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Kreischdebatte bei den Australian Open Stöhnen bis die Ohren platzen


Es wird laut im Damen-Finale der Australian Open: Mit Maria Sharapova und Victoria Azarenka treffen im Endspiel zwei echte Kreischsägen aufeinander. Der nervende Lärm sorgt für Ärger unter den Tennis-Stars. Das "Grunting" soll verboten werden, fordern einige. Die Sirenen halten dagegen.
Von Klaus Bellstedt
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Das wird ein echter Ohrenschmaus: Wenn sich am Samstag im Damen-Finale der Australian Open Maria Sharapova und Victoria Azarenka gegenüberstehen, dann wird sich das wie ein Porno anhören. Und ein lauter noch dazu: Schlaue Menschen haben mal gemessen, dass ein Löwe mit einer Lautstärke von durchschnittlich 110 Dezibel röhrt. Zum Vergleich: Bei der Russin Maria Sharpova wurden im Achtelfinale gegen die Deutsche Sabine Lisicki 101 Dezibel gemessen, das ewige Gestöhne der Weißrussin Azarenka war bei ihrem überraschenden Sieg über Titelverteidigerin Kim Clijsters immerhin 92 Dezibel laut. Ist das jetzt schon Lärmbelästigung oder erst an der Grenze dazu? Genau darüber ist Down Under jetzt eine alte Diskussion neu entflammt.

Monica Seles hat Mitte der Achtziger Jahre das "Grunting", die Lautäußerung von Spielern beim Schlagen eines Balles, auf der Damentour eingeführt. Eine ihrer großen Widersacherinnen damals, Martina Navratilova, ist auch heute noch schwer genervt von dem Gestöhne: "Ist es denn ein Zufall, dass eine Sharapova am lautesten stöhnt, wenn es um die Big Points geht", fragt sich die Tennis-Legende und spricht letztlich von "einer Art Betrug im Spiel, weil es den Klang übertönt, der entsteht, wenn der Ball die Saiten trifft." Ein anderer Großer von früher, John McEnroe, geht noch einen Schritt weiter. "Big Mäc", in seiner aktiven Zeit nicht gerade als Leisetreter bekannt, will das maßlose Stöhnen verbieten. "Sonst wird langsam, aber sicher der Charakter des Tennis zerstört. Und die Schönheit des Spiels", so McEnroe zur "New York Times".

WTA sucht nach Lösung

Aber auch die Geduld der aktuellen Spielerinnen mit ihren ohrenbetäubenden Aktricen Sharapova und Azarenka, die sich hartnäckig bis ins Finale gekreischt haben, neigt sich dem Ende entgegen. Auch sie fordern: Verbietet das Stöhnen! Agneszka Radvanska, die gegen Asarenka in Melbourne verlor, muffelte hinterher: "Es stört! Ich glaube nicht, dass es nötig ist, so laut zu schreien." Die ehemalige Nummer eins der Welt, Caroline Wozniacki, behauptete neulich sogar: "Die beiden machen das mit Absicht." Nach ihrer Niederlage gegen Maria Sharapova sagte Sabine Lisicki, das Stöhnen ihrer Gegnerin sei schon ein Schreien. Und die Kreischsägen? Wehren sich: "Das ist Teil meines Spiels, meiner Atmung, meiner Bewegung", so Azarenka. "Ihr alle habt mich aufwachsen und spielen gesehen. Ich bin seit jeher so", sagt Sharapova. Die Super-Diva interessiert "das ganze Gequatsche über das bisschen Gequieke von mir" nicht. Sollte sie aber.

Die WTA sucht nun nämlich nach einem Weg, das Stöhnen einzudämmen, ohne Gewohnheitstäterinnen wie Sharapova zu diskriminieren. "Wir glauben, dass wir uns der Bedenken annehmen und unsere Regel- und Ausbildungspolitik überdenken müssen", heißt es in einer Stellungnahme. Das klingt ziemlich soft und hilft den übertragenden TV-Stationen und den Gegnerinnen der brüllenden Tennissirenen für den Moment wenig. Martina Navratilova ist da schon radikaler: "Wenn man den Schiedsrichtern die entsprechende Macht gibt, werden die es auch durchsetzen", sagte die frühere Meisterspielerin. Und Bundestrainerin Barbara Rittner fordert: "Eine Regel, zumal schriftlich, das wäre super. Dann kannst du bestrafen wie bei einem Fußfehler."

"Erschießen können wir sie ja schlecht"

Michael Stich sieht es noch pragmatischer. Der Wimbledon-Sieger von 1991 schlug vor, den Frauen einfach mal ein Video vorzuspielen, welche Töne sie von sich geben. Dann würden sie das Gestöhne schnell sein lassen, glaubt Stich. Und was, falls nicht? "Erschießen können wir sie ja schlecht."

Zu Schießereien wird es am Samstag beim Finale nicht kommen, aber wegen ihres markerschütternden Stöhnens stehen sowohl Azarenka, als auch Sharapova zumindest auch in der Schusslinie der Fans. Die machen sich mittlerweile einen Spaß daraus und äffen die zwei bei den Seitenwechseln und den Interviews unten auf dem Court nach. Vor allem Azarenka bekommt regelmäßig ihr Fett weg. Über die konnte man übrigens jüngst erfahren, dass sie es nicht aushalten könne, wenn jemand in ihrem Haus ein Liedchen trällern würde. Das gehe ihr auf die Nerven.


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