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Handball-WM: Die Heißmacher

Jetzt geht die Handball-WM in Kroatien erst richtig los. In der Hauptrunde trifft Titelverteidiger Deutschland auf Serbien (ab 17.30 Uhr im stern.de-Live-Ticker). Die DHB-Auswahl, die sich im Umbruch befindet, übertrifft bisher alle Erwartungen. Das hat einen Hauptgrund.

Von Klaus Bellstedt

Was ist das bloß für eine Truppe? Die deutschen Handballer fuhren zwar als Titelverteidiger zur WM, aber mit einer Titelverteidigung in Kroatien war nun wirklich nicht zu rechnen. Das Team von Heiner Brand steht total im Umbruch, die alten Recken wie Baur, Schwarzer oder Torwart Fritz sind nicht mehr dabei, dazu das fast schon traditionell bei großen Turnieren auftretende Verletzungspech der Deutschen, nicht wenige Experten prophezeiten der Mannschaft bereits ein Scheitern in der Vorrunde. Und jetzt das! Die deutsche Handball-Nationalmannschaft liegt nach vier Siegen und nur einem Remis voll auf Medaillenkurs.

Nach dem beeindruckenden 30:23-Erfolg im letzten Vorrunden-Spiel gegen Vizeweltmeister Polen hat sich die DHB-Auswahl eine optimale Ausgangsposition für den Kampf um eines der vier heiß begehrten Tickets für die Vorschlussrunde geschaffen. Was in Kroatien eindrucksvoll zu beobachten ist: Es wächst etwas zusammen, etwas von dem nicht einmal die kühnsten Optimisten gewagt hatten zu träumen.

"Mimi" hält den Laden zusammen

Das Erstaunlichste: Immer wenn man mit dem ersten Einbruch dieser Mannschaft rechnet, lehrt sie uns eines Besseren. Nehmen wir das Spiel gegen Polen. Deutschland hatte sich nach dem Sieg gegen Mazedonien bereits für die Hauptgruppe qualifiziert, das letzte Vorrundenmatch gegen Polen war zwar wichtig, weil die Punkte mit in die nächste Runde genommen werden, aber es war eben nicht ein Spiel um, sagen wir mal, Leben und Tod. Und dennoch lieferten die Brand-Männer gegen Polen ihr bislang bestes Spiel bei dieser WM ab.

Überragend agierte Keeper Carsten Lichtlein, der dieses Mal den Vorzug vor Johannes Bitter erhalten hatte und mit 17 Paraden glänzte. Auch so ein Erfolgsrezept von Heiner Brand, er schont zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Spieler. Bitter hatte zuvor zwei teilweise überragende Matches über 60 Minuten gemacht. Genannt werden muss natürlich auch Michael, genannt "Mimi", Kraus. Der Kapitän war bester deutscher Schütze, erzielte alle seine sieben Treffer in der zweiten Hälfte. Der gerade erst von einer Wadenverletzung wiedergenese Kraus wird von Spiel zu Spiel besser, übernimmt Verantwortung wo er kann und ist derjenige, der den ganzen Laden auch emotional zusammenhält.

Harte Brocken in der Hauptrunde

Man könnte die Mannschaft jetzt Stück für Stück weiter durchgehen, sie alle haben ihren Anteil am bisherigen Erfolg. Und doch muss ein weiterer Akteur Erwähnung finden: Christian Schöne. Der Nachnominierte schwebte ins Mannschaftsquartier ein und warf sofort Tore in Serie gegen Mazedonien und Polen. Wegen seiner Klasse, aber vor allem auch wegen seiner Unbekümmertheit trägt der 27-jährige Rechtsaußen Deutschlands Hoffnungen auf dem Weg zur Titelverteidigung mit.

Und dann wäre da noch der Teamspirit. In der Vorbereitung auf die WM hat sich die Truppe beschnuppert und gefunden. Viele kannten sich ja noch gar nicht. Mittlerweile hat sich ein echter Teamgeist herausgebildet. Jeder steht für den anderen ein, jedes Tor auf dem Parkett wird von der Bank aus mitbejubelt. Pushen für den Erfolg, keine andere Mannschaft bei dieser WM kann das so gut wie die Deutschen. Da kann man wirklich ins Schwärmen geraten.

In der am Samstag (ab 17.30 Uhr im stern.de-Live-Ticker) beginnenden Hauptrunde trifft das DHB-Team auf Europameister Dänemark, Norwegen und Serbien. "Alles ganz harte Brocken weiß Pascal Hens. Aber Hens weiß auch: Mit dieser Einstellung, mit diesem Spirit und drei hochkonzentrierten Leistungen ist bei dieser WM wirklich noch alles drin - sogar die Titelverteidigung.

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