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Mehr Sport Steiniger Weg nach Olympia - US-Trials der Leichtathleten


Die deutschen Leichtathleten haben einige Monate Zeit, um die Olympia-Norm für ein Ticket nach London zu unterbieten. In den USA läuft die Qualifikation anders: Bei den US-Trials zählt nur der eine Wettkampf, eine zweite Chance gibt es nicht. Die Konkurrenz ist bisweilen größer als bei Olympia selbst.

Wer als US-Leichtathlet an den Olympischen Spielen teilnehmen möchte, für den steht der eigentliche Saisonhöhepunkt schon im Vorfeld der Spiele an. Denn der Weg nach London führt wie gewohnt nur über die US-Trials in Eugene/Oregon.

Bei den Titelkämpfen liegen zwischen Traum und Tragödie oft nur Zentimeter oder Hundertstel. "Unsere Trials gehören zu den härtesten Ausscheidungen der Sportgeschichte", betont Auswahltrainer Bob Kersee.

Bis zum 1. Juli zählen im historischen Hayward Field keine Medaillen und Meriten aus der Vergangenheit, sondern nur die blanken Ergebnisse. Lediglich die ersten Drei jeder Disziplin sind in London dabei - und das auch nur, wenn sie mit ihren Zeiten und Weiten die Qualifikations-Standards erfüllen.

400 Meter: Sieben US-Boys unter den Top-10 der Welt

Wer in Eugene patzt, bekommt keine zweite Chance: "Do or die" nennen es die Amerikaner. "Wir lassen Leute daheim, die sich, mit Ausnahme der DDR und der Sowjetunion früher sowie Jamaika heute, für jedes andere Olympia-Team qualifiziert hätten", meint Kersee.

In einigen Disziplinen ist die nationale Konkurrenz größer als die internationale. Über die Stadionrunde sind unter den Top Ten des Jahres gleich sieben Amerikaner - und Athen-Olympiasieger Jeremy Wariner ist dabei nur die Nummer sechs. Im Sprint hingegen laufen die einst so dominanten amerikanischen Asse seit Jahren schon den superschnellen Stars aus Jamaika um Usain Bolt hinterher.

Der bis dato letzte 100-Meter-Olympiasieger aus den USA war 2004 Justin Gatlin. Er zählt wie Michael Rodgers oder 400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt in Eugene zu den Athleten mit dopingbelasteter Vergangenheit.

Justin Gatlin ist zurück 

Vor vier Jahren war Gatlin bei den Trials noch gesperrt, diesmal will der inzwischen 30-Jährige für positive Schlagzeilen sorgen. "Ich schulde meiner Familie und meinen Freunden eine große Show und ein großartiges Comeback", tönt er. Vor wenigen Wochen lief Gatlin in beachtlichen 9,87 Sekunden in Doha zum Sieg, ließ dabei unter anderen Asafa Powell (Jamaika) hinter sich.

In Eugene sind der nach einer Hüft-OP wieder genesene Tyson Gay und der Olympia-Dritte Walter Dix seine härtesten Herausforderer. Doch Gatlin schaut nicht auf die Nebenleute, sondern nur auf sich. "Ich will der Welt zeigen, dass ich ein Gott gegebenes Talent habe."

Einen elitären und exklusiven Giganten-Gipfel gibt es in der Königs-Disziplin, dem Zehnkampf. Hier treffen Bryan Clay (Olympiasieger), Trey Hardee (zweimaliger Weltmeister) und Ashton Eaton (Hallen-Weltmeister) aufeinander. Experten erwarten, dass der 20 Jahre alte US-Rekord von Dan O’Brien (8891 Punkte) fallen könnte.

Dramen gehören zu den Trials dazu

Die Trials garantieren für gewöhnlich nicht nur Top-Leistungen, sondern auch Dramen. Für zahlreiche Topstars wurden die Titelkämpfe zur Favoritenfalle. Im Frühjahr 1992 liefen über Monate im TV Werbespotts für das Duell zwischen "Dan and Dave". Gemeint waren Zehnkampf-Weltmeister Dan O’Brien und Dave Johnson.

Beide würden in Barcelona um den Titel "Worlds Greatest Athlete" kämpfen, so der Slogan. Doch der groß gehypte Zweikampf fiel aus, als O’Brien bei den Trials im Stabhochsprung dreimal an seiner Anfangshöhe scheiterte. Bye, bye, Barcelona.

Acht Jahre später trafen Weltmeister Maurice Greene und Olympiasieger Michael Johnson im vermeintlichen Super-Sprint über die 200 Meter aufeinander. Das beide sich nicht sonderlich mochten, sorgte zusätzlich für Schlagzeilen. Im Vorfeld gab es reichlich Trash Talk, das Rennen selbst wurde dann jedoch zur Luftnummer. Johnson zerrte sich den rechten Oberschenkel, Greene den linken.

Ähnlich erging es Tyson Gay 2008 in Eugene. Nach seiner windunterstützten (4,1 Meter/Sekunde) Fabelzeit von 9,68 Sekunden über 100 Meter war das 200-Meter-Rennen des damaligen Weltmeisters aufgrund eines Oberschenkel-Krampfes nach wenigen Metern beendet - und somit auch der Traum vom Doppel-Olympiasieg.

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