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Kathrin Hölzl im Interview: "Attackieren! Was denn sonst?"

Beim Riesenslalom am Mittwochabend ist Kathrin Hölzl die große Gold-Favoritin. Vor den Olympischen Spielen sprach stern.de mit der 25-Jährigen über ihre prächtige Form, den Konkurrenzkampf im deutschen Team und die Glamour-Welt.

Frau Hölzl, im Jahr 2009 ergatterten Sie einen Weltmeistertitel und mehrere Weltcupsiege. Wie fällt ihr Form-Fazit vor ihrem persönlichen Start ins Olympia-Geschehen aus?
Ich habe mich sehr gefreut, mit den zwei Weltcupsiegen in der aktuellen Saison den WM-Titel aus dem letzten Winter bestätigt zu haben.

Können Sie nun bei Olympia noch einen drauf setzen?
Mehr als ein Sieg geht ja nicht - ich habe jetzt ja schon bewiesen, dass ich gewinnen kann. Das Potential ist sicher da. Ich habe heuer zwei Siege und die Plätze 4,5 und 7 erreicht. Fünf Starts, fünf Top-Ten-Platzierungen. Ich lasse es mir gefallen, wenn man mich für den olympischen Riesenslalom in den erweiterten Favoritenkreis hebt. Was aber in Vancouver passiert, hängt von vielen Faktoren ab. Ich werde mich selbst nicht unter Druck setzen. Wenn man sein Bestes gibt, braucht man sich nichts vorwerfen.

Das DSV-Damenteam hat sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt...
Ja, unser Team ist phänomenal ! Der Erfolg verteilt sich auf mehrere Schultern. Wenn alle mit ihren Leistungen zufrieden sind, steigt die Laune in der Gemeinschaft. Wir haben mit Maria und Susanne Riesch und mir drei Siegläuferinnen, die jungen Mädels sind aber so frech und unbefangen.

Zuletzt hatten Sie eine enorm gute Form. Sie führen den Riesenslalom-Weltcup an. Ihr Cheftrainer Mathias Berthold attestierte Ihnen, "das Maß aller Dinge im Riesenslalom" zu sein. Welchen Anteil hat ihr WM-Titel aus Val d’Isere vom Februar letzten Jahres an ihrer jetzigen Form?
Wenn man das Gefühl hatte, nie so ganz das Potential im Wettkampf umsetzen zu können, befreit einen so ein Weltmeistertitel. Man hat es ja immer gefühlt, dass es für ganz oben reicht .Mit dem Titel sind mir die Dinge schon leichter von der Hand gegangen. Gleichzeitig ist es auch eine Bürde. Jetzt ist man die Gejagte, jetzt muss man die Leistung bestätigen.

Experten trauen Ihnen auch im Slalom zu, ganz nach vorne zu fahren. Vor den Spielen lagen Sie auf Platz 28 des Slalom-Weltcups, wie sehen Sie ihr Potenzial im Slalom?
Der Slalom in Maribor (dort wurde Hölzl 14. - Anm. d. Red.) war hoffentlich eine Weichenstellung. Ich glaube, dass ich nun besser zurechtkommen werde.

Ihre Teamkollegin Maria Riesch hat ausgerechnet im Riesenslalom ihre größten Probleme. Geben Sie ihr manchmal ein paar Tipps, damit es für sie besser läuft?
Maria hat in Maribor gezeigt, dass sie im Riesenslalom keine Tipps von mir braucht; Maria ist schon eine komplette Fahrerin und auch im Riesenslalom eine ernstzunehmende Konkurrentin.

Mit guten Leistungen steigt auch die Aufmerksamkeit der Medien. Sie haben öfters betont, lieber zurückhaltend mit den Medien umgehen zu wollen. Sind Sie nicht manchmal doch ein bisschen neidisch auf Maria Riesch, weil sie viel stärker im Fokus der Öffentlichkeit steht?
Aus verschiedenen Gründen habe ich es mir zur Maxime gemacht, auf mich allein zu achten. Neid und Missgunst sind im Leben schlechte Begleiter.

Läßt sich ein zurückhaltender Umgang mit Medien bei steigendem Erfolg überhaupt so aufrecht erhalten? Die Sponsoren sähen es doch auch lieber, wenn Sie an der Seite von Maria Riesch beispielsweise bei "Wetten dass,…" aufträten…
Ich pflege ja gar keinen zurückhaltenden Umgang mit den Medien und der Öffentlichkeit; ich führe jeden Tag Interviews mit Medien, habe meine Fotoshootings wie in der letzten Woche mit der Zeitschrift „Bunte“ oder gehe meinen Repräsentationsverpflichtungen für Sponsoren nach. Ich ziehe allerdings auch Grenzen. Denn ohne sportlichen Erfolg ist alles nichts.

Ihr Vater ist vor zwei Jahren an Krebs gestorben. Er hat Sie sehr unterstützt, Sie wollen seine Skischule in ihrem Heimatort Bischofswiesen übernehmen. Wie stark haben Sie unter seinem Verlust gelitten, und wie traurig sind Sie, dass er Ihre größten Erfolge nicht mehr miterleben kann?
Diesen Verlust kann man nicht in Worten ausdrücken. Aber ich weiß, dass mein Vater meine Erfolge wahrnimmt.

Felix Haas

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