Christina Obergföll im Interview "Es wird fantastisch werden"


Speerwerferin Christina Obergföll greift heute Abend (ab 19.25 Uhr) nach der nächsten WM-Medaille für Deutschland. Mit stern.de spricht die WM-Zweite von 2005 und 2007 über deutsche Hoffnungen, "Ramba Zamba" im Stadion und ihren ganz persönlichen Geburtstagswunsch.

Die WM im eigenen Land hat begonnen. Wie verhält es sich mit der Aufregung?
Ich bin schon ganz nervös. Morgens wache ich auf und denke sofort an den Wettkampf - es kribbelt. In Peking war das Stadien auch ausverkauft, es haben 90.000 gejubelt, aber es war nicht "mein" Publikum. Das wird in Berlin anders sein. Alle werden für uns schreien, es wird fantastisch werden.

Was macht das eigene Publikum an Spannung aus?
Sehr viel. Ich muss eher aufpassen, dass ich nicht übersteuere und nur weil die Leute schreien, versuche 75 Meter zu werfen.

Sie hatten Probleme mi Ihrer Technik. Konnte Sie diese Defizite aufarbeiten?
Ja, aber ich hatte nicht nur Probleme mit der Technik, sondern auch mit der Gesundheit. Mir fehlte die Spannung, weil ich jedes Mal Angst hatte, dass es in der Schulter schmerzen könnte. Seit zwei Wochen ist aber wieder alles in Ordnung und ich kann frei trainieren. Jetzt ist es wieder eine andere Welt.

Neben ihrem Trainer Ludwig Loerwald werden sie psychologisch von der Ex-Speerwerferin Tanja Damaske betreut. Wie hilft Sie Ihnen?
Sie bereitet mich mental auf das "Ramba Zamba" im Stadion vor und wie ich konzentriert bleibe. Wenn ich aber zwei oder vier Wochen schlechte Leistungen bringe, dann gehe ich damit nicht zu ihr, sondern suche mir Rat bei meiner Familie oder meinem Freund.

Sie haben während der WM Geburtstag, mit welcher Medaille wollen Sie sich beschenken?
Es ist alles möglich. Alle Speerwerferinnen haben derzeit Probleme und keine ist überragend. Ich muss sehen, wie die Tagesformen der Werferinnen sind und wer etwas mehr Glück hat. Ich möchte mit einem guten Ergebnis aus dem Wettkampf gehen, auch wenn ich mit 68 Meter Bronze hole.

Die Kugelstoßer Ralf Bartels und Nadine Kleinert sowie Siebenkämpferin Jennifer Oeser haben schon Edelmetall gewonnen. Wer gehört für Sie noch zu den deutschen Medaillen-Hoffnungen?
Robert Harting im Diskuswurf, Hochspringerin Ariane Friedrich und Hammerwerferin Betty Heidler. (Überlegt einige Sekunden). Christina Obergföll und die Speerwerferin Steffi Nerius gehören natürlich auch dazu (lacht). Nur schade, dass die Marathon-Läuferin Irina Mikitenko nicht dabei ist.

Für 37-Jährige Steffi Nerius ist es die letzte WM, was trauen Sie ihr zu?
In Leverkusen hat sie mit 66,82 Metern gezeigt, dass sie immer noch mitreden kann und eine Medaillen-Anwärterin ist.

Die ganze Welt hat auf das Sprint-Duell zwischen Tyson Gay gegen Usain Bolt geschaut. Ärgert Sie es nicht, dass Speerwerfen nicht so populär ist?
Jein, einerseits finde ich es schade, dass bei einer deutschen WM in Berlin alle nur von Gay und Bolt reden, aber auf der anderen Seite, zieht der Name "Bolt" die Leute in das Stadion. Das ist ein Zugewinn für alle Leichtathleten.

Sefan Brand

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