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Mehr Sport: Die Juliane Schenk-Kolumne 2011/12 - Teil 2

Nach der turbulenten Weltmeisterschaft ist bei Juliane Schenk so langsam der Alltag eingekehrt. In Ihrer Kolumne berichtet die deutsche Medaillenhoffnung für die Olympischen Spiele 2012 im Badminton wie das World Superseries Finale gelaufen ist, wie der Pulver-Bestand aussieht und warum in Dubai alles in die Luft fliegen wird.

Hallo Leute,

die Weihnachtspause steht vor der Tür und ich melde mich direkt aus Beijing vom Flughafen und befinde mich auf dem Heimweg, nach dem das BWF World Superseries Finale mit den besten acht Spielern der Saison hinter mir liegt.

Bevor ich nach Liuzhou/China geflogen bin, habe ich am 09.12 noch die Sportehrenmedaille des Landes NRW - überreicht durch Ministerin Ute Schäfer im Rahmen des Felix Awards in Düsseldorf - entgegengenommen. Durch den Gewinn der WM-Medaille sowie weiteren sportlichen Erfolgen des Jahres 2011 habe ich die Einladung sowie Nominierung erhalten.

Hierfür habe ich extra die Anreise zum Finale um einen Tag verschoben, um auch ausgiebig feiern zu können. Denn am nächsten Morgen um acht Uhr zum Flughafen zu müssen, wäre bei einer entsprechenden Veranstaltung die Höchststrafe.

Somit habe ich den Abend in der Mitsubishi-Electric Halle mit über 1200 Gästen, einem unterhaltsamen Rahmenprogramm, vielen spannenden Begegnungen und einer Aftershow Party, genießen und feiern können.

Auch wenn es zum Gewinn des Awards zur besten Sportlerin des Jahres 2011 nicht gereicht hat, bin ich glücklich diesen Abend live erlebt zu haben. Den Verantwortlichen habe ich schon die Zusage gegeben, alles daran zu setzen, mich erneut für eine Einladung dieser Topveranstaltung zu empfehlen.

Nach den Feierlichkeiten also ab in den Flieger und ein viertes Mal in diesem Jahr heißt es: Ni hao, China. Übrigens war ich dieses Jahr bereits insgesamt sechs Mal in Asien. Ein ganz schönes Pensum, umso größer ist die Freude auf ein paar freie Tage, wenn ich morgen wieder in der Heimat eintreffe.

Um es kurz und knackig auf den Punkt zu bringen: Das Pulver oder auch das Glück ist augenscheinlich für 2011 verschossen. Nach drei Niederlagen in den Gruppenspielen war ein Weiterkommen nicht möglich. Mindestens Platz zwei der Gruppe war für den Halbfinaleinzug erforderlich.

Eine ordentliche Zweisatzniederlage habe ich mir dabei zum Auftakt des Turniers gegen Tine Baun, jene dänische Spielerin, die ich noch bei der WM um die Medaillenränge ausschalten konnte, eingefangen.

Mit dem Rücken zur Wand für ein Weiterkommen ging es gegen Sung Ji Hyun aus Korea, die momentan einen Lauf zu haben scheint. Sie ist mit einem Turniersieg bei den Korea Open angereist sowie einem Auftaktsieg gegen die amtierende Weltmeisterin in der Tasche. Allerdings konnte ich mich deutlich steigern und das Match äußerst offen, spannend und mitreißend gestalten. Leider hieß es am Ende 27:29 und 19:21 nach 60min Spielzeit.

Okay, somit war endgültig das Turnier frühzeitig beendet. Im letzten Match der Gruppenphase habe ich allerdings eine weitere Topleistung abrufen können und beinahe der Weltmeisterin Wang aus China ein Bein für ihr Weiterkommen gestellt.

Unter dem Blickfang mehrerer tausend Zuschauer und dem TV stand das Spiel nach gewonnenem erstem Satz (21:14) lange auf des Messers Schneide. Für die Chinesin ging es um alles, und ich konnte ganz befreit aufspielen, was ich sehr genossen habe. Auch wenn es am Ende mit 14:21 und 15:21 verloren ging, war es ein gutes letztes Match in 2011.

Wer weiß, der Spruch "die Letzten werden die Ersten sein“ darf gerne für mich in 2012 seine Gültigkeit haben, aber vor allem freue ich mich, wenn das Quäntchen Glück zurückkehrt, was sich jetzt über einige Turniere eine Auszeit genommen hat.

Wenn ich nach 29 Stunden Rückreise morgen wieder deutschen Boden unter den Füßen habe, weiß ich, dass ich wenigstens für einige Tage die Beine hochlegen kann. Wobei, ich hatte bisher keinerlei Zeit, um Weihnachten vorzubereiten, und da am Jahresende etliche organisatorische Dinge anliegen, könnt Ihr Euch vorstellen, dass Urlaub auch anders aussieht.

Dennoch werde ich die Zeit im Kreise der Familie und Freunde genießen, aufgrund der Zeitqualität dann eben doppelt und dreifach intensiv. Am 27.12 steht prompt wieder der Trainingsalltag an, um sich auf die bevorstehenden Korea und Malaysia Open vorzubereiten. Der Weihnachtsspeck muss wieder dran glauben und weiter geht’s im Takt.

Silvester im Flugzeug verbringen war zwar bislang noch nie mein sehnlichster Wunsch, aber in diesem Jahr lässt es sich nicht vermeiden, schließlich sind die Korea Open mit einem Preisgeld von 1,2 Millionen Dollar das höchst dotierte Turnier des Jahres und der Turnierstart ist am 03.01.2012.

Mit acht Stunden Zeitverschiebung und etwas Akklimatisierung ist es also sinnvoll, noch vor dem Jahreswechsel die Anreise anzutreten. Eine einmalige Geschichte, so dass ich um Mitternacht in Dubai, hier haben wir einen mehrstündigen Aufenthalt, landen werde und wer weiß, was die Ölscheichs alles in die Luft jagen. Ich werde mit ein paar Teamkollegen mal ganz anders den Jahreswechsel begehen und auf ein hoffentlich GOLDenes Jahr 2012 anstoßen.

Allen Lesern wünsche ich eine besinnliche Weihnachtszeit und ein gesundes, glückliches Jahr 2012!

Bis bald,

Eure Juli

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