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Boxen: Manny Pacquiao verliert nach Punkten gegen Timothy Bradley

Erst verloren die Celtics, dann musste auch Boston-Fan Manny Pacquiao eine bittere Niederlage im Kampf gegen Timothy Bradley einstecken. Der seit 2005 unbesiegte Pacquiao verlor nach einer skandalösen Split Desicion. Niemand verstand dieses Urteil, nur die Geldbörse von Promoter Bob Arum deutete ein Lächeln an.

Sämtliche Box-Experten waren sich nach dem WM-Kampf zwischen Manny Pacquiao und Timothy Bradley ob des Kampfausgangs einig – einzig die Punktrichter sahen es anders. Bradley gewann skandalös per Split Decision mit 2:1 gegen den seit 15 Kämpfen ungeschlagenen Pacquiao und holte sich den WBO-Titel des 33-jährigen Philippino.

Kaum ein Experte oder Zuschauer verstand diese Wertung. Selbst Bradley sagte zu seinem Manager Promoter Bob Arum, der auch Pacquiao unter Vertrag hat: "Ich habe es versucht, konnte ihn aber nicht besiegen." Aber von Beginn an. Zunächst mussten die Zuschauer lange warten, bis beide Boxer in den Ring stiegen.

Pacquiao: Erst die Celtics, dann der Job

Der bekennende Celtics-Fan Pacquiao musste sich nämlich das entscheidende siebte Spiel im Conference Final der NBA zwischen Boston und den Miami Heat ansehen, bevor es mit dem Aufwärmen und der Arbeit an den Pratzen losgehen konnte. Der Kampf war mit Spannung erwartet worden, da Pacquiao erstmals seit April 2007 wieder auf einen Gegner traf, der ungeschlagen in den Ring ging.

Pacquiao seinerseits durfte nach mittlerweile 59 Kämpfen ebenfalls auf eine starke Bilanz blicken, gewann 54 seiner Duelle – 38 davon durch KO. Und auch an die letzte Niederlage dürften sich nur die älteren Fans des Philippinos erinnern. Im März 2005 unterlag er Erik Morales. Bradley wurde nach einer starken Amateurphase im Jahr 2004 zum Profi und gewann 28 seiner 29 Fights - ein Kampf ging nicht in die Wertung ein.

Starker Beginn des PacMan

Pacquiao war also gewarnt, begann druckvoll und boxte geschickt aus der Distanz. Nach drei Runden hatten mehr als die Hälfte seiner Schläge das Ziel gefunden, während Bradley sein Konzept nicht durchdrücken konnte und immer wieder in Schläge seines Gegners rannte.

Zu Beginn der sechsten Runde hatte der US-Amerikaner eingesehen, dass seine offensive Ausrichtung zu keinem Erfolg führen würde. Bis dato hatte es keinen Grund gegeben, ihm auch nur eine Runde anzurechnen. Der Kampf änderte sich nun ein wenig, da Bradley auch Treffer setzen konnte, die allerdings keine Wirkung zu haben schienen.

Nach zwei ordentlichen Runden zog Pacquiao das Tempo dann wieder an und brachte, in den Augen aller Beteiligter, den Kampf gut nach Hause. "Wenn sich nichts Dramatisches tut, wird Pacquiao einen sehr deutlichen Punktsieg einfahren", hieß es nach Runde neun auch im sportal.de-Ticker.

HBO sieht Pacquiao klar vorne

Die Statistiken des übertragenden Fernsehsenders HBO sprachen ebenfalls klar für Pacquiao: Demnach brachte der frühere Weltmeister in acht Gewichtsklassen insgesamt 253 Schläge ins Ziel - fast 100 mehr als Bradley. Und seinen 190 Power Punches standen 109 des Herausforderers gegenüber.

Was dann folgte, glich einer Farce, bei der Pacquiao allerdings seine Fassung bewahrte und seinem Gegenüber gratulierte. "Ich habe heute mein Bestes gegeben. Aber mein Bestes war nicht gut genug", erklärte er nach dem Kampf. Zwei Punktrichter hatten den Amerikaner mit 115:113 als Sieger gesehen, der dritte stimmte mit 115:113 für Titelverteidiger Pacquiao.

Ein Skandal oder nur ein geschickter Schachzug?

Nun gibt es verschiedene Theorien, die dieses Urteil erklären. Zunächst einmal war es ein skandalöses Urteil. Im sportal.de-Ticker lautete die Einschätzung: "Alle Experten, die einen spannenden Kampf vorausgesagt haben, müssen wohl eingestehen, dass sie sich vom cleveren Marketing und Hype haben anstecken lassen. Manny Pacquiao ist einfach in einer anderen Liga als Timothy Bradley."

Zwar meinte auch Arum später: "Ich habe mich noch nie in meinem Leben so für den Boxsport geschämt." Dennoch könnte dieses Urteil auch ein geschickter Schachzug sein, um den Rückkampf, der schon für den 10. November terminiert ist, zu promoten. "Mit dem Rückkampf werden wir eine Menge Geld machen" zeigte sich auch Arum zuversichtlich.

Auch wäre es denkbar, dass Arum mit Bradley, der fünf Jahre jünger ist als Pacquiao, auf das Pferd setzt, von dem er sich eine größere Zukunft verspricht. Möglich wäre es auch, dass ein Kampf zwischen Bradley und Floyd Mayweather auf mehr Resonanz unter den Box-Fans trifft. Doch erst einmal kommt es zum Rückkampf, der schon jetzt die Massen elektrisiert.

Zumal Bradley, der sich zunächst sehr unsicher gezeigt hatte und die Entscheidung auch nicht zu verstehen schien, später anmerkte: "Ich habe mir schon gedacht, dass ich den Kampf gewonnen habe. Ich denke auch, dass er nicht so gut war, wie alle immer behaupten. Ich habe von seiner Power nichts gemerkt."

sportal.de / sportal
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