Doping-Arzt Fuentes "Denke nicht daran, die Insel zu verlassen"


Doping-Arzt Eufemiano Fuentes will nicht vor dem Hamburger Landgericht aussagen. Während eines Sportmediziners-Kongress auf Gran Canaria trat der Spanier erstmals wieder öffentlich auf und gab gleich ein Interview - mit überraschenden Aussagen.

"Sie sollen nach Gran Canaria kommen und mich suchen", sagte der in St. Bartolome Tirajana auf der Kanaren-Insel lebende 52-jährige Frauenarzt aus Madrid der italienischen Sportzeitung "Gazzetta dello Sport". Das Landgericht Hamburg hatte im Rechtsstreit zwischen dem mutmaßlichen Fuentes-Kunden Jan Ullrich und dem Molekular-Biologen Werner Franke eine Zeugen-Aussage des Arztes in Spanien über ein Rechtshilfeverfahren angeordnet. Das Gerichtsverfahren in Spanien gegen Fuentes, der sich selbst den "bekannten Radsport-Kriminellen" nennt, ist in der Schwebe, nachdem die Staatsanwaltschaft Berufung gegen die Einstellung eingelegt hatte. Die "Operacion Puerto" mit Fuentes im Mittelpunkt hatte im Mai 2006 für den größten Doping- Skandal im Radsport gesorgt.

"Polizei muss Doping-Kontrollen durchführen"

Funtes erklärte, als er 1980 in den Radsport gekommen sei, habe jeder Profi seinen eigenen Koffer mit verbotenen Medikamenten dabei gehabt. "Ich habe sie überzeugt, dass es besser ist, nur einen Koffer zu haben, der mir gehört", sagte er der "Gazzetta". Er kritisierte den für die Doping-Tests zuständigen Weltverband UCI: "Das ist, als ob eine Organisation gegen Trunkenheit am Steuer Autofahrer bei Alkohol-Kontrollen ins Röhrchen blasen lässt. Die Polizei muss im Radsport die Kontrollen vornehmen".

"Große Rundfahrten wie die Tour de France oder die Vuelta seien nicht "mit Wasser und Brot" zu bewältigen, "es sei denn, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 Stundenkilometern, aber nicht bei den üblichen 42", sagte Fuentes weiter und unterstrich damit indirekt eine aus einer Sicht vorhandene Notwendigkeit zu dopen. Die Länder-Touren müssten sich radikal ändern, "sonst werden sie verschwinden", meinte Fuentes.

Fuentes will nicht vor deutschem Gericht aussagen

"Radsport - das ist für mich etwas aus der Vergangenheit mit vielen guten Erinnerungen", sagte Fuentes, der "noch viele Angebote" bekäme. Radprofis seien "wie Minenarbeiter, sie kennen ihr Risiko, aber es ist ihre Arbeit." Sport würde "die Gesundheit beeinträchtigen und Ärzte müssen helfen", erläuterte Fuentes, bei dem viele Radprofis, unter ihnen der geständige Jörg Jaksche, der weiter leugnende Ullrich und der gesperrte Italiener Ivan Basso Blutdoping vorgenommen haben sollen. Am Beispiel des an Herzversagen gestorbenen Fußballers Antonio Puerta kritisierte Fuentes, "dass zu wenig in Vorsorge-Untersuchungen investiert würde, aber zu viel in Strafen".

Erstmals seien laut Franke von Fuentes bei der Zeugen-Vernehmung - wenn sie zustande kommt - authentische Aussagen über sein Doping- Netzwerk zu erwarten: "Vielleicht sind ja auch Fragen nach anderen Sportarten erlaubt", hatte Franke der DPA erklärt. Fuentes aber "denkt nicht daran, die Insel zu verlassen, um Aussagen zu machen". Er hätte noch keine offizielle Aufforderung dazu erhalten, meinte der Mediziner, der nach seiner Festnahme im Mai 2006 nach Zahlung einer Kaution von 120.000 Euro auf freiem Fuß blieb.

Eine Überweisung von Ullrich nachgewiesen

Ullrich hatte Franke per Einstweiliger Verfügung die Behauptung untersagen lassen, er habe Fuentes im vergangenen Jahr 35 000 Euro zur Anschaffung von illegalen Substanzen gezahlt. Zuletzt sprach Franke sogar von insgesamt 120.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat mittlerweile eine Ullrich-Überweisung an Fuentes von 25 000 Euro nachgewiesen. Neun bei Fuentes gelagerte Blutbeutel wurden durch eine DNA-Analyse eindeutig dem Ex-Kapitän des T-Mobile-Teams zugeordnet.

DPA DPA

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