Leichtathletik Keine Folgen für geständige DDR-Trainer


Doping-Geständnis im Deutschen Leichtathletik-Verband: Fünf Trainer haben sich erstmals dazu bekannt, in der ehemaligen DDR Dopingvergehen begangen zu haben. Einen Rauswurf haben sie indes nicht zu befürchten und bekommen von höchster Funktionärsebene sogar den Rücken gestärkt.

Fünf Trainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) haben sich erstmals zu ihrer Doping-Vergangenheit bekannt, dürfen aber weiter für den DLV arbeiten. Wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Montag mitteilte, hat eine Kommission die Erklärung der früheren DDR-Betreuer "als wichtigen und hilfreichen Schritt bezeichnet". Es bestünden keine Bedenken, dass die Unterzeichner "im Bereich des DLV als Trainer beschäftigt oder weiterbeschäftigt werden". Bei den Personen handelt es sich um Klaus Baarck, Gerhard Böttcher, Rainer Pottel, Maria Ritschel und Klaus Schneider.

In der seit Jahren anhaltenden Debatte um den Umgang mit der Doping-Vergangenheit von Trainern aus der ehemaligen DDR gilt dies als eine für den deutschen Sport wegweisende Lösung. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) begrüßte die Bekenntnisse als ein Signal für die Übernahme von Mitverantwortung. Nach 20 Jahren werde es Zeit für eine Versöhnung zwischen Tätern und Opfern, sagte Schäuble in Berlin. Doping habe es in beiden Teilen Deutschlands gegeben. "Wir sollten uns daher hüten, mit dem Finger auf den jeweilig anderen Teil zu zeigen. Es ist vielmehr an der Zeit, dass Deutschland auch im Sport zusammenwächst und deshalb die Fehlleistungen als eigene verstanden werden. Dazu gehört im Leistungssport auch die gemeinsame Aufarbeitung der Dopingfälle in Ost und West. Unterschiede darf es hier nicht geben."

Deshalb hat der DOSB das Forschungsprojekt Doping ins Leben gerufen, "um eine fundierte Aufarbeitung von Doping in Ost und West zu gewährleisten". Dabei sollen Doping-Delikte in beiden gesellschaftlichen Systemen Deutschlands aufgearbeitet werden. Die Erklärung ist aus dem Trainerkreis initiiert worden und wurde der Unabhängigen Kommission zur Überprüfung von Trainern und Offiziellen mit Dopingvergangenheit unter Vorsitz des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Udo Steiner vorgelegt.

Neue Chance für betroffene Trainer

"Der DOSB hat die entscheidenden Bedingungen formuliert: Der Betreffende muss sich zu seinen Verstrickungen zum Thema Doping im DDR-Regime bekennen. Er muss sie aufrichtig bedauern vor allem im Hinblick darauf, dass er bei betroffenen Athleten teilweise schwere gesundheitliche Schäden mit herbeigeführt hat. Und er muss sich seit der Wiedervereinigung nichts mehr zuschulden kommen lassen und sich glaubhaft gegen Doping eingesetzt haben", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach. Die vorgelegte Erklärung genüge diesen Bedingungen: "Auf dieser Basis kann den betreffenden Trainern eine neue Chance eingeräumt werden."

Die betroffenen Personen sind Klaus Baarck aus Neubrandenburg (Siebenkampf), Gerhard Böttcher aus Halle/Saale (Diskuswurf), Rainer Pottel aus Berlin (Sprung/Mehrkampf), Maria Ritschel aus Halle Saale (Speerwurf) und Klaus Schneider aus Magdeburg (Kugelstoßen). Nicht dazu zählt der Berliner Werner Goldmann: Der Doping-belastete Coach von Diskus-Vizeweltmeister Robert Harting will vor dem Arbeitsgericht Darmstadt erreichen, dass er weiterbeschäftigt wird. Der für Donnerstag angesetzte Prozess ist aber verschoben worden.

"Erstmals bekennen sich fünf deutsche Trainer im Hochleistungssport zu ihrer Doping-Vergangenheit und zeigen Einsicht und Reue verbunden mit einer Entschuldigung für die Opfer", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop. "Die nun unterzeichnete Trainer- Erklärung ist kein Ersatz für die grundlegende Aufarbeitung von Doping in Ost und West vor 1990, die nach wie vor zwingend auch für den Westen notwendig ist. Aber sie ist ein wichtiger und richtiger Schritt, um ein nicht aufgearbeitetes Kapitel der deutschen Sportgeschichte aufzubrechen."

Der Jurist unterstrich, dass die Trainer seit 1991 erfolgreich für den Verband arbeiten: "Sie haben sich seit dieser Zeit für einen dopingfreien Sport engagiert und sich nichts zuschulden kommen lassen." Neben den Opfern dürfe man bei der Aufarbeitung der Doping- Vergangenheit aber auch die Trainer nicht vergessen, die in der ehemaligen DDR nicht bereit waren, Dopingmittel zu verabreichen und deshalb auf ihre Karriere im Hochleistungssport verzichten mussten und auch nach der Wiedervereinigung keine Chance mehr bekommen haben. Der DLV will deshalb jene Trainer sowie Dopingopfer zum Eröffnungstag der Leichtathletik-WM in Berlin (15. bis 23. August) einladen. Bis dahin wollte der Verband den Fall mit den fünf Trainern unbedingt vom Tisch haben, um Negativschlagzeilen zu vermeiden.

Ulrike John/DPA DPA

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