Doping-Skandal Ullrichs Ultimatum abgelaufen

Um den Spekulationen ein Ende zu bereiten, hat das Team T-Mobile Jan Ullrich dazu aufgefordert, binnen kürzester Zeit einen DNA-Test durchzuführen. Nun ist der Zeitraum verstrichen. Und Ullrich hat nicht gehandelt.

Das Team T-Mobile möchte endlich Klarheit. Deshalb wurde Jan Ullrich ein Ultimatum gesetzt, seine Unschuld zu beweisen. Die Mannschaftsführung legte ihrem ehemaligen Kapitän nahe, einen DNA-Test zu machen, um zu beweisen, dass die Blutproben aus dem Labor des Dopingarztes Fuentes nicht von ihm stammen. "Wir wollen, dass die Spekulationen endlich ein Ende haben", erklärte Luuc Eisenga, Pressesprecher des Team Magenta gegenüber stern.de. Nun ist das Ultimatum seit 48 Stunden abgelaufen und von Jan Ullrich kam bisher keine Regung.

Christian Frommert, Leiter der Sportkommunikation des Konzerns kündigt nun drastischere Maßnahmen an. „Wir werden uns in der kommenden Woche zusammen setzen und überlegen wie es weitergeht“, erklärte er. Doch genaueres lässt sich bislang nicht sagen. Olaf Ludwig, Manager des Teams erklärt gegenüber stern.de: "Bis jetzt gibt es keinen neuen Stand. Im Moment schieben sich die Anwälte die Schreiben hin und her."

Ullrich von Anwälten beraten

Seine Anwälte werden Jan Ullrich bisher geraten haben, den Test, auf den alle warten, nicht zu machen. Denn der könnte den 32-Jährigen nicht nur überführen, er würde sich auch die Beweislast umdrehen. Bislang muss das Team dem Fahrer beweisen, dass er Dopingmittel konsumiert hat. Nach dem DNA-Test müsste dann Ullrich seinerseits beweisen, dass die Vorwürfe gegen ihn ungerechtfertigt sind. "Dennoch", betont Frommert, "es gab eindeutige Hinweise gegen Ullrich. Und das was man gestern in der Zeitung gelesen hat, ist sehr enttäuschend", sagt Frommert, der auf einen Bericht hinweist, nach dem Ullrich schon im vergangenen Jahr bei der Tour gedopt sein soll. Allerdings deutete nach Durchsicht der Akten schon alles darauf hin, dass Ullrich schon vor diesem Jahr Doping betrieben habe, sagt Frommert.

Merkwürdig bleibt allerdings, dass die Plätze eins bis vier der Tourwertung des vergangenen Jahres nie positiv getestet wurden. Ullrich landete damals als Dritter hinter Lance Armstrong und Ivan Basso. Armstrong beendete im vergangenen Jahr mit einem zweifelhaften Ruf seine Karriere. Ivan Basso, Jan Ullrich und Francisco Mancebo, Platz zwei bis vier sind in diesem Jahr von der Tour ausgeschlossen worden, weil sie in die spanische Dopingaffäre verwickelt waren. Das Problem daran: Viele der Dopingmittel können nicht nachgewiesen werden. So wie das Eigen-Blutdoping.

T-Mobile rüstet sich gegen Doping

Das soll sich in Zukunft ändern. Die Verantwortlichen bei T-Mobile planen deshalb ein Treffen der Sponsoren, die für eine Erneuerung im Radsport kämpfen wollen. Es gebe bereits Signale vom nationalen Konkurrenten Gerolsteiner für gemeinsame Anstrengungen gegen die Manipulationen im Radsport. "Alles darf gedacht werden", meinte Frommert. Auch Profi-Fahrer und Trainer müssten sich an einem grundlegenden Neuanfang beteiligen. Nur ein "sauberer Radsport" könne für die Sponsoren attraktiv bleiben. Allerdings gebe es auch nach den jüngsten Veröffentlichungen über einen angeblich umfassenden Drogenkonsum Ullrichs seit mindestens zwei Jahren keine Zweifel an der Integrität der Team-Ärzte von der Uniklinik Freiburg. "Wir stellen alles auf den Prüfstand", sagte Frommert. Nur ein "sauberer Radsport" könne für die Sponsoren attraktiv bleiben.

Die Enthüllungen über das Doping-Netzwerk der spanischen Mediziner Fuentes und Bartres hätten gezeigt, dass die zurzeit praktizierten Dopingkontrollen des Weltverbandes UCI und der Veranstalter "die größte Schwachstelle" sind. Aus diesem Grund fordert Professor Wilhelm Schänzer eine Unterstützung der deutschen Bundesregierung im Kampf gegen Doping. Der Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln forderte in einem Brief an Innenminister Wolfgang Schäuble eine zusätzliche Förderung für sein Doping-Kontrolllabor von 150 000 Euro jährlich. Mit dieser Summe könnte das Institut gezielt Maßnahmen gegen Blutdoping ergreifen und zugleich die EPO-Analytik verbessern, schreibt er.

Kampf für mehr Gelder gegen Dopingbekämpfung

Schänzer wandte sich damit gegen einen Bescheid des Ministeriums, nach dem zusätzliche Mittel für dieses Jahr wegen der angespannten Haushaltslage nicht bewilligt werden sollen. Laut Schänzer erhält das Kölner Labor 350 000 Euro Bundesmittel für 12 000 Kontrollproben jährlich. Mit dieser Grundförderung könnte die Analytik auch andere Dopingpraktiken nicht nachweisen, erklärte der Wissenschaftler.

Schänzer erklärte: "Wir müssen im deutschen Spitzensport so genannte Blutkontrollen vornehmen, um über das Jahr hinweg Blutprofile anlegen zu können." Nur mit diesen Blutparametern kann Eigenblutdoping aufgedeckt werden. "Diese Lücke im Betrugssystem müssen wir schließen." Und Jan Ullrich? Die Beweislast aus den Dokumenten der spanischen Polizei ist erdrückend. Sollte sich nachweisen lassen, dass Ullrich seit Jahren mit dem Dopingarzt Fuentes zusammengearbeitet hat, ist seine Karriere zu Ende.

Annette Jacobs mit DPA

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