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Eishockey-WM: Angst vor zittrigen Knien

Am Freitagabend startet die Eishockey-WM in der Arena Auf Schalke. Vor der Rekordkulisse von 76.152 Fans trifft das deutsche Team auf den haushohen Favoriten USA. Die Spieler von Trainer Uwe Krupp spüren die Euphorie - haben aber auch Respekt vor der Kulisse.

Der Adrenalinspiegel steigt, die Knie werden weich, nur das Herz soll nicht in die Hose rutschen: Wenn die deutschen Eishockey-Nationalspieler vor der Weltrekordkulisse von 76.152 Zuschauern in der Schalker Arena in ihre Heim-WM starten, kämpfen sie nicht nur gegen die USA um die ersten Punkte, sondern auch gegen ihre Nervosität. "So was erlebt man nicht jeden Tag. Natürlich ist man nervös und aufgeregt", gibt Torjäger Michael Wolf vor dem Eröffnungsspiel am Freitag (20.15 Uhr/live bei Sport1 und Liga total) zu. "Das ist einfach gigantisch", sagt Routinier Sven Felski, der in Gelsenkirchen in seine achte Weltmeisterschaft geht. Die große Bühne ist der 35-Jährige gewohnt, spielt er doch mit den Eisbären Berlin regelmäßig vor mehr als 14.000 Fans. "Aber das wird das Fünffache sein", rechnet der Stürmer vor und sagt seinen jungen Teamkollegen: "Man darf im Spiel keine zittrigen Knie bekommen."

Einen ersten Eindruck vom monumentalen Rahmen der WM-Ouvertüre gewannen Felski und Co. am Donnerstagnachmittag, als sie erstmals im Stadion von Schalke 04 trainierten. In nur vier Tagen hatten knapp 100 Arbeiter rund um die Uhr den Fußball-Tempel des Vizemeisters in die größte Eishalle der Welt verwandelt. Für einen Tag stehen die Spieler von Bundestrainer Uwe Krupp im Mittelpunkt der Sportwelt. "Die ganze Welt schaut drauf", sagt Torhüter Dennis Endras. Neben der Weltrekordkulisse in der Arena, die für den Eintrag im Guinness-Buch sorgen wird, blicken auch Millionen Fans an den Fernsehgeräten in rund 100 Ländern auf das frisch bereitete Eis im Fußball-Stadion. "Das ist eine Riesenchance für das deutsche Eishockey", sagt Endras: "Da bringt man den einen oder anderen auch wieder zu unserem Sport und vielleicht auch dazu, selbst Eishockey zu spielen." Die einmalige Gelegenheit, aus der Nische in die breite Öffentlichkeit zu kommen, sieht auch NHL-Profi Marcel Goc: "Vielleicht kann man mit diesem Spiel mehr Zuschauer für Eishockey interessieren, vielleicht auch die, die normalerweise zum Fußball gehen. Wir können junge Leute begeistern, die sonst kein Eishockey schauen."

DEB-Cracks sehen ihre Außenseiterchance

Damit die Wirkung nach dem Spektakel auf Schalke nicht sofort verpufft, braucht die deutsche Mannschaft bei der Heim-WM aber auch sportlichen Erfolg. Gegen den Olympiazweiten USA, der in Jack Johnson (Los Angeles Kings) nur einen Silbermedaillengewinner von Vancouver im WM-Aufgebot hat, ist das Krupp-Team klarer Außenseiter.

Dennoch spekulieren die DEB-Cracks auf einen erfolgreichen WM-Start. "Wir gehen nicht rein und sagen: Okay, lass uns ein gutes Ergebnis erzielen", sagt Felski und fragt: "Warum soll denn nicht eine Überraschung möglich sein?" Der Auftritt im Ruhrpott ist dabei ein gutes Omen: Ihren letzten WM-Sieg gegen die Amerikaner feierte die DEB-Auswahl 1993 in der Dortmunder Westfalenhalle. Beim spektakulären 6:3 in der Vorrunde führten Dieter Hegen, Gerd Truntschka und Co. bereits nach dem ersten Drittel 5:0. "Ich hoffe, dass der Funke überspringt", sagt Felski. Die Begeisterung, die sie auf Schalke entfachen will, soll die deutsche Mannschaft durch die gesamte Vorrunde tragen. Am Montag (20.15 Uhr/live bei Sport1) gegen Finnland und am Mittwoch (16.15 Uhr/live bei Sport1) gegen Dänemark werden Erinnerungen an die WM 2001 wach, als die DEB-Auswahl in der ausverkauften Kölnarena eine Euphorie-Welle auslöste, die sie bis ins Viertelfinale spülte.

Die K.o.-Runde haben die Spieler diesmal zwar auch im Hinterkopf, doch darüber reden will nach dem WM-Debakel des letzten Jahres in der Schweiz mit dem Absturz auf Platz 15 niemand. "Ziel ist die Zwischenrunde", sagt Wolf, "und dann müssen wir schauen, was möglich ist."

SID/dab / SID

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