EM-Qualifikationsspiel Mazedonien gegen Island am Mittwoch abgezogen.

Den Namen des russischen Funktionärs, der versucht hat zu bestechen, wollen die beiden Referees aus Angst weiterhin nicht preisgeben. "Wenn andere den Namen nennen, ist das okay, aber wir haben auch ganz schön Respekt vor möglichen Folgen", sagte Ullrich. Lemme ergänzte: "Ja, mörderischen Respekt sogar, wenn Sie wissen, was ich damit meine. Man weiß ja nie, was jetzt noch alles so passiert."

Bei der EHF liegen derweil keine offiziellen Meldungen von Unparteiischen zu Bestechungsversuchen vor. "Es hat sicher solche Gespräche über seltsam anmutende Vorfälle gegeben, aber ich kann die nicht identifizieren und einzelnen Ereignissen zuordnen", sagte Wettbewerbs-Manager Markus Glaser der dpa. Würde es Berichte geben, "landen die früher oder später bei uns".

Angst vor Moskau

Fortschritte gab es unterdessen im Zusammenhang mit den Manipulationsvorwürfen gegen den deutschen Meister THW Kiel. Für diesen Dienstag kündigte die Europäische Handball-Föderation Ergebnisse bei der Untersuchung des Champions-League-Finales zwischen Kiel und der SG Flensburg-Handewitt an. "Wir werden die technische Analyse des Kiel-Spiels publizieren. Wir kooperieren mit der Kieler Staatsanwaltschaft und profitieren von deren Aufklärungsstatus", sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer. Ob und welche Maßnahmen in dem Zusammenhang ergriffen werden, ließ er offen.

Derzeit sei die EHF dabei, Maßnahmen zu erarbeiten, die Korruption mindestens erschweren sollen. Wiederer kündigte an, dass sich die EHF-Exekutive am letzten März-Wochenende damit befassen wird. Die Tagung sollte ursprünglich in Moskau stattfinden. "Wir haben diese Sitzung nach Wien geholt, weil wir es in der gegenwärtigen Situation in Moskau nicht für günstig erachten", sagte Wiederer und begründete "dies mit der besseren Infrastruktur in ihrem Hauptsitz.

DPA / DPA

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