1899 Hoffenheim Ein Dorfclub jagt die Bayern


1899 Hoffenheim ist in der Fußball Bundesliga angekommen - zum Missfallen vieler Fans in Deutschland, gilt das Team doch als Retorten-Elf des SAP-Milliardärs Dietmar Hopp. Dabei übersehen viele, dass in Hoffenheim professionelle Arbeit von innovativen Leuten geleistet wird.

Fußball-Deutschland wird sich mit Hoffenheim arrangieren müssen. Der Dorfverein des SAP-Milliardärs Dietmar Hopp hat in beeindruckender Manier den Durchmarsch aus der Regionalliga ins Fußball-Oberhaus geschafft. In der nächsten Saison heißen die Gegner nicht mehr Wehen, Koblenz oder St.Pauli, sondern Werder Bremen, Schalke 04 und Bayern München. Der Aufstieg war verdient, und er war folgerichtig. Denn Hoffenheim ist nicht nur zu reich, es ist auch zu gut für die Zweite Liga, zu klug, zu innovativ.

"Hoppi hat's bezahlt"

Doch trotz einer attraktiven Spielanlage hat es der Club schwer, Freunde zu finden. "Hoppi hat's bezahlt" hallte es in dieser Saison durchs Hamburger Millerntor, als ein Schiedsrichter wiederholt eine umstrittene Entscheidung zugunsten der Baden Württemberger getroffen hatte. Christian Heidel, Manager des im Aufstiegsrennen unterlegenen FSV Mainz, hatte der Presse schon vor Monaten seinen Grimm diktiert: "Schade, dass so eine Mannschaft einen der sechsunddreißig Plätze im Profifußball wegnimmt." Auch wenn Heidel inzwischen Abstand von seiner Aussage nimmt - dahinter steckt die Abneigung gegen den "schnöden Mammon". Der Klub habe keine Tradition und keine Fans. Ein Verein aus der Retorte, so lauten gängige Vorurteile

Doch was soll an Hopps Vorgehen verwerflich sein? Er holte seinen Heimatverein durch kontinuierliche Investitionen aus den Niederungen der Kreisliga. Schon 1989 spendete der frühere Kreisliga-Kicker dem Club aus dem 3300- Einwohner-Dorf 10.000 Mark für neue Bälle. In der abgelaufenen Saison konnten die Kraichgauer dank Hopp 20 Millionen Euro in neue Spieler investieren - die zweithöchste Summe nach Bayern München. Anders als die Bayern kaufte Hopp nicht der Konkurrenz die Spieler weg, sondern holte vornehmlich junge, talentierte Spieler aus Brasilien und Afrika wie Carlos Eduardo, Demba Ba und Chinedu Obasi. In der kommenden Saison soll die Mannschaft noch einmal auf drei, vier Positionen punktuell verstärkt werden.

Investitionen in Steine und Beine

Hopps Investitionen fließen jedoch nicht nur in Beine, sondern auch in Steine. Prunkstücke sind das neue Stadion bei Sinsheim, eine Arena für 30.500 Fans, die bis Januar fertig werden soll. In Zuzenhausen lässt Hopp gleichzeitig ein altes Jagdschloss in ein modernes Trainingszentrum samt Fußball-Internat und Geschäftsstelle umbauen. Retorte? Natürlich! Warum auch nicht: "Unsere Tradition ist die Zukunft. Es ist im Sport wie in der Wirtschaft: Es kommen neue Firmen hoch, und die müssen akzeptiert werden", hält Hopp allen nostalgischen Fußballromantikern entgegen.

Was man Hoffenheim ebenfalls zugutehalten muss: Hopp sucht sich fähige Mitarbeiter, denen er alle Befugnisse einräumt. Trainer ist Ralf Rangnick, der Mann, der stark daran beteiligt war, dem deutschen Fußball neue taktische Impulse zu verleihen. Den Sportdirektor gibt der kluge Bernhard Peters, der dem DFB mit seinen modernen Vorstellungen in gleicher Position noch zu suspekt erschien. Auch arbeitet Hans-Dieter Hermann für die 1899 Hoffenheim, ein Sportpsychologe, den Jürgen Klinsmann sehr schätzt (dem übrigens beratende Kontakte zu Hopp nachgesagt werden).

Fernziel: das internationale Geschäft

In Hoffenheim denken und arbeiten sie in fast schon internationalen Dimensionen. "Wenn die Mannschaft die dritte Saison zusammenspielt, dann ist der sechste Platz in der Liga drin", hatte Hopp schon im April angekündigt. Und auch Trainer Rangnick ist nicht bange vor der erstklassigen Konkurrenz: "Ich glaube, dass es in den Spielen für uns nicht unbedingt schwerer werden wird. Technisch starke Spieler haben eher die Möglichkeit, ein Spiel aufzuziehen." Das klingt fast schon wie eine Drohung in Richtung München, Bremen und Gelsenkirchen.

DPA/SID/Oliver Fritsch/kng DPA

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