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Handball: Vorschau THW Kiel HSV Handball

Nach drei Saison-Niederlagen ist das Spiel beim THW Kiel die letzte Chance für den HSV Handball, seine Chance im Kampf um die Titelverteidigung zu wahren. Wir suchen nach den Gründen für die HSV-Misere.

Während der THW Kiel in der Bundesliga von Sieg zu Sieg eilt und nach 15 Spielen immer noch eine makellose Bilanz aufzuweisen hat, muss der HSV Handball die Titelverteidigung spätestens nach der dritten Saisonniederlage schon beinahe zu den Akten legen. Vor dem Duell der beiden deutschen Spitzenteams suchen wir nach den Gründen für die HSV-Krise.

Fehlstart in die Saison

Bereits nach den ersten beiden Auswärtsspielen der Saison deutete sich an, dass es für den HSV ganz schwer werden würde, seinen Titel zu verteidigen. Die Partien gingen 25:26 bei den Füchsen Berlin und 29:33 bei den Rhein-Neckar Löwen verloren. Dabei wurde auch schnell deutlich, wo die Probleme im Hamburger Spiel lagen, denn beide Gegner waren mit derselben Taktik erfolgreich: Sie nahmen den Hamburger Halblinken in kurze Deckung. Dadurch war der Angriffsplan des HSV über den Haufen geworfen worden.

In der Meistersaison konnte ein überragender Jogi Bitter in solchen Situationen den Hanseaten noch häufig den Sieg retten, aber zu Beginn der Saison gelang dies weder ihm noch Neuzugang Dan Beutler.

Rechter Rückraum verwaist

Einer der Hauptgründe für die Krise ist sicherlich die Verletztenmisere, die den HSV zu Saisonbeginn ohne Spieler für den rechten Rückraum zurückließ. Marcin Lijewski fiel nach einer Fuß-Operation zwei Monate aus und Neuzugang Oscar Carlén bestritt nach einem zweiten Kreuzbandriss noch kein Spiel für sein neues Team. Die Verantwortlichen handelten und verpflichteten Renato Vugrinec, der zuletzt im Katar gespielt hatte, kurzfristig Ende September.

Aber der Slowene hat die ganze Last der Position zu tragen, wird nur durch Blazenko Lackovic manchmal ersetzt. Durch die vielen Verletzten offenbarte sich ein weiterer Grund für die Misere: Der Kader ist nicht auf allen Positionen gleichwertig doppelt besetzt.

Gute Resultate, ohne zu überzeugen

Nach den beiden Niederlagen zu Saisonstart fing sich der HSV einigermaßen und zumindest die Ergebnisse stimmten. Spielerisch ließ der Meister aber weiterhin zu wünschen übrig. Nach dem mühsamen 35:26 über den damals noch punktlosen Aufsteiger TV Hüttenberg sagte Pascal Hens mopo.de: "Wir machen einfach zu viele technische Fehler. Letztes Jahr haben wir die nicht gemacht und solche Spiele mit 15 Toren gewonnen."

Auch das nächste Spiel gegen einen Aufsteiger war eine schwierige Angelegenheit. Beim 29:25 beim Bergischen HC zeigten die Hamburger das in dieser Saison übliche Bild: leicht vergebene Chancen, löchrige Abwehr und hohe Pass-Fehlerquote.

Carlén in der Schusslinie

Durch die vielen Fehler geriet der neue Trainer Per Carlén immer mehr in die Schusslinie, vor allem die Fans machten ihn hauptsächlich für die Krise verantwortlich. Und so bemühte sich der Trainer schnell, die Ansprüche herunterzuschrauben und sprach davon, dass das Thema Titelverteidigung bei bereits vier Minuspunkten keines mehr sei.

Einen ersten Befreiungsschlag durfte der Coach nach dem souveränen 27:19 über seinen Ex-Club SG Flensburg-Handewitt verzeichnen. Als Triumphator verließ der Schwede beide Fäuste in Richtung Nordtribüne gestreckt die Arena. Doch nur eine Woche später gab es wieder nur einen Zittersieg gegen einen vermeintlich schwachen Gegner: 37:34 bei Hannover-Burgdorf. Diesmal war es Torsten Jansen, der Alarm schlug.

"Wir dürfen auf Dauer solche Spiele nicht abliefern! Es läuft nicht optimal, wir machen zu viele Fehler! Wir müssen schnell Lösungen finden", forderte der 34-Jährige laut bild.de. Im Gegensatz zur Bundesliga lief es für den HSV in der Champions League optimal.

Sieg um Sieg in der Königsklasse

In der leichten Gruppe wurde Sieg um Sieg eingefahren und frühzeitig das Erreichen der nächsten Runde sichergestellt. Über die Erfolge in der Königsklasse gelang es dem Team nun auch nach und nach, sich das Selbstvertrauen für die Liga zu holen. Nach den vielen schlechten Meldungen zu Saisonbeginn folgte nun eine Anzahl erfolgreicher Wochen.

Mimi Kraus kehrte nach monatelanger Verletzungspause zurück und in der Bundesliga gelangen einige deutliche und endlich auch souveräne Siege und langsam blickte man beim HSV wieder auf das Spitzenspiel gegen den THW Kiel. Mit einem Sieg wäre man schließlich nur noch zwei Punkte hinter dem Rivalen gewesen, doch auch nach 19 Pflichtspiel-Siegen in Serie gab es für HSV-Präsident Martin Schwalb keinen Grund, in Euphorie zu verfallen, zumal Mimi Kraus mit einem Muskelfaserriss erneut ausfiel.

"Es ist ein Aufwärtstrend zu erkennen. Wir sollten uns aber auch keinen Sand in die Augen streuen. Die wichtigen Spiele kommen erst noch. Es soll nicht despektierlich klingen, aber die Champions-League-Gruppe ist nicht so schwer", sagte Schwalb welt.de.

Angstgegner Lübbecke

Und er sollte recht behalten, Auswärtsspiele beim THW in der Bundesliga und den Rhein-Neckar Löwen im Pokal vor den Augen kam der nächste Rückschlag, der HSV verlor mit 31:32 bei Angstgegner TuS N-Lübbecke, in einem Spiel, das eigentlich nur als Generalprobe für das Duell mit Kiel herhalten sollte.

Ein mentales Problem will Schwalb beim Team aber nicht sehen und auch Coach Carlén widerspricht dem in einem Interview mit der Hamburger MOPO vehement: "Wir sind eine stabile Mannschaft mit großer Erfahrung. Es ist kein Einstellungsproblem. Wir haben von den letzten 20 Spielen jetzt eins verloren. Das kann passieren. Meine Spieler haben bis zum Schluss gekämpft." Das lässt die Hamburger für das Top-Spiel in Kiel noch hoffen.

Hennng Schulz

sportal.de / sportal

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