HOME

Deutscher in der NBA: Die unglaubliche Story des Dennis Schröder

Wie im Märchen: Der erst 20-jährige Dennis Schröder hat sein Debüt in der NBA gefeiert. Kann er der nächste Nowitzki werden? Kann er! Auch wenn das erste Duell an "Big Dirk" ging.

Von Klaus Bellstedt

Als gestern um 19.30 Uhr Ortszeit im American Airlines Center von Dallas die NBA-Saison für die Mavericks begann, war das auch für den Superstar der Texaner ein ganz besonderer Moment. Es kribbelt. Natürlich. Aber Dirk Nowitzki kennt das Gefühl. Sogar sehr gut. Der Deutsche geht, man glaubt es kaum, in seine 16. NBA-Saison. Für einen anderen Deutschen dürfte es noch weit mehr gekribbelt haben als bei dem alten Hasen Nowitzki. Denn für Dennis Schröder von den Atlanta Hawks begann das Abenteuer US-Basketball, ausgerechnet gegen die Mavs und Nowitzki. Und auch, wenn das Spiel mit 118:109 verloren ging, könnte es der Startschuss für eine große Karriere gewesen sein.

Schröder, 20, wurde im Juni von den Hawks als erster Deutscher seit Nowitzki in der ersten Runde der NBA-Drafts ausgewählt - und wird seitdem mit Lob überschüttet. Der Aufbauspieler verfügt über enorme Dribbling-Fähigkeiten, ist schnell und hat, wie Basketballer sagen, einen hervorragenden Schuss. Davon konnten sich die vielen Experten und die gewaltige NBA-Medienmaschinerie in den USA während der Vorbereitungsphase auf die neue Saison eindrucksvoll überzeugen. Schröder tut gut daran, all die Vorschusslorbeeren gelassen hinzunehmen. "Das ist ein großartiges Gefühl, wenn alle denken, dass du dich gut machen kannst in der NBA – der besten Liga der Welt", sagt er.

Fulminante Laufbahn – bis jetzt

Auch "Big Dirk" hält große Stücke auf den neuen Point Guard der Atlanta Hawks. "Er hat ein riesiges Potenzial, ich glaube, er wird eine lange Karriere in der Liga haben", sagte Nowitzki vor dem Auftaktmatch - und sah auch die "lustige" Parallele zu seinem eigenen NBA-Debüt. Am 5. Februar 1999 traf der Würzburger im Alter von 20 auf Detlef Schrempf und die Seattle SuperSonics - im Rückblick "irgendwie eine ähnliche Situation" für den heute 35-Jährigen: "Ich bin am Ende meiner Karriere und er ist der neue Shootingstar."

Auf dem Weg nach Atlanta hat Schröder eine fulminante Laufbahn hingelegt. Mit elf Jahren skatete der NBA-Rookie gern im Braunschweiger Prinzenpark. Basketball spielte er dort eigentlich nur zum Spaß. Als zufällig Liviu Calin vorbeikam, erkannte der Trainer Schröders Talent sofort und nahm ihn mit zum Training der Phantoms Braunschweig. "Ich konnte durch die Beine dribbeln, obwohl ich nie im Verein gespielt hatte", sagt Schröder.

2011 gab der elegante Aufbauspieler sein Bundesliga-Debüt für die Niedersachsen, wurde vergangene Saison als bester Nachwuchsspieler ausgezeichnet und löste mit seiner Leistung beim Talente-Treffen Nike Hoop Summit im April in den USA einen regelrechten Hype aus. "Er ist weit oberhalb der normalen Lernkurve", staunte Hawks-Mitspieler Lou Williams nach dem ersten gemeinsamen Training über Schröder, der bei einer Testspiel-Niederlage gegen Dallas mal eben 21 Punkte vorbereitete. "Man sieht, dass er bereits professionell gespielt hat, es ist nicht sein erstes Rodeo. Wir müssen Dennis nicht mehr viel sagen."

Schröder muss sich behaupten

Privat hat Schröder, dem ein schwieriger weil oft aneckender Charakter nachgesagt wird, auch harte Zeiten hinter sich. Seine Mutter Fatou ist in Gambia geboren, sein vor vier Jahren verstorbener deutscher Vater Axel lebte von der Familie getrennt. Es gab Tage, als er im Friseurladen seiner Schwester aushelfen musste. Der Tod des Vaters war schließlich der Wendepunkt in seinem Leben. Vater Axel starb mit 46 Jahren an einem Herzinfarkt. "Ich habe ihm versprochen, alles zu geben, um meinen Traum von der NBA zu verwirklichen", sagte Schröder jüngst in der "Welt am Sonntag". Er hat es tatsächlich geschafft. Er ist jetzt Teil der NBA, der schillerndsten Sportliga der Welt.

Der nächste Schritt ist noch schwieriger: Schröder muss sich in Amerika behaupten. Dazu gehört die Bereitschaft, sich täglich im Training schinden zu wollen. Nur so verbessert man sich kontinuierlich. Aber das allein ist es nicht. Der 20-Jährige muss mit den vielen Reisen zurechtkommen, mit dem beinharten Spielrhythmus in der NBA leben können - und sich nicht zuletzt auf das riesige öffentliche Interesse an seiner Person einstellen. Erst wenn er all das geschafft hat, könnte Dennis Schröder wirklich einmal in die Fußstapfen von Dirk Nowitzki treten. Es wäre ihm zu wünschen.

mit DPA

Wissenscommunity