Australian Open Fremdschämen für Deutschland


Bei den Australian Open gibt sich das jüngste Publikum der Tennis-Welt die Ehre. Das Grand-Slam-Turnier wird dann zur internationalen Party-Zone. Meistens ist die Stimmung ausgelassen, selten aggressiv, aber immer alkoholgetränkt - peinlich wird es nur, wenn die Deutschen kommen.

Mitte des dritten Satzes im Match von Rainer Schüttler hatte der Ordnungsdienst genug. Die wilden Männer aus der deutschen Fanecke wurden unmissverständlich aufgefordert, sich wieder anständig anzuziehen. Hosen hoch - die hatten sie in der Mittagshitze von Melbourne runtergelassen und standen mittlerweile nur noch mit einem Slip bekleidet auf der Tribüne. Also: Hosen hoch, sonst Rauswurf.

Bei den Australian Open in Melbourne bevölkert das jüngste Publikum aller großen Tennisturniere die Anlage. Da geht es denn manchmal zu wie im Fußballstadion - und zwar bei den Ultras. Weltreisende und einheimische Kids unterschiedlichster ethnischer Herkunft bilden eine bunte Mischung.

Stimmung ist meistens lustig, selten aggressiv

Die Stimmung ist in der Regel lustig, laut und alkoholgetränkt. Manchmal aggressiv, meist friedlich, mitreißend und gerne auch mal peinlich. Letzteres vor allem, wenn die Deutschen kommen. Da möchte man sich fremdschämen, was möglicherweise daran liegt, dass man die Sprache versteht und die Sprechchöre - jedenfalls so lange sie noch verständlich ausgesprochen werden.

"Doitschlaaand, Doitschlaaand" gehört noch zu den originellsten Gesängen, die den Tennis-Germanen über die Lippen kommen. "Kämpfen, Rainer, Tommy, Anna, Philipp, Andi, kämpfen", kommt schon seltsam an bei Temperaturen knapp an die 40 Grad. Unten schwitzt der deutsche Spieler, oben feiert die laute Fankultur, die mit Tennis eigentlich gar nichts am Hut hat. Sonst wäre schließlich bei den immer weniger werdenden Turnieren in Deutschland der Zuschauerschnitt nicht kurz vor dem Rentenalter.

Deutsche Fans: Einfach geil

"Der heißt Philipp, nä?", fragte beim Kohlschreiber-Match einer seinen Kumpel. Ein Nicken, dann los: "Auf geht's, Philipp, auf geht's." Die Anfeuerungen zwischendurch müssen schließlich sein, man ist ja bei einer Sportveranstaltung. Aber eben einer ganz besonderen. "Das ist hier einfach geil", sagt Frankie aus Nürnberg. Der 20-Jährige ist nach dem Abitur mit seinem Kumpel Mark zu einem ausgedehnten Australientrip aufgebrochen, die Open gehörten unbedingt zum Plan: "Wir haben gehört, dass da immer Fete ist."

Für die Sicherheitskräfte ist das natürlich nicht immer ein Spaß. Den Party-Fans sind auch Rüpel gefolgt, die ihre Neigungen ungehemmt ausleben. Vor zwei Jahren fielen Griechen bei einer Schlägerei auf, im letzten Jahr musste bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Serben und Kroaten Pfefferspray eingesetzt werden. Da ist es doch ganz okay, wenn die Deutschen nur öffentlich die Hosen runterlassen.

Andreas Hardt/SID SID

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