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Eisschnelllauf: Anni super, Verband peinlich

Drei Starts, drei Siege, aber getrübte Freude: Anni Friesinger hat beim Weltcup- Auftakt der Eisschnellläufer überlegen wie nie aufgetrumpft. Der Verband behindere die Spitzen-Athletin wie gewohnt, klagte ihr Trainer.

Im Eislauf-Mekka Heerenveen gewann die Olympiasiegerin am Sonntag auch das zweite Rennen über 1000 Meter, nachdem sie in den Tagen zuvor bereits den ersten Lauf auf der Sprint-Distanz (1:15,89) und die 1500 Meter (1:56,90) beherrscht hatte. Mit ihren Weltcup-Erfolgen 37 bis 39 schob sie sich hinter Gunda Niemann-Stirnemann (98) und Bonnie Blair (USA/66) an die dritte Position der Weltcup-Rangliste.

Am Schlusstag setzte sich die 29-jährige Inzellerin in 1:15,93 Minuten wiederum vor Christine Nesbitt (Kanada/1:16,15) durch. "Ein wundervoller Weltcup-Auftakt, aber der Ärger mit dem Verband nervt. Ich hatte am Ende auch schwere Beine und war insgesamt viel aufgeregter als in Erfurt", gestand die deutsche Ausnahmeläuferin.

Ihr neuer Trainer Gianni Romme vermutet, dass die Querelen mit der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) ein Grund für ihre Angespanntheit waren. "Sie war nicht locker und hat trotzdem gewonnen. Sie war sehr müde, sie hat sich auch zu viel aufgeregt. Anni ist so explosiv, ich kann sie gar nicht bremsen", sagte Romme. Friesinger hatte vehement gefordert, dass der Niederländer eine Trainer-Akkreditierung erhält und sie auch auf dem Eis betreuen darf. Zudem solle sich die DESG an der Finanzierung des Coaches beteiligen.

"Anni muss aufpassen, dass sie sich nicht selber diskreditiert"

Vom Verband war diese Forderung mit der Begründung der noch fehlenden Trainer-Lizenz bei Romme, rechtlich strittigen Fragen sowie nicht erfolgten Absprachen zu Anti-Doping- sowie Werberichtlinien abgelehnt worden. Romme hofft, dass es vor dem Weltcup in Berlin zu klärenden Gesprächen kommt. "Man kann es einer Athletin einfach machen, aber man kann ihr auch alles erschweren. Und genau das macht der Verband mit mir", legte Friesinger noch einmal nach. Die Art, wie sie ihre Anliegen über die Medien vortrug, stieß bei Präsident Gerd Heinze auf Ablehnung. "So geht das nicht. Wir brauchen einen anderen Arbeitsstil. Und Geld habe ich auch nicht. Anni muss aufpassen, dass sie sich nicht selber diskreditiert", konterte Heinze. Romme, der seinen neuen Schützling von der Bande aus coachte, versuchte, den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen.

Einen erfolgreichen Saison-Einstieg verbuchte auch Jenny Wolf (Berlin) mit den Plätzen zwei und drei über 500 Meter. "Besser hätte der Auftakt kaum laufen können", meinte die Olympia-Sechste. Auch Daniela Anschütz-Thoms (Erfurt) war mit den Plätzen vier über 3000 m (4:07,01) und fünf über 1500 m (1:58,24) sehr zufrieden. Die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein (Berlin) litt hingegen noch unter den Auswirkungen ihres Infekts und enttäuschte am Sonntag auf ihrer Spezialstrecke über 3000 m als Achte.

Viel Hoffnung verbreitete der Aufschwung der deutschen Herren unter Führung von Neu-Bundestrainer Bart Schouten. Tobias Schneider sorgte als Siebter über 5000 m in Bestzeit von 6:25,09 für die beste Platzierung eines Deutschen auf dieser Distanz seit drei Jahren, als der Chemnitzer Frank Dittrich in Heerenveen Siebter geworden war.

Auch die Plätze neun und zehn von Meister Samuel Schwarz aus Berlin über 1000 m waren von deutschen Sprintern lange nicht erreicht worden. Während der Japaner Keiichiro Nagashima beide Siege über 500 m landete, dominierten die Oranje-Herren durch Erben Wennemars (1500 m/1:45,96) und Sven Kramer (5000 m/6:16,64) die längeren Strecken.

Frits Klever/DPA

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