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EISHOCKEY: Das Ende des deutschen Eishockeys?

Dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) droht rund drei Wochen vor der Weltmeisterschaft in Köln, Hannover und Nürnberg ein schwerer finanzieller Schlag.

Dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) steht rund drei Wochen vor dem ersten WM-Spiel das Wasser bis zum Hals. Das Landgericht Kempten kündigte in einem Beschluss vom 27. März ein sogenanntes Amtslöschungsverfahren gegen den Verband an. Damit sind sämtliche Satzungsänderungen, die seit dem Verbandstag vom 26. Juli 1997 beschlossen wurden, ungültig. Dieser Verbandstag regelte in einem Kooperationsvertrag die Aufnahme der Klubs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) als Außerordentliche Mitglieder in den Deutschen Eishockey-Bund. Dieser Kooperationsvertrag und die daraus resultierenden Zahlungen der DEL an den DEB sind somit nicht mehr rechtsgültig. »Die DEL und deren Klubs können diese Gelder zurückfordern«, erklärte Rechtsanwalt Norbert Hiedl am stern.de-Telefon. »Alles in allem beläuft sich die Summe auf gut elf Millionen Mark«, so Hiedl.

Gelassenheit beim DEB

Relativ gelassen reagierte DEB-Sportdirektor Franz Reindl am Mittwoch auf das Gerichtsurteil. »Der Verband besitzt eine Satzung und arbeitet nicht in einem rechtsfreien Raum. Die Beschlüsse des Verbandstags von 1997 sind zuletzt auf der Mitgliederversammlung im November 2000 in Hannover wiederholt und bestätig worden«, so Riedl. Ob er damit so richtig liegt, bezweifelt Rechtsanwalt Hiedl. »Auf der Mitgliederversammlung wurde die Satzung von 1997 zwar bestätigt, doch wurden dabei so viele Verfahrensfehler begangen, dass dieser Beschluss ungültig ist«, widersprach Hiedl den Aussagen Reindls gegenüber stern.de. »Außerdem ist die Satzungsbestätigung wohl noch nicht im Vereinsregister eingetragen.«

Gegen Gerichtsbeschluss kann der DEB innerhalb von zwei Wochen Widerspruch einlegen, dann ginge der Fall an das Bayerische Oberste Landgericht.

Rückzahlung oder Schenkungssteuer

»Die DEL kann das ohne Rechtsgrund gezahlte Geld zurückfordern, dann ist der Verband pleite«, sagte Hiedl. »Meiner Ansicht nach ist der DEB seit 1997 insolvenzreif, schlichtweg überschuldet«. Eine gütliche Einigung mit der DEL würde nach Ansicht von Nobert Hiedl dem DEB wenig helfen. »Bleibt das Geld beim DEB, wird das Finanzamt die Schenkungssteuer in Höhe von 35% einfordern«, so Hiedl.

DEL bleibt noch gelassen

Von Seiten der DEL geht man momentan nicht davon aus, dass die Zukunft des deutschen Eishockeys auf dem Spiel steht. »Wir gucken uns das entspannt an«, erklärte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke gegenüber stern.de. »Sollten aber tatsächlich Ansprüche gerechtfertigt sein, werden wir diese natürlich prüfen. Das sind wir unseren Vereinen schuldig.«

Allerdings bezweifelt er, dass eventuelle Forderungen Aussicht auf Erfolg hätten:

»Wie wollen Sie einem Toten in die Tasche fassen?«

Die Summe von elf Millionen hält Tripcke schlichtweg für völlig übertrieben. »Der Kooperationsvertrag von 1997 war nur ein Jahr gültig, dann wurde er von unserer Seite gekündigt«, erklärte Tripcke. »Inzwischen basiert die Zusammenarbeit mit dem DEB auf einem neuen Vertrag aus dem Jahre 2000.«

Norbert Hiedl sorgte bereits 1996 für Aufmerksamkeit, als er vor dem Arbeitsgericht in Kassel für den Eishockey-Profi Torsten Kienass einen Musterprozess gewann. Seitdem sind Ablösesummen in Deutschland nach Vertragsablauf verboten.

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