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Sensations-Sieg gegen Nadal: Mister Spektakel spielt am liebsten auf Gras

Dustin Brown ist schon seit Jahren Deutschlands spektakulärster Tennis-Spieler. Zwar mangelt es seinem Spiel an Konstanz, doch an guten Tagen lieferte er die perfekte Show. So demütigte er auch Superstar Rafael Nadal - auf seinem Lieblingsbelag.

Zeigte seine stärksten Leistungen auf Rasen: der deutsch-jamaikanische Tennisspieler Dustin Brown

Zeigte seine stärksten Leistungen auf Rasen: der deutsch-jamaikanische Tennisspieler Dustin Brown

Langweile ist mit Dustin Brown nicht zu machen. Ballwechsel von Grundlinie zu Grundlinie? Mag er nicht so gern. Minutenlanges Hin und Her? Kommt selten vor, wenn Brown auf dem Platz steht. Der Mann liebt das Risiko. Mit allen positiven und negativen Folgen.

Die positiven hat die Welt gestern zu sehen bekommen. An guten Tagen sorgt Brown für eine Show, die seinesgleichen sucht. Er spielt Tennis aus den 80ern, probiert Stopps kurz hinters Netz, lobt danach hohe Bälle in den Rücken des Gegners. Er besiegte Rafael Nadal nicht einfach, er ließ ihn laufen, er demütigte ihn. Nadal ackerte, brachte sensationelle Bälle zurück. Doch gegen Browns Spektakel auf dessen Lieblingsbelag Rasen hatte der spanische Weltstar keine Chance. Es war ein Genuss, Brown zuzuschauen, das Publikum auf dem Centre Court feierte ihn nach dem Matchball minutenlang.

Bester Weltranglistenplatz von Dustin Brown bisher: Nummer 78

Doch dann sind da auch die negativen Folgen seines risikoreichen Spiels. Sie lassen sich allein an den Karriere-Statistiken ablesen. Brown ist ja kein Newcomer, er ist 30 Jahre alt, spielt seit 2009 professionell Tennis. Über die Position 78 der Weltrangliste ist er aber nie hinaus gekommen. Woran das liegt, trotz seiner Leichtigkeit, trotz seiner Präzision, die er auf den Platz bringen kann, das weiß er selbst.

Nach dem Spiel gegen Nadal sagte er im Interview: "Ich weiß nicht, wie es aussieht, wenn ich spiele. Wenn wir uns Matches von mir ansehen, schwankt es zwischen: "Okay, das ist ein guter Schlag" und "das war dumm". Es habe eine Weile gedauert, bis er verstanden habe, dass er so ein Spiel wie gegen Nadal an einem bestimmten Tag gewinnen kann, er aber auch mal "ein grottenschlechtes Match" spielen könne, sagte er. "Ich muss akzeptieren, dass mein Spiel eine große Spanne hat."

Eine bewegende Karriere

Brown ordnete seinen Triumph auf dem Centre Court also gleich in seine Karriere ein. Boris Becker, John McEnroe, sie alle waren begeistert, gratulierten ihm. "Das Spiel deines Lebens, Dreddy", schrieb Becker bei Instagram. Der Sieg gegen Nadal ist tatsächlich eine Art Krönung seiner Karriere, die es ohnehin nur gab, weil er durchhielt, weil er zäher war als andere Profis.

Brown wird in Celle als Sohn eines Jamaikaners und einer Deutschen geboren, wandert später nach Jamaika aus. Mit dem jamaikanischen Verband überwirft er sich allerdings in Tennis-Fragen. Er kehrt zurück nach Deutschland. Seine Eltern schenken ihm ein Wohnmobil. Mit dem fährt er dann von Turnier zu Turnier. Hotels sind zu teuer. Und sind ihm lange vielleicht auch einfach zu langweilig. Es dauert bis ins Jahr 2010, da spielt er sein erstes Grand-Slam-Turnier. Bei den Australian Open scheitert er zwar in der Qualifikationsrunde. Doch immerhin setzt er sich ab da in der Weltelite fest.

Karriere-Highlights auf Rasen

Rasen bleibt dabei sein Lieblingsbelag. 2013 schlägt er Lleyton Hewitt in Wimbledon. Und 2014 kommt es dann zum ersten Karriere-Highligt. Ebenfalls gegen Rafael Nadal. Beim Rasenturnier in Halle war das. Es war ein ähnliches Spiel wie in Wimbledon. Das Fachportal Tennisnet titelte danach "Dustin Brown putzt sensationell Rafael Nadal ". 6:4, 6:1.

Die Reaktionen in diesem Jahr fallen ähnlich spektakulär aus. Die Presse feiert ihren "Rasta-Helden". Brown genießt die Reaktionen. "All diese Erfahrungen haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Was das Tennis betrifft und auch als Person und Charakter. Und ich denke, all das hat zu diesem großartigen Tag geführt. Wahrscheinlich der beste Tag in meinem Leben." Vielleicht folgt der nächste ja schon bald. Vielleicht liefert Brown jetzt ja konstant Spektakel. Und dann könnte er sicher noch weit kommen.


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