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Nike Oregon Project: Kein "Rückgrat": US-Trainer von Leichtathletin Klosterhalfen schwer beschuldigt

Die frühere US-Leichtathletin Mary Cain erhob kürzlich schwere Vorwürfe gegen Trainer Alberto Salazar und dessen Nike Oregon Project. Nun beschuldigte sie auch den Coach der deutschen Top-Läuferin und WM-Dritten Konstanze Klosterhalfen.

Konstanze Klosterhalfen bei einem Wettkampf in Birmingham

Nach dem Aus des Nike Oregon Projects hatte Konstanze Klosterhalfen angekündigt, ihrem Coach Pete Julian die Treue zu halten. Der gerät nun auch unter Druck.

DPA

In der Doping-Affäre um das mittlerweile aufgelöste Nike Oregon Project (NOP) gerät nun auch Pete Julian, der Trainer der deutschen WM-Dritten Konstanze Klosterhalfen, unter Druck. Die US-Läuferin Mary Cain beschuldigte ihn in der Zeitschrift "Sports Illustrated", sie nicht vor den verletzenden Bemerkungen des inzwischen wegen Doping-Verstößen gesperrten NOK-Leiters Alberto Salazar geschützt zu haben, obwohl er oft bei Gesprächen dabei gewesen sei.

"Wenn man ein Trainer sein will, muss man eine Führungsperson sein", sagte Cain. "Er muss jemand sein, der bereit ist, sich gegen etwas zu wehren, auch wenn es schwer fällt." Manchmal würde das bedeuten, das auch auszudrücken ("Hey, ich habe etwas falsch gemacht, lasst es uns korrigieren") oder anderen Menschen, die eine höhere Position hätten, zu sagen: "Das ist nicht in Ordnung". Cain: "Wenn man nicht das Rückgrat dafür hat, wenn man nicht die Fähigkeit dazu hat, wie kann man dann eine Führungspersönlichkeit sein?"

 Klosterhalfen trainiert weiter mit Pete Julian

Salazar-Assistent Julian, mit dem Klosterhalfen auch in der neuen Saison in den USA zusammen arbeiten will, zeigte Verständnis für die Vorwürfe. "Ich möchte klar stellen, dass es mir wirklich leid tut, dass Mary das durchmachen musste. Ich wusste nicht, dass sie so viele Schmerzen erleiden musste", erklärte er in der aktuellen Ausgabe der "Sports Illustrated", betonte aber auch: "Mary spricht einige gute Punkte an. Aber ich glaube nicht, dass sie versteht, wie viel ich tatsächlich für sie getan habe. Ich habe auch versucht, sie zu beschützen."

Cain war vor kurzen mit den Anschuldigungen gegen Salazar an die Öffentlichkeit gegangen. Sie warf dem Trainer vor, sie schwer geistig und körperlich misshandelt zu haben. Demnach sollte sie mit aller Macht ihr Gewicht auf 52 Kilogramm reduzieren (bei einer Körpergröße von 1,70 Meter). Dabei schreckte der seit Jahren umstrittene Trainer laut Cain nicht vor demütigenden Maßnahmen zurück. Mehrfach habe sie sich vor den Augen von Teamkollegen wiegen lassen müssen. Hatte sie das Gewichtsziel verpasst, soll Salazar sie vor versammelter Mannschaft runtergemacht haben. Auch habe er ihr die Einnahme von Antibabypillen und Diuretika verordnet, um so verstärkt Urin aus dem Körper auszuschwemmen. Am Ende sei sie körperlich und seelisch am Ende gewesen und habe sogar angefangen, sich zu ritzen. 

Zwei Männer in Anzügen schieben einen dritten Mann im Anzug aus der Tür

Salazar ist wegen Dopings gesperrt

Unterdessen hat Salazar versucht, sich bei der 23-jährigen Cain für seine "gefühllosen oder unsensiblen" Bemerkungen zu entschuldigen. Wenn diese Athleten verletzt hätten, sei ein "solcher Effekt völlig unbeabsichtigt" gewesen.

Der umstrittene Coach war kürzlich wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln für vier Jahre gesperrt worden. Ihm wird vorgeworfen, verbotene Infusionen verabreicht zu haben, Testosteron besessen und damit gehandelt und Daten im Zusammenhang mit Doping-Kontrollen vertuscht zu haben.

tis / DPA

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