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Carolina Klüft: Die Königin der Athletinnen

Der eigene Körper ist für Carolina Klüft die größte Herausforderung der Zukunft. "Ich will mich selbst schlagen", sagte die Siebenkampf-Unantastbare, denn echte Gegner sind Mangelware.

Dies ist kein Akt der Verzweiflung, sondern ihre Art der Motivation. Seit 2002 hat die Schwedin alle erreichbaren Titel abgeräumt, adäquate Gegnerinnen sind Mangelware. Als Ziel hat sie ihre Bestleistung von 7001 Punkten und deren Ausbau um sieben Zähler zum Europarekord im Visier. "Die 7001 Punkte will ich übertreffen", kündigte die 22-Jährige an, nicht ohne rituell zu betonen: "Mir sind Medaillen nicht wichtig, sondern der Spaß, große Erfahrungen und tolle Erinnerungen."

Nach den Siegen bei allen Europa- und Weltmeisterschaften seit 2002 sowie den Olympischen Spielen 2004 in Athen dürfte ihr das Siebenkampf-Drama von Helsinki in besonderer Erinnerung bleiben. "Ich bin schon überrascht gewesen, wie glatt es in der Vergangenheit lief. Diesmal war es wie eine Bergbesteigung", meinte die erste Mehrkämpferin, die den WM- Titel verteidigen konnte. Schließlich konnte Carolina Klüft ihre französische Herausforderin Eunice Barber erst im 800- Meter-Lauf endgültig niederringen und mit 6887 Punkten - nur 63 mehr als ihre Rivalin - gewinnen.

Der Kampf gegen Eunice Barber

Da sie nur 1,3 Sekunden schneller hätte laufen müssen, um die skandinavische Ikone zu stürzen, lief Barber wie der Teufel los und Klüft fünf, sechs Meter hinterher. "Ich war sehr ruhig und hatte das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben", berichtete Carolina Klüft, die mit einem fulminanten Schlussspurt den Erfolg perfekt machte. "Ich habe alles gegeben, ich hatte ja nichts zu verlieren", sagte Barber, die nach 1999 gern erneut den WM-Titel geholt hätte.

Dass ihr Protest gegen den ersten Weitsprung-Versuch von Klüft abgewiesen worden war, quittierte sie pikiert: "Ich habe ein Übertreten gesehen." Die Schwedin blieb kühl: "Sie lag falsch. Der Sprung war glücklich, aber korrekt." Und zwölf Zentimeter weiter als Barbers bester Satz. "Ich wäre auch über Silber nicht enttäuscht gewesen", sagte Carolina Klüft kokett nach dieser "Tour der sieben Leiden".

Eine Klasse für sich

Mit den 6,87 m im Weitsprung, der viertbesten Weite weltweit in diesem Jahr, hätte sie eine weitere Medaillenchance. "Wenn Sie in meinem Körper stecken würden, hätten Sie auch keine Lust, im Weitsprung teilzunehmen", sagte die am Knöchel blessierte Carolina Klüft. Dafür wird sie mit der schwedischen 4 x 100-m-Staffel antreten und als Zuschauerin ihren schwedischen Freund Patrik Kristiansson, der bei er WM 2003 Bronze im Stabhochsprung gewann, anzufeuern.

"Die sind eine Klasse für sich", sagte Sonja Kesselschläger zum Duell Klüft gegen Barber, in deren Schatten die beste Deutsche wacker kämpfte. Mit 6113 Punkten reichte es für die Olympia-Sechste nur zu Platz zehn und der Hoffnung, wieder weiter nach vorn zu kommen. "Meine Ziele sind die Olympischen Spiele 2008 und die WM 2009 in Berlin", so die Neubrandenburgerin. Bis dahin strebt sie nach dem perfekten Siebenkampf: "Wenn ich meine Bestleistungen addiere, käme ich auf 6581 Punkte." Damit hätte sie in Helsinki WM-Bronze gewonnen.

Andreas Schirmer/DPA

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