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Matthias Behr Fechter verletzte seinen Gegner tödlich – jetzt nimmt er Verwandte von dessen Witwe aus der Ukraine auf

Matthias Behr nach dem Gefecht mit Wladimir Smirnow 1982
Der Schock steht ihm ins Gesicht geschrieben: Matthias Behr nach dem tragischen Gefecht mit Wladimir Smirnow 1982 in Rom
© UPI / Picture Alliance
Florettfechter Matthias Behr verletzte bei einem Unfall 1982 seinen sowjetischen Gegner tödlich. Jetzt bietet er Verwandten der Witwe, die vor dem Ukraine-Krieg fliehen, Zuflucht.

Der 19. Juli 1982 verfolgte Matthias Behr sein ganzes Leben lang. An diesem Tag stand der westdeutsche Weltklasse-Fechter bei der WM in Rom auf der Planche, im Viertelfinale trat er mit dem Florett gegen den amtierenden Weltmeister Wladimir Smirnow aus Sowjetunion an. Dann das Unglück: Behrs Klinge brach ab, bohrte sich durch die Maske seines Gegners in dessen Auge bis ins Gehirn. Smirnow starb acht Tage nach dem Gefecht im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Er wurde 28 Jahre alt.

Dass er seinen Konkurrenten versehentlich getötet hatte, belastete den heute 67 Jahre alten Behr lange Zeit. Nun haben er und seine Frau Zita Funkenhauser, selbst früher höchst erfolgreiche Florettfechterin, laut "Bunte" Verwandte von Smirnows Witwe Emma aufgenommen, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflüchtet sind. Die Enkelkinder und der alleinerziehende Witwer der Tochter von Emma Smirnowa leben bei der Familie in Tauberbischofsheim.

Matthias Behr ist mit seinem Schicksal "versöhnt"

Matthias Behr hilft das, das traumatische Ereignis von Rom weiter zu verarbeiten: "Endlich bin ich mit meinem Schicksal versöhnt, für mich schließt sich ein Kreis", sagte er der "Bunten". Der Unfall sei das "Lebensthema" ihres Mannes, sagt Zita Funkenhauser: "Dass Matthias später an einer schweren Depression erkrankte, hatte sicher auch darin seine Ursachen." Behr und Funkenhauser sind beide Olympiasieger im Florettfechten: Der 67-Jährige gewann 1976 in Montreal Gold mit der Mannschaft, seine Frau bei den Olympischen Spielen 1984 und 1988.

Erstes Treffen mit der Witwe 2017 in der Ukraine

Mit der Familie von Wladimir Smirnow hat Behr schon vor einigen Jahren seinen Frieden gemacht. Über längere Zeit hatte er erfolglos versucht, Kontakt aufzunehmen, jedoch keine Rückmeldung erhalten. Irgendwann kam dann doch die Nachricht von Emma Smirnowa: Sie sei bereit für einen Besuch.

In der Ukraine kam es 2017 zu einem ersten Treffen, beide besuchten gemeinsam Smirnows Grab in Kiew. Behr erfuhr bei dieser Gelegenheit auch, dass seine Briefe zu Sowjet-Zeiten gar nicht weitergeleitet wurden und die Witwe erst mit zehn Jahren Verspätung erreichten. Im gleichen Jahr traten Smirnowa und Behr in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" erstmals gemeinsam in der Öffentlichkeit auf.

Quellen: "Bunte" / "Markus Lanz"

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