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Drittes Gold für Usain Bolt: Auf dem Weg zur Legende

Jamaikas Sprintstar Usain Bolt hat auch im Staffelrennen über die 4x100-Meter Gold geholt - ein weiterer Meilenstein in der Sportgeschichte. Doch erst wenn es keine Zweifel mehr gibt, wird er zur Legende. Von Klaus Bellstedt, Berlin

Usain Bolt ist Alleinunterhalter. Der Jamaikaner liebt es, im Mittelpunkt zu stehen. Wenn alle Objektive auf ihn gerichtet sind, dreht der Weltwunder-Sprinter erst so richtig auf. Am Samstagabend im Olympiastadion musste sich der Doppelweltmeister über die beiden Einzelstrecken umgewöhnen. Das Staffelrennen stand auf dem Programm. Teamwork statt One-Man-Show. Und als vorletzter Läufer der Jamaikaner konnte es sich Reggae-Liebhaber Bolt einfach nicht leisten, wie vor den Starts über die 100- und 200-Meter, vor sich hin zu tänzeln, für die Kameras Grimassen zu schneiden und Handküsse ins Publikum zu verteilen.

Spätestens nach Bolts beiden unwiderstehlichen Weltrekordläufen unter der Woche in Berlin musste man damit rechnen, dass das Quartett auch die nächste phantastische Bestmarke gewissermaßen über die Ziellinie tragen würde. So kam es zwar nicht, aber auch ohne eine neue Weltrekordzeit holte Jamaika Gold. Und Usain Bolt war der Hauptverantwortliche für diesen Triumph. Insofern war im Ziel eigentlich alles so wie immer: Die Kameras waren vor allem auf ihn gerichtet. Er hatte es wieder getan. Usain Bolt hatte den nächsten Coup gelandet - und einen weiteren Meilenstein in der Sportgeschichte gesetzt.

Legende oder Doping-Sünder?

Zurück zum Rennen: Als sich der Startläufer der Jamaikaner, Steve Mullings, und seine Gegner in die Startblöcke begaben, wurde aus dem ohrenbetäubenden Lärm im Olympiastadion eine elektrisierende Stille voller Spannung, die sich mit dem Startschuss entlud. Beinahe spielend wurde der Staffelstab von Mullings auf Michael Frater übergeben, bevor er bei Usain Bolt landete. Ohne ernsthafte Konkurrenz zündete der Sprintstar zum dritten Mal und letzten Mal bei dieser Leichathletik-WM den Turbo und distanzierte mit seinen unwiderstehlich raumgreifenden Schritten die Rivalen. Die letzten 100 Meter von Teamkollege Asafa Powell waren nur noch Schaulaufen. Jamaika holte Gold vor den Staffeln aus Trinidad/Tobago und Großbritannien.

Zwei Tage nach seinem 200-Meter-Wunderlauf, als Bolt die Welt für 19,19 Sekunden in Atem hielt, gelang es dem 23-Jährigen, weiter an seinem eigenen Mythos zu basteln. Denn genau das ist es, was Bolt wirklich will. Er will eine Legende werden - auch ohne Herausforderer. Und die drei Goldmedaillen von Berlin sollen nur eine Station auf dem Weg dorthin sein. Ob er aber jemals in einer Reihe mit Sergej Bubka oder Emil Zatopek stehen wird, bleibt abzuwarten. Weil immer wieder auch andere Erklärungen für seine atemberaubenden Leistungen kursieren. Der - allerdings unbewiesene - Vorwurf lautet: Niemand kann diese Zeiten laufen, ohne zu dopen.

Bolt, dem alles überstrahlenden Alleinherrscher dieser WM, scheinen diese latent mitschwingenden Zwischentöne zumindest rein äußerlich nichts auszumachen. Das Thema Doping behandelte er auch nach dem Gewinn seiner dritten Goldmedaille mit der gleichen Coolness wie alles andere: "Ich bin sauber, was kann ich sonst dazu sagen?". Wie es im Inneren des Weltstars aussieht, kann man ohnehin nur vermuten.

Die Unterlegenen bleiben sportlich

Es bleibt ein ewiges Hin und Her mit Usain Bolt. Einerseits sprechen seine Leistungen gegen alle wissenschaftliche Lehren über die menschliche Leistungsfähigkeit. Andererseits wird der Sprinter wenn auch nicht daheim auf Jamaika, so doch auf internationaler Ebene regelmäßig getestet und wurde dabei noch nie erwischt.

Seine Gegner gehen mit dem Thema Usain Bolt viel sportlicher um. Für sie stellt sich vor allem die Frage, wie man den Außerirdischen in Zukunft auf der Bahn stoppen kann. Der amerikanische Sprinter Shawn Crawford rettete sich in diesen Bolt-Tagen von Berlin in Galgenhumor: "Vielleicht kann ich ihm ein Bein stellen, ohne dass ich erwischt werde", sagte der Ami und hatte noch eine eher martialische Idee zu bieten: "Ich bin der Drachentöter. Aber der einzige Weg, den Drachen Usain Bolt zu töten, ist, ihm seinen Kopf abzuschlagen." Vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, sich dem Phänomen Usain Bolt zwischenzeitlich mit Humor zu nähern. Danach darf dann weiter gezweifelt werden.

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