HOME

HEW-Cyclassics: Filipo Pozzato gewinnt in Hamburg

Der Italiener Filippo Pozzato vom Team Quick Step hat in Hamburg das ProTour-Rennen HEW-Cyclassics gewonnen. Jan Ullrich konnte nicht in die Entscheidung eingreifen.

Das typische Hamburger Schietwetter hat Hitze- Liebhaber Jan Ullrich einen Strich durch die Siegrechnung beim ProTour-Radrennen in der Hansestadt gemacht. Bei kräftigen Schauern und Gewittern am Sonntagnachmittag auf der 250,5 Kilometer langen Strecke durch Hamburg und angrenzende Kreise in Schleswig-Holstein und Niedersachsen setzte sich der Italiener Filippo Pozzato vom Team Quick Step vor seinem Teamkameraden Luca Paolini und dem Australier Allan Davis durch. Ullrich gehörte der Spitzengruppe an, konnte aber nicht in die Entscheidung eingreifen. "Das war sehr hart. Durch den Regen wurde viel gedrängelt und gestürzt. Im Sprint waren meine Beine zu lahmarschig", sagte der Dritte der diesjährigen Tour de France.

Mit Volksfesten an der Strecke, die erstmals nicht gen Osten nach Bergedorf, sondern nach Süden durch die Nordheide bis Buchholz und zurück führte, wurde die Durchfahrt des Peletons in den einzelnen Orten gefeiert. Mehrere hunderttausend Zuschauer säumten die Straßen und jubelten den Fahrern zu.

Zahlreiche Stürze

Auf den regennassen und damit rutschigen Straßen war es zu zahlreichen Stürzen gekommen. Die Sanitäter wurden zu insgesamt 80 Rettungswageneinsätzen gerufen, bei denen häufig Arm-, Bein und Schüsselbeinbrüche versorgt wurden. 40 Sportler wurden ins Krankenhaus gebracht. Eine Fahrerin aus dem Jedermann-Feld musste auf der Köhlbrandbrücke gar wiederbelebt werden. Die über 60-Jährige hatte nach Information des DRK Hamburg einen Herzinfakt erlitten. Ebenfalls in Lebensgefahr schwebte kurzzeitig ein Freizeitfahrer, nachdem er in einer Kurve im Hamburger Stadtteil Blankenese gestürzt war. Beide Fahrer befinden sich außer Lebensgefahr.

Zudem wurden 130 leichte Verletzungen registriert, die ambulant behandelt wurden. Auch die Profis blieben von Missgeschick nicht verschont. Nach einem Sturz musste der Franzose Geoffroy Lequatre aus dem Team Credit Agricole im Krankenhaus versorgt werden.

Jörg Ludewig lange vorn

Lange war das 18. von 27 ProTour-Rennen von Jörg Ludewig aus Steinhagen geprägt worden. Der Profi vom italienischen Domina Vacanze-Team war nach 34 Kilometern ausgerissen und wurde zusammen mit dem Belgier Leif Hoste aus dem Lance-Armstrong-Team erst 19 Kilometer vor dem Ziel gestellt. Der Italiener Danilo di Luca behauptete die Führung in der ProTour-Wertung.

Weder Ullrich, der sich redlich mühte, für den das Profil des Rennens aber wahrscheinlich zu wenig anspruchsvoll war, noch Zabel spielten eine entscheidende Rolle. Der Tour-Dritte bestreitet am (morgigen) Montag noch ein Kriterium am Stadtrand Mannheims, dann beginnt er mit der Vorbereitung auf die am 15. August beginnende Deutschland-Tour. Dabei strebt Ullrich den Gesamtsieg an. Zabel, der in Hamburg 2001 siegte, will auf die Deutschland-Tour verzichten und sich bei der Spanien-Rundfahrt auf die Straßen-WM am 25. September in Madrid vorbereiten.

Bei den Jedermann-Rennen über 55, 100 und 155 Kilometer stiegen über 20 000 Freizeitradler in die Pedalen. Darunter auch zahlreiche Prominente: Sänger Lotto King Karl, Ex-Verkehrsminister Kurt Bodewig, Fußball-Trainer Helmut Schulte, der ehemalige Beachvolleyballer Axel Hager, Hamburgs Tierparkdirektor Stefan Hering-Hagenbeck und Tagesschau-Sprecher Thorsten Schröder. Letzterer erwies sich einmal mehr als Sportsmann. Nachdem er im April bereits den Hamburger Marathon bestritten hatte, fuhr er diesmal die längste Jedermann- Strecke von 155 Kilometern. "Ich bin die ganze Zeit am Anschlag gefahren. Das war ein gutes Training für den Holsten-City-Man", sagte Schröder. Auch an dem Triathlon am ersten August-Wochenende in Hamburg will der Nachrichtensprecher teilnehmen.

Andreas Zellmer und Franko Koitzsch/DPA / DPA

Wissenscommunity