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Boxerin Ina Menzer: Primadonna mit Dampfhammer

Sie ist jung, sie ist hübsch und verfügt über eine enorme Schlagkraft. Deutschlands neue Box-Hoffnung, die Studentin Ina Menzer, verteidigt am Wochenende ihren WM-Titel.

Von Klaus Bellstedt

Dem Vergleich mit Deutschlands femininem Superstar der Szene, Regina Halmich, hält Ina Menzer locker stand - und das nicht nur rein äußerlich. Die gerade einmal 1,65 Meter große Faustkämpferin, darin sind sich die Experten längst einig, ist boxerisch schon jetzt fähiger als die "Grand Dame" des Universum-Stalls. Am Sonnabend verteidigt die in zwölf Kämpfen ungeschlagene Ina Menzer in Kiel ihren Weltmeistertitel im Federgewicht gegen Maribel Santana aus der Dominikanischen Republik.

In der Woche vor ihrer zweiten Titelverteidigung präsentierte sich die 25-jährige gebürtige Kasachin, die im zehnten Lebensjahr als Deutschstämmige nach Mönchengladbach übersiedelte und sich mittlerweile selber als Neu-Hamburgerin bezeichnet, in blendender Verfassung: "Ich habe mich seit Februar optimal vorbereitet und bin sehr zuversichtlich, dass ich den Kampf gewinnen werde", sagte die Championesse.

Bis vor kurzem noch an der Uni

Seit ihrem 14. Lebensjahr betreibt Ina Menzer Kampfsport. Über Karate und Kickboxen führte der Weg vor zwei Jahren zum Boxen. Nach nur wenigen Monaten war sie bereits deutsche Amateur-Meisterin. Nach dem Wechsel zum Profiboxen und einem Vertrag beim Hamburger Universum-Boxstall folgte im September 2005 mit dem WM-Titel im Federgewicht die Krönung. Damals zermürbte sie in einer Zehn-Runden-Ringschlacht die Titelverteidigerin mit einem unablässigen Schlaghagel.

Weil sie vom Boxen alleine (noch) nicht leben kann, büffelte Ina Menzer übrigens bis vor kurzem noch regelmäßig für ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre. Die vielen Facetten des Studentenlebens kennt sie aber dennoch nur vom Hörensagen. Hochschul-Partys finden in der Regel ohne die boxende Studentin statt. Der Gang in die Mensa ist oft die einzige Möglichkeit, mit anderen Studierenden in Kontakt zu treten.

"Ich wollte es selbst so"

Auch wenn Ina Menzer ihr BWL-Studium wegen des verschärften Trainingspensums vor dem WM-Kampf am Sonnabend in der der Kieler Ostseehalle vorerst auf Eis gelegt hat - das Diplom an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach bleibt weiterhin ihr Ziel. Wenn die Box-Karriere einmal zu Ende ist, soll schließlich eine zweite berufliche Karriere folgen.

Zunächst aber will sie sich voll ihrem Kampfsport widmen, den sie mittlerweile professionell ausübt. Die Weltmeisterin wird von einem lokalen Autohändler gesponsert. Menzers Vertrag mit Universum sieht vor, dass sie kein regelmäßiges Einkommen, sondern ausschließlich Kampfbörsen erhält. Deshalb steigt sie auch häufiger in den Ring als andere. 2005 bestritt sie acht Duelle, davon allein drei im letzten Quartal: "Das macht mir nichts aus, ich wollte es selbst so", sagt sie unbekümmert. So wie es eben ihre Art ist.

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