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Skandal in Regionalliga: Fußballer bei Spiel schwer verletzt - und kein Sanitäter hilft

Stellen Sie sich vor, Sie sind schwer verletzt - und keiner hilft, obwohl genügend Sanitäter vor Ort sind. Für den Regionalliga-Fußballer Christian Müller wurde das am Wochenende bittere Realität. 

Was sich während der Viertliga-Partie zwischen dem Wuppertaler SV und dem KFC Uerdingen am Wochenende abgespielt hat, sollte man schlicht nicht für möglich halten. In der 13. Minute des Spiels wird der Uerdinger Spieler Christian Müller, ein früherer Bundesligaprofi, gefoult und, wie sich rasch herausstellt, schwer verletzt. Spätere Diagnose: Nasenbeinbruch, Jochbeinprellung, Gehirnerschütterung. Sofort sichtbar: Müller ist benommen, schwer gezeichnet, sein Gesicht blutverschmiert. Dann das Unfassbare: eine gefühlte Ewigkeit geschieht nichts. Keiner der angeblich 16 Sanitäter im Wuppertaler Stadion am Zoo fühlt sich bemüßigt, dem Verletzten zu helfen.

Mehr als 4000 Zuschauer werden Zeuge eines schieren Chaos'. Betreuer, Ersatzspieler, auch aktive Spieler rufen um Hilfe, laufen wild gestikulierend in die Katakomben, um Helfer aufzutreiben - vergebens. Der Stadionsprecher beteiligt sich mit zwei Durchsagen an der Suchaktion nach den Sanitätern. Spätestens dann wird auch den Zuschauern die dramatische Lage bewusst. "Ihr seid doch auch in Erster Hilfe ausgebildet", brüllt laut einem Bericht der "Rheinischen Post" ein Fan eine tatenlos am Spielfeldrand stehende Gruppe von Feuerwehrleuten an. Erst nach dieser vehementen Aufforderung machen sich diese in Richtung des verletzten Spielers auf. In dem Moment kommen, vom Publikum mit hämischem Beifall begrüßt, schließlich doch Männer mit einer Trage, so dass der verletzte Spieler endlich auf die Intensivstation eines Krankenhauses gebracht werden kann.

Krankenwagen zugeparkt, Sanitäter tatenlos

Warum das so lange gedauert hat, klärte sich später auf - und ist genauso unglaublich. "Nach einigen Minuten habe ich mich gefragt: 'Wo sind denn die 16 Sanitäter, die wir für das Risikospiel geordert haben?'", zitiert das Portal "Reviersport" den WSV-Sportvorstand Manuel Bölstler. Eine Antwort hat er darauf nicht gefunden. Während der verletzte Spieler hilflos auf dem Platz lag, sei weit und breit kein Sanitäter zu sehen gewesen. "Mit einigen Mitarbeitern unseres Vereins haben wir auf die vier Sanitäter am Stadion-Vorplatz eingeredet und sie gebeten, sofort in den den Innenraum zu kommen", berichtet Bölstler dem Sportportal weiter, "sie erwiderten, dass sie für den Stadion-Innenraum nicht zuständig seien". Sie müssten zuerst den Einsatzleiter kontaktieren. Bölstler: "Ich konnte nicht glauben, was ich da zu hören bekam."

Und es kam sogar noch schöner. Als Bölstler und seine Kollegen vehement wurden und die Sanitäter regelrecht anschrien, dem verletzten Spieler endlich zu helfen, folgte die nächste Posse: "Sie sagten mir, dass sie (die Trage) nicht aus dem Krankenwagen holen könnten, weil der Wagen zugeparkt sei. Unfassbar!" Laut dem Sportvorstand machten sich stattdessen Vereinsmitglieder auf und trugen die Trage aufs Spielfeld. Die Sanitäter trotteten offenbar nur hinterher, denn sie wurden von einem Wuppertaler Spieler förmlich angepeitscht. Als er einen der Sanitäter zur Stelle des Verletzten treiben wollte, brachte er den Mann zu Fall, wofür er sich umgehend entschuldigte.

Christian Müller hat Krankenhaus wieder verlassen

Zu diesem Zeitpunkt waren über zehn Minuten vergangen, heißt es - eine Ewigkeit, hätte es sich um eine noch gravierendere Verletzung gehandelt. Bölstler versprach, das Fehlen der Hilfskräfte lückenlos aufzuklären. Laut einem Bericht der "Westdeutschen Zeitung" hat die Polizei eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung aufgenommen. Zum Glück konnte Christian Müller das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen und sich für zahllose Genesungswünsche bedanken. Der Einsatzleiter der Wuppertaler Feuerwehr, Andreas Steinhard hat unterdessen eingeräumt, die Zeit bis der Sanitätsdienst bei Müller eingetroffen sei, "habe ein Stück zu lang gedauert".

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