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Markus Esser: Pirat, Harley-Fahrer und Hammerwerfer

Um seinen mächtigen Hals hängt ein Miniatur-Hammer des germanischen Donnergottes Thor, im Ausschnitt steckt das Tigermaskottchen der Freundin, nur die Bronzemedaille fehlt. Doch von wegen Blech: Dem Athleten gehört die Zukunft.

Markus Esser war sichtlich stolz auf seinen vierten Platz im Hammerwerfen. Der 25 Jahre alte Leverkusener - eher Surfer-Typ als bärbeißiger Kraftsportler - ist einer jener Athleten, die beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) die Zukunft verkörpern. "Natürlich ärgere ich mich ein bisschen, dass 19 Zentimeter zur Medaille gefehlt haben. Aber ich will die nächsten zehn Jahre noch werfen", sagte Esser.

Glänzende Perspektive für den ausgebildeten Erzieher und Unteroffizier

"Ich bin froh, dass ich allen gezeigt habe, dass Deutschland wieder einen Hammerwerfer hat, der gute Weiten erzielt", sagte der Schützling von Helge Zöllkau, der auch Speerwerferin Steffi Nerius betreut. Die WM-Titel von Heinz Weis (1997) und Karsten Kobs (1999) sind schon eine Weile her. Der derzeit verletzte Dortmunder Kobs ist zwar ebenso wie Holger Klose (Saarbrücken), der in Helsinki auf Rang elf kam und seine Karriere nun doch nicht beendet, noch internationale Klasse. Aber der "gute Esser" hat nun glänzende Perspektiven für die EM 2006 und die Olympischen Spiele 2008.

Dort kann sich der Unteroffizier der Bundeswehr weiter einen Namen machen. "Ich bin ausgebildeter Erzieher, habe einen Schnauzermischling, bin eingefleischter Harley-Fan und Hammerwerfer", so stellt sich der Mensch Esser vor. Leichtathletik-Fans kennen ihn im Piraten-Look, doch beim größten Erfolg seiner Karriere hatte er kein Stofftuch auf dem Kopf. "Das wird international nicht so gerne gesehen", sagte er. Dem Laien muss Esser mitunter erklären, was er da überhaupt macht in dem Käfig. "Viele verwechseln das mit einem Vorschlaghammer und denken, den schleudern wir wie einen Speer hinaus."

Mit vier Drehungen in Richtung Himmel

Ob es einem dabei nicht schwindelig wird? "Nur wenn man Imitationen ohne Hammer macht - oder wenn man sich im Training mal andersherum dreht." Mit vier Drehungen schleudert Esser das 7,26 Kilo schwere Gerät in den Himmel. Der höchst komplexe Bewegungsablauf erfordert nicht nur eine perfekte Koordination, sondern auch enorm viel Krafttraining. Esser ist mit 1,82 Meter nicht nur etwas klein für einen Hammerwerfer, er bringt beispielsweise auch nicht so viel Kraft auf wie der alte und neue Weltmeister Iwan Tichon. Esser: "Der macht Kniebeugen mit über 300 Kilo - mit 330 wie ich gehört habe."

Der Weißrusse gewann mit 83,89 Meter und blieb damit noch deutlich unter seiner diesjährigen Bestleistung. Mit 86,73 war er am 3. Juli im heimischen Brest nur einen Zentimeter hinter dem Weltrekord des früheren UdSSR-Stars Juri Sedych zurückgeblieben. Diese Weite galt eigentlich als Relikt aus einer dopingverseuchten Ära. "Jeder weiß, zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen diese Weite zu Stande gekommen ist", sagte Esser und zuckte mit den Schultern: "Aber, Hut ab vor Tichon."

Ulrike John/DPA / DPA

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