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Biathlon-Olympiasiegerin: Was macht eigentlich ... Andrea Burke (ehemals Andrea Henkel)?

Die Biathletin Andrea Burke, damals noch Andrea Henkel, gewann bei den Olympischen Spielen 2002 zwei Goldmedaillen. Ein Interview.

Biathletin Andrea Burke: Was macht sie eigentlich heute?

Andrea Burke, 40, kürzlich bei einem Besuch in Bayern. Sie lebt in Lake Placid, USA

Sie haben 2014 den US-Biathleten Tim Burke geheiratet und seinen Namen angenommen. Gibt es Andrea Henkel heute noch?

In meinem Pass steht "Andrea Henkel" als Künstlername drin. Meinen Mädchennamen wollte ich nicht komplett ablegen. In den USA sprechen mich alle mit Frau Burke an, in Deutschland sagen die meisten noch Andrea Henkel zu mir. Ein Doppelname hätte es eventuell einfacher gemacht, aber ich wusste schon immer, dass ich den Namen meines Mannes annehme, wenn ich mal heirate.

Nach Ihrem Karriereende sind Sie ausgewandert – in die USA, nach Lake Placid.

Ja, wegen der Liebe. Mein Mann kommt aus der Region, und wir wollten gemeinsam auf demselben Kontinent leben. Trotzdem bin ich nach wie vor deutsche Staatsbürgerin und werde es auch bleiben.

Ihr Mann wollte nicht nach Deutschland ziehen?

Mir war schnell klar, dass Deutschland nicht unbedingt eine Option ist. Deshalb haben wir darüber nie wirklich diskutiert. Und die Entscheidung, auszuwandern, fiel mir nicht schwer.

Sie begannen einst mit dem Langlaufen. Warum der Wechsel zum Biathlon?

Meine ältere Schwester Manuela war Langläuferin und hatte über dem Bett einen Skistock mit Medaillen hängen. Das wollte ich auch haben. Als Damen-Biathlon Ende der 80er Jahre olympisch wurde, hat die DDR-Regierung das Potenzial erkannt und viele Langlauf-Mädels zum Biathlon abgezogen.

Sie mochten kein großes Aufsehen um sich und haben das Rampenlicht anderen Biathletinnen überlassen. War die Bescheidenheit rückblickend richtig?

Mir war wichtig, authentisch zu sein. Alles andere kommt in der Regel nicht gut an, und ich selbst hätte mich unwohl gefühlt. Es war aber nicht so, dass ich mich bewusst zurückgehalten habe, andere genossen mit ihrer Art eben etwas mehr Aufmerksamkeit. Natürlich hätte ich mir manchmal gewünscht, dass meine Erfolge mehr wahrgenommen worden wären, andererseits war es auch okay, nicht ständig im Fokus zu stehen. Ich wollte in erster Linie gute Wettkämpfe machen und erfolgreich sein.

Mit 1,58 Meter sind Sie im Vergleich zu Ihren Sportkolleginnen eher klein und zart. Hatten Sie große Mühe, mit dem Gewehr zu hantieren?

Überhaupt nicht. Für alle Waffen gilt das gleiche Mindestgewicht, und die Körpergröße spielt keine Rolle. Einer meiner ersten Trainer scherzte, ich sei so schnell im Stehend-Schießen, weil ich das Gewehr nicht lange halten könne.

Schießen Sie immer noch?

Das Gewehr packe ich nur aus, wenn ich bei Veranstaltungen von Sponsoren gebeten werde, ein paar Schüsse abzugeben. Außerdem bin ich Schießtrainerin im örtlichen Skiklub und bei der Talentsichtung der US-Athleten mit dabei.

Heute sind Sie Personal Trainerin: Können Sie als Olympiasiegerin mehr Geld für eine Trainingsstunde verlangen?

Ein gutes Training muss den Preis rechtfertigen. Meinen Namen kennt in den USA so gut wie keiner, deshalb nutze ich die Olympiatitel für Werbung. Ich denke schon, dass meine Sport-Erfahrungen und die Erfolge meinem heutigen Tun als Personal Trainerin eine Art Qualitätssiegel verleihen.

Machen Sie Ihren Ehemann fit für die Olympischen Spiele in Südkorea?

Tim hat seinen eigenen Trainer, da mische ich mich nicht ein. Wenn es passt, mache ich gern eine seiner Trainingseinheiten mit ihm gemeinsam, passe mich dann aber seinem Plan an.

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