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Leichtathletik-EM in Barcelona: Sensations-Gold für Sailer und Stahl

Der Bann von Barcelona ist gebrochen. Deutschland hat bei der Leichtathletik-EM endlich seine ersten Medaillen. Und was für welche! Verena Sailer sprintete über 100 Meter sensationell zu Gold, und die Speerwerferinnen Linda Stahl und Christiana Obergföll düpierten die Weltrekordlerin.

Mit zwei Sensationssiegen und drei Medaillen binnen fünf Minuten haben Deutschlands Leichtathleten ihre Pleitenserie am dritten EM-Tag von Barcelona gestoppt. Erst gewann Verena Sailer in 11,10 Sekunden trotz Gegenwind das erste deutsche 100-m-Gold seit Katrin Krabbe 1990, dann siegte Linda Stahl mit 66,81 m völlig überraschend mit dem Speer. Den Triumph komplettierte Christina Obergföll, die den Speer auf 65,58 m warf und Silber holte.

"Das ist unglaublich. Es ist wahnsinnig, es ist so Wahnsinn", schrie die Wahl-Mannheimerin Sailer außer sich vor Freude nach dem Triumph im Olympiastadion von 1992. "Ich kann's nicht glauben. Ich hab's geschafft", stammelte die 24-Jährige fassungslos und völlig aus dem Häuschen. "Ich wollte einfach nur gewinnen, ich sagte mir, du machst es einfach."

"Das ist historisch"

Im Finale mit überwiegend "namenloser" Konkurrenz sprintete die 24-Jährige von der MTG Mannheim zum Sieg. Silber und Bronze gewannen die Französinnen Veronique Mang in 11,11 Sekunden vor Myriam Soumare (11,18). Vor vier Jahren in Göteborg hatte die Belgierin Kim Gevaert noch in 11,06 gesiegt. Diese Zeit hatte Verena Sailer mit zu starkem Rückenwind bei ihrem Halbfinalsieg erreicht, trotz eines Stolperers in der Startphase.

"Eine Medaille im Sprint ist etwas ganz Besonderes. Das ist historisch", freute sich Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), über diesen Überraschungscoup. Sailers Vereinskollegin Anne Möllinger dagegen im Halbfinale mit 11,60 Sekunden aus; Yasmin Kwadwo aus Wattenscheid war im Vorlauf hängengeblieben.

Arm in Arm nach dem Doppelsieg

Auch Stahl und Obergföll erwiesen sich im Speerwurf als würdige Erben von Titelverteidigerin Steffi Nerius. Für die 24 Jahre alte Leverkusenerin war es der erste große Titel ihrer Karriere, Obergföll hatte schon 2008 bei den Olympischen Spielen Bronze gewonnen. Beide bejubelten ihren Doppelsieg Arm in Arm. "Das ist ein unglaubliches Gefühl. Ich bin so glücklich, mit Christina auf dem Podium zu stehen", sagte Stahl. Auch Obergföll meinte: "Was für ein schöner Abend." Vom ersten bis vierten Durchgang hatte die tschechische Olympiasiegerin und Weltrekordlerin Barbara Spotakova in Führung gelegen. Im fünften zogen beide Deutsche nacheinander vorbei.

Aus deutscher Sicht nahm der dritte Wettkampftag damit ein mehr als versöhnliches Ende. Denn zuvor war mit Malte Mohr ein weiterer Hoffnungsträger im Vorkampf des Stabhochsprungs ausgeschieden.

Lemaitre auf dem Weg zum Star der EM

Auf dem Weg zum großen Star dieser EM ist Christophe Lemaitre. Am Tag nach seinem Sieg über 100 Meter erreichte der Franzose auch das Finale über die doppelte Distanz am Freitag. Seinen Vorlauf über 200 Meter gewann er in 20,64, das Halbfinale in 20,39 Sekunden, der 20-Jährige steigerte sich trotz Wetterumschwung und Müdigkeit. Am Vormittag war es in Barcelona erneut drückend heiß gewesen. Am Abend regnete es erstmals, die Bahn war nass. Zudem steckte Lemaitre noch sein Finale über 100 Meter in den Knochen. "Ich habe nur wenig geschlafen. Ich hatte auch ein wenig Angst. Aber es ging", sagte er.

Der Titel im Hochsprung ging an den Russen Alexander Schustow (2,33 Meter). Im Dreisprung gewann Weltmeister Phillips Idowu aus Großbritannien (17,81) vor Marian Oprea (Rumänien/17,51) und dem favorisierten Weltjahresbesten Teddy Tamgho aus Frankreich (17,45).

joe/SID/DPA / DPA

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