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Boris Becker: Liebling der Deutschen

Ein deutscher Star wird 40: Boris Becker, Tennislegende und Liebling der Deutschen, begeisterte mit seinen Erfolgen ein ganzes Land. Heute ist er Geschäftsmann, Vater und ein Promi, der seine Rolle gefunden hat.

Seine "persönliche Mondlandung" flimmert dieser Tage wieder häufiger über die Bildschirme. Ein schlaksiger, großer Teenie mit rotblonden Haaren hechtet über den Centre Court in Wimbledon und retourniert die Bälle des Südafrikaners Kevin Curren. Im Finale des bedeutendsten Tennis-Turniers der Welt bahnt sich eine Sensation an. Die deutschen Zuschauer, die in Massen das Spiel zu Hause am Bildschirm verfolgen, spüren, dass etwas Großes in der Luft liegt. Und dann ist er da, der Moment, als der 17-Jährige die Arme in die Luft reißt und dieses verschmitzte Jungs-Grinsen aufsetzt, als er die Wimbledon-Trophäe in den englischen Himmel reckt. Es ist die Geburtsstunde einer deutschen Sport-Ikone. Die Deutschen haben endlich wieder einen Helden.

Noch immer läuft Boris Becker ein kalter Schauer über den Rücken, wenn er die Bilder von damals sieht. 22 Jahre ist das jetzt her. Noch mehr muss Becker in diesen Momenten darüber "schmunzeln, wie ich mich verändert habe". Aus dem Teenie ist längst ein vielbeschäftigter Geschäftsmann, stolzer Vater dreier Kinder und ein beliebtes Objekt der Klatsch-Presse geworden. Trotz vieler privater und geschäftlicher Tiefschläge hat Becker nie aufgegeben. Sogar Alice Schwarzer bezeichnet ihn als "tollen Mann". An diesem Donnerstag feiert der Leimener, der am 7. Juli 1985 mit seinem ersten Wimbledonsieg das deutsche Tennis wach geküsst hat, seinen 40. Geburtstag.

"Gebrandmarkt fürs Leben"

"Mit dem Wimbledonsieg ist man natürlich gebrandmarkt fürs Leben", erklärte Becker in einem Interview. Die kritischen Blicke der Öffentlichkeit haben ihn seitdem nicht losgelassen. Kein Schritt blieb seit seinem historischen Wimbledon-Sieg unbeobachtet; kein Wort, das nicht auf die Goldwaage gelegt wurde. Erst jetzt, nachdem "ich fünf Jahre in der Schweiz lebe, hat sich vieles beruhigt". Er kann sich jetzt zurückziehen, wenn er will. In der Schweiz ist es ruhiger als in München und man zahlt nicht so hohe Steuern.

Ein Thema in der Öffentlichkeit bleibt er trotzdem. Die Trennung von Freundin Sharlely Kerssenberg, einem niederländischen Fotomodell, sorgt pünktlich zu seinem runden Geburtstag für Schlagzeilen auf dem Boulevard. Aber Boris Becker ist nicht nur Opfer, er will es auch so. Mit viel Brimborium stellte er in diesen Tagen seinen Erziehungs- und Elternratgeber in der "Bild"-Zeitung vor. Aus dem erfolgreichen Tennis-Profi ist ein professioneller Promi geworden, der diese Rolle zu inszenieren weiß.

Becker möchte weniger reisen, mehr Zeit für die Familie haben

Das rastlose Reisen kreuz und quer durch die Welt hat sich nicht geändert. "Es ist mittlerweile so, dass ich liebend gerne weniger reisen würde", sagt Becker. Schön fände er es, wenn die Familie mehr bei ihm sein könnte. Doch die Realität ist anders: Die Söhne Noah Gabriel (13 Jahre) und Elias Balthasar (8) leben bei seiner geschiedenen Frau Barbara in Florida, mit der er acht Jahre verheiratet war. Tochter Anna (7), das Ergenbnis einer flüchtigen Affäre, in London. Das erhoffte Sorgerecht für sie hat Becker noch nicht erstritten, doch "der Richter hat gesagt, dass es regelmäßig Kontakt vom Vater zu der Tochter geben wird".

Kinder sind der Mittelpunkt in Beckers Leben. "Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es war, keine Kinder zu haben", sagt der Globetrotter, der auch als Chairman der "Laureus Sport for Good Foundation" Projekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche begleitet. Ein bisschen schuldig fühlt sich der geschiedene Mann mit einer unehelichen Tochter schon, weil er seinen Kindern nicht die perfekte Familie bieten kann. "Absolut", gesteht er, "ein schlechtes Gewissen spielt auch eine Rolle. Das ist keine Frage und kein Geheimnis." Er hat dafür viel Hohn und Spott einstecken müssen und gibt sich jetzt geläutert.

Er verlor ein Wimbledon-Finale gegen Stich

Was auf den Tennisplätzen dieser Welt los war, ist Sportgeschichte. 49 Turniere und den Daviscup hat Becker gewonnen - vor allem aber drei Mal in Wimbledon, wo er 1991 im Finale eine bittere Niederlage gegen seinen Erzrivalen Michael Stich kassierte. Eine Kränkung für Becker. 1996 gewinnt er mit den Australian Open sein letztes großes Turnier, 1999 macht er Schluss als Profi. Seine Spielweise hat für eine neue Wortschöpfungen im Deutschen ausgereicht: Bum-Bum-Becker, Becker-Rolle und die Becker-Faust sind Tennis-Geschichte. Er war keiner, der seine Emotionen auf dem Platz unterdrückte. Keiner konnte sich so schön über Fehler ärgern wie Becker. Er haderte mit sich, wenn es nicht lief, schrie und schimpfte. Die Fans haben ihn dafür geliebt.

Später verfolgten sie interessiert, wie der Ex-Profi eine Ex nach der anderen sammelte. Zahlreiche Affären, ein Prozess wegen Steuerhinterziehung, in dem er zu zwei Jahren auf Bewährung und 500.000 Euro Geldstrafe verdonnert wurde, und geschäftliche Pleiten hat der Bayern-Fan durchgestanden. Dafür wurde er manchmal mitleidig belächelt.

Als Tennis-Manager weiter aktiv

Jetzt ist seine Sicht auf den aktuellen Tennis-Zirkus die eines Außenstehenden. Als Daviscup-Teamchef, Mentor des Mercedes Junior-Teams und Chairman des Rothenbaum-Turniers in Hamburg hatte er als Tennis-Funktionär Erfolg. "Vielleicht mache ich so was mit 50 noch einmal." Sporadische Auftritte mit den Tennis-Senioren veranstaltet der Wahl-Schweizer selbst - wie etwa in der Woche vor Weihnachten in Düsseldorf. In Bahrain baut Becker gerade eine kleine Akademie, das "Boris Becker Tennis-Programm", auf. Dass ihn das Geschehen im Weißen Sport nach wie vor interessiert und er auch Auswüchse wie Wettskandal, Doping und angebliche Giftanschläge genau verfolgt, versteht sich.

Das Dasein als Tennisprofis liegt weit zurück. "Ich bin dankbar, dass ich diesen Beruf habe ausüben dürfen. Ich bin aber genauso dankbar, dass ich es heute nicht mehr tun muss. Alles zu seiner Zeit." Den Elan von damals will er sich im fünften Lebensjahrzehnt bewahren. Die Familie soll jetzt im Mittelpunkt stehen. Er wolle "mehr Zeit mit den eigenen Kindern verbringen. So wie am Donnerstag, wenn er "mit der Familie und 50 Freunden in London feiern" wird. "Nichts Verrücktes", verrät "Jubilar" Becker.

Tim Schulze mit DPA

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