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Matti Nykänen: Sturzflug in den Knast

Er ist der beste Skispringer aller Zeiten, ein Idol in seiner Heimat Finnland. Sein Privatleben hat Matti Nykänen allerdings nie in den Griff bekommen. Jetzt droht ihm das Gefängnis.

Nach seinen Sprüngen zu Olympiasiegen und Weltmeisterschaften droht dem finnischen Ex-Skisprungstar Matti Nykänen, 41, jetzt der große Absturz. Wegen versuchten Totschlags muss er sich vor einem Gericht im finnischen Tampere verantworten. In schwarzer Lederjacke und mit schwarzen Hosen ließ er sich auf die Anklagebank führen. Wenn das Gericht zwei Messerstiche in den Rücken eines Freundes als Tötungsversuch wertet, erwartet Nykänen eine Haftstrafe zwischen drei und vier Jahren.

"Bitte lasst Matti laufen"

Nach seiner Festnahme vor zwei Monaten hatte der Finne erklärt, er könne sich an nichts erinnern. Das Opfer dagegen, ein 49 Jahre alter Freund des früheren Supersportlers, berichtete unmittelbar vor der Prozesseröffnung, Nykänen habe ihm im Vollrausch im Sommerhaus von Ehefrau Mervi Tappola nahe der Ortschaft Nokia sein 13 Zentimeter langes Messer zwei Mal in den Rücken gerammt. Auslöser sei gewesen, dass Nykänen beim Fingerhakeln verloren hatte.

Das Opfer selbst bat um einen Freispruch: "Bitte lasst Matti laufen. Wenn er nicht trinkt, ist er der netteste Mensch der Welt." Das Gericht im mittelfinnischen Tampere könnte das anders sehen, nachdem Nykänen in den Jahren nach seinen vier Olympiasiegen, vier Weltmeistertiteln und 46 Weltcupsiegen immer wieder auch durch Gewalttätigkeit aufgefallen ist.

Vorbestraft ist der aus einfachen Verhältnissen in Jyväskylä stammende Finne wegen eines Schnapsdiebstahls aus einem Kiosk und wegen Prügel für seine dritte Ehefrau Mervi Tappola. Schon in der Endphase seiner aktiven sportlichen Karriere machte Nykänen mehr durch Alkoholexzesse auf sich aufmerksam als durch weite Sprünge. Danach trat er unter anderem als Popsänger und als Stripper auf, verkaufte seine Medaillensammlung, erteilte für Geld Sex-Ratschläge und tat für Geld eigentlich alles.

Für die finnische Boulevardpresse war Matti Nykänen stets ein zuverlässiger Schlagzeilenlieferant. "Was Matti auch machte, das Interesse der Leute war immer groß. Sie konnten sich sicher sein, dass irgendwas Außergewöhnliches passieren würde", sagte Reijo Ruokanen von der finnischen Zeitung Iltalehti stern.de.

Der 44-Jährige abgestürzte Star sei ein Phänomen und laut Ruokanen keineswegs ein Opfer windiger Berater und schlechter Freunde. "Nykänen hatte gute Berater und erhielt von allen Seiten Hilfe." Letztendlich sei er an sich selber gescheitert. Als einzige Konstante in seinem Leben erwies sich die Abhängigkeit von hochprozentigem Alkohol.

Kai Behrmann und Thomas Borchert/DPA / DPA

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