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Masters Cup: Für Schüttler kam das "Aus" im Halbfinale

Aus der Traum vom Endspiel bei der Tennis-WM - Rainer Schüttler konnte es auch Stunden nach dem Match noch nicht begreifen.

Aus der Traum vom Endspiel bei der Tennis-WM - Rainer Schüttler konnte es auch Stunden nach dem Match noch nicht begreifen. Souverän hatte der Überraschungsgast im Halbfinale Lokalmatador Andre Agassi in Schach gehalten, den ersten Satz mit der ersten Breakchance für sich entschieden und das Match bei eigenem Aufschlag diktiert. Bis zu diesem Moment, in dem ihm der feuchte Griff seines Tennisschlägers aus der Hand glitt und das Halbfinale beim Masters Cup im schwülen Houston/Texas eine für den 27-jährigen Korbacher fatale Wendung nahm. Zwar stemmte sich der WM-Debütant gegen sein Schicksal und hatte sogar die Chance, das Blatt noch einmal zu wenden. Doch nach 128 Minuten hieß es 5:7, 6:0, 6:4 für den Weltmeister von 1990.

Agassi: "Ich musste alles geben"

Der Senior im Feld der acht besten Tennisprofis der Saison wusste, dass er mit einem blauen Auge davongekommen war. Im Finale an diesem Sonntag traf Agassi auf den Schweizer Roger Federer, der sich nicht erst beim 7:6 (7:2), 6:2 gegen den Amerikaner Andy Roddick zum WM- Favoriten mauserte. "Rainer hat Pech gehabt. Er hat sehr gut gespielt; ich musste alles geben", meinte Agassi. Der 33-Jährige bestätigte ohne lange nachzudenken, dass dieser Sieg weit glücklicher war, als jener im Januar im Finale der Australian Open (2:6, 2:6, 1:6).

Der Kreis hatte sich geschlossen. Aber trotz der neuerlichen Niederlage gegen Agassi hat sich vieles verändert in dem einen Tennisjahr, das für Rainer Schüttler das mit Abstand erfolgreichste seiner 1995 gestarteten Profikarriere wurde und das er auf Platz 6 im Champions Race beenden wird. "Natürlich bin ich unheimlich enttäuscht, nicht im Finale zu sein. Aber ich bin auch stolz darauf, was ich geleistet habe. Mich hat doch keiner im Halbfinale erwartet", meinte er. Mehr als ein gequältes Lächeln konnte er sich trotzdem nicht abringen. "Es ist mir nichts geschenkt worden. Ich habe mir alles hart erarbeitet."

Schüttler gehört zu den schnellsten und quirligsten Spielern

Diese Tugenden hat die Tennis-Welt schätzen gelernt. Zumal sich Schüttler zu einem der schnellsten und quirligsten Spieler auf der Tour entwickelt hat. Hinzu kommt ein Selbstvertrauen, das mit jedem Sieg gestiegen ist. Und davon gab es in dieser Saison reichlich. In den Statistiken der ATP stehen 71 Siegen 30 Niederlagen gegenüber. Zwei von 27 gespielten Turnieren (Tokio/Lyon) hat er gewonnen; allein 15 Mal stand er im Viertelfinale. "Das hat nicht einmal ein Boris Becker in einer Saison geschafft", sagte sein Trainer Dirk Hordorff stolz.

Schüttler: "Ich hab’s nicht geschafft."

Trotzdem stand am Ende der Saison wieder die niederschmetternde Erkenntnis: "Ich hab’s nicht geschafft." So wie in Melbourne. Dabei hatte Schüttler den alternden Superstar aus Las Vegas im August in Montreal in drei Sätzen geschlagen und sich mit dem ersten Sieg im dritten Vergleich gütlich getan. "Aber heute war Andre einfach zu stark. Er nutzt jeden kleinen Fehler gnadenlos aus. Deshalb ist er ja auch einer der besten Tennisspieler, die es je gegeben hat."

Aber wer weiß, was geschehen wäre, wenn die fatale Szene beim Spielball zum 1:0 im zweiten Satz nicht gewesen wäre. "Danach war ich zwei Spiele nicht ganz bei der Sache", erzählte Schüttler. Verwirrt gab er die Punkte her und drohte unterzugehen. Doch es zeugt von seiner Klasse, dass er sich nicht ergeben hat, sondern mit etwas Glück das Match sogar hätte gewinnen können. "Ich habe gutes Tennis gespielt - bis auf die zwei, drei Spiele." Aber die waren entscheidend. Und aus dem Triumphator wurde ein tragischer Verlierer.

Zehn Tage Erholung in Florida

Ganze zehn Tage will Schüttler nun die Beine hoch legen und sich am Strand von Florida erholen. Dann beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison, die mit einem Einladungsturnier in China startet und bei den Australian Open Ende Januar den ersten Höhepunkt hat. "Länger halte ich es ohne Tennis auch gar nicht aus", meinte der Junggeselle, der in Texas Besuch von einer Freundin bekam. Indira (23), die frühere Sängerin der Pop-Gruppe "Bro’Sis", die es inzwischen solo versucht, nutze einen beruflichen Abstecher und verfolgte das Halbfinale aus der Box des Korbachers. Doch der "Shaker" war untröstlich und hatte, wie er meinte, "keine Lust zum shakern".

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