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Boxen: Wladimir Klitschko ist zurück, aber...

In der vierten Runde hat Wladimir Klitschko den Kubaner Eliseo Castillo auf die Bretter geschickt. Ein souveräner Sieg, doch Experten zweifeln, ob dieser Erfolg den Ukrainer wirklich voran bringt.

Von den Fans euphorisch gefeiert, von den Experten kritisch hinterfragt: Wladimir Klitschkos spektakulär inszenierte Rückkehr auf die deutsche Box-Bühne lieferte Samstagnacht vor 9.000 Zuschauern in der Dortmunder Westfalenhalle keine schlüssige Antwort auf die Frage, ob der sportlich tief gefallene frühere Weltmeister wieder reif für große Taten ist. "Auf die Dauer bringt ihm das nichts. Es wäre besser gewesen, er hätte einen Mann gehabt, der ihn mehr fordert", resümierte der frühere Boxprofi Henry Maske nach Klitschkos K.o.-Sieg in der vierten Runde über den in den USA lebenden Exil-Kubaner Eliseo Castillo.

Auch Maskes Weltmeister-Kollege Sven Ottke freute sich zwar, dass der in den vergangenen Kämpfen auch optisch schwer gezeichnete Ukrainer den Ring ohne Blessuren verlassen konnte. Ein wirklicher Prüfstein war der elf Zentimeter kleinere und fast zwölf Kilo leichtere Castillo aber auch in den Augen des ARD-Kommentators nicht. "Er hat sich abschießen lassen. Als kleinerer Mann darfst du nicht nur hinterherlaufen", kritisierte er.

"Der Kampf war jugendfrei"

Der schwergewichtige Kabarettist Ottfried Fischer fand angesichts des deutlichen Klassenunterschieds: "Der Kampf war jugendfrei." Und Box-Manager Wilfried Sauerland könnte sich den Kubaner gar als nächsten Gegner für seinen blassen Schwergewichtler Cengiz Koc vorstellen, obwohl dieser zuvor einen Kampf um die unbedeutende EU-Meisterschaft gegen den Briten Michael Sprott sang- und klanglos verloren hatte.

Solche Häme hatte Klitschko aber nicht verdient. Dass er sich für seinen zweiten Aufbaukampf nach dem desaströsen WM-Fight gegen Lamon Brewster vor Jahresfrist einen Kontrahenten in den Ring holt, der ihm ernsthaft gefährlich wird, durfte keiner erwarten. "Castillo war akzeptabel. Ich bin zufrieden. Ich konnte die Strategie genauso umsetzen, wie wir sie uns vorher im Training erarbeitet hatten", meinte der 29 Jahre alte Schwergewichtler nach dem 44. Sieg im 47. Kampf seiner mittlerweile neun Jahre währenden Profi-Karriere.

In Runde vier krachte es

Drei Runden lang führte der jüngere Bruder von Weltmeister Vitali den Kubaner mit seinem linken Jab vor, dann machte er ernst und schickte ihn mit einer krachenden Rechten zu Boden. "Das war perfekt. Darüber kann man ein Lehrbuch schreiben. Wladimir ist der talentierteste Schwergewichtler der Welt und wird die Szene in den nächsten Jahren beherrschen", bilanzierte Trainer Emanuel Steward völlig überzogen und eingedenk von Wladimirs jüngster Vergangenheit auch überaus blauäugig.

Stewards Jubelarien stießen denn auch dem ansonsten für schöne Worte durchaus empfänglichen "Doktor Eisenhammer" unangenehm auf. "Ich muss noch sehr, sehr viel lernen", gestand er ein. Viel Zeit dafür will sich Klitschko aber nicht geben. Wenn es nach ihm ginge, könnte schon der nächste, für den Sommer geplante Kampf ein WM-Fight sein.

Ein Traum ist noch unerfüllt

Wenn nicht der, dann spätestens der darauf folgende. Schließlich ist der große Traum der Klitschkos, gemeinsam Weltmeister im Schwergewicht zu sein, immer noch unerfüllt. "Wir reden schon sehr lange darüber. Nun wird es aber Zeit", befand der promovierte Box-Profi und grüßte in die Wahlheimat nach Los Angeles, wo der in der vergangenen Woche am Rücken operierte Bruder den Kampf am Bildschirm verfolgte.

Gert Glaner/DPA / DPA
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