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Deutschland-Tour: Voigt mit Husarenritt an die Spitze

Bei der Deutschland-Tour hat der deutsche Radprofi Jens Voigt seine Gegner erfolgreich auf die hinteren Plätze verwiesen und gilt als Favorit für den Gesamtsieg. Auch Erik Zabel und Sebastian Lang lieferten eine tolle Show.

Mit einer unglaublichen Energieleistung hat Jens Voigt sein Gelbes Trikot bei der Deutschland-Tour verteidigt und seinen zweiten Etappensieg gefeiert. Im Ziel der sechsten Etappe im mondänen österreichischen Wintersportort St. Anton verwies der Mecklenburger aus Berlin den Vortagessieger Levi Leipheimer (USA) mit einer Sekunde Rückstand auf den zweiten Platz. Zusammen mit der Zeitgutschrift für den Tagessieg schraubte Voigt seinen Vorsprung im Gesamtklassement vor dem 38,2 Kilometer langen Zeitfahren am Dienstag in Bad Säckingen auf 24 Sekunden vor Leipheimer, dem Gesamtsieger von 2005.

"Leipheimer war mein gefährlichster Gegner. Schwer zu sagen, ob ich die Tour jetzt gewinnen kann. Es kann morgen reichen - es ist ein flacher Kurs. Als ich das Kilometerschild 1000 Meter vor dem Ziel gesehen habe, konnte ich auf den Tagessieg hoffen. Irgendwie konnte ich dann gewinnen", sagte der CSC-Profi Voigt, der sich auf dem 5,5 Kilometer langen anstrengenden Schlussanstieg nicht abschütteln ließ und verbissen kämpfte. Für Leipheimer "ist Voigt jetzt Favorit auf den Gesamtsieg".

Eine spannende Show zwischen Zabel und Lang

Die Etappe hätte beinahe mit einer noch größeren Sensation als dem Husarenritt des 34-jährigen Voigt geendet: Die beiden Ausreißer Erik Zabel, seit über einem Jahrzehnt einer der besten Sprinter der Welt, und der deutsche Zeitfahrmeister Sebastian Lang hatten lange Zeit Berg-Spezialisten und Klassementsfahrer die Show gestohlen. Erst sechs Kilometer vor dem Ziel des 196,6 Kilometer langen Abschnitts zwischen Seefeld und St. Anton wurden sie eingeholt. Sie fuhren 186 Kilometer allein an der Spitze.

Der Milram-Kapitän und der Profi aus dem Gerolsteiner Team hatten sich mit Erfolg als Bergfahrer versucht. Kurz nach dem Start waren sie Mitglieder einer vierköpfigen Spitzengruppe, die schnell einen großen Vorsprung herausfuhr. Bei der schwierigsten Passage des Tages, dem Anstieg zum 1873 Meter hohen Alpenpass Hahntennjoch, lösten sich Zabel und Lang von ihren Begleitern, mit denen sie ihren Vorsprung auf 11:15 Minuten vor dem Verfolgerfeld geschraubt hatten. Am Gipfel der 17 Kilometer langen Steigung hatten die beiden Ausreißer noch 7:45 Minuten Vorsprung auf den Träger des Gelben Trikots.

Vor ihnen lagen nur noch 68 Kilometer und die Schlusssteigung nach St. Christoph am Arlberg. 55 Kilometer vor dem Ziel hatten sie immer noch 6:01 Minuten Vorsprung. Lang und Zabel begannen langsam, von der Sensation zu träumen. Doch im Finale machten die Verfolger ernst, und die Ausreißer mussten sich geschlagen geben. Sechs Kilometer vor dem Ziel wurden die beiden von den ersten Angreifern am Schlussanstieg auf 1762 Meter gestellt - Zabel und Lang reichten sich dennoch freudestrahlend die Hände. Bis auf große Anerkennung für überraschend bewiesene Kletter-Qualitäten blieben Zabel immerhin die Zähler im Kampf um das rot-weiße Punkte-Trikot, das ihm jetzt keiner mehr nehmen kann. Lang eroberte das Bergtrikot.

Unsicherheiten im Team T-Mobile

Wie im Vorjahr ist die Deutschland-Tour nicht das bevorzugte Pflaster für den einheimischen Branchenführer T-Mobile, der ohne die "Tour de France-Helden" Andreas Klöden, Matthias Kessler und Sergej Gontschar antrat. Bereits am Vortag hatten die mit Hoffnungen gestarteten Patrik Sinkewitz und Linus Gerdemann ihre Chancen auf den Gesamtsieg durch große Rückstände auf der einzigen Steigung des Tages eingebüßt. Auch bei dieser Etappe fuhren die beiden hinterher. "Unsere Leistungen hängen sicher auch mit gewissen Unsicherheiten im Team zusammen", sagte Noch-Manager Olaf Ludwig, der im Zuge der radikalen Umwälzungen zum 31. Oktober vom Bonner Unternehmen gekündigt wurde.

"Es ist nur fair, dass mich Jens diesmal zurückgeholt hat. Wie oft habe ich ihn noch zu T-Mobile-Zeiten kurz vor dem Ziel geschnappt und seine Ausreiß-Versuche zunichte gemacht. Hätten wir am Schlussanstieg noch vier Minuten Vorsprung gehabt, hätte es klappen können. Aber dann wurde es immer weniger, und wir wurden gestellt", sagte Zabel im Ziel, wo er auf Voigt noch über fünf Minuten verlor.

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